Ein Rapsfeld.
Ellen Hartmann | am

Wie viel Plastik steckt in unseren Böden?

Zum ersten Mal haben das Frauenhofer UMSICHT sowie das Institut für Ökologie und Politik (Ökopol) gemeinsam analysiert, wie und woher Mikro- und Makroplastik in landwirtschaftliche Böden gelangen kann.

Ziel der Untersuchung, die vom Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) in Auftrag gegeben wurde, sei es, Handlungsempfehlungen zu geben, damit Kunststoffeinträge in Böden vermieden werden können. Zwar gebe es bereits Studien zu Mikro- und Makroplastik in Gewässern, doch inwiefern ein Eintrag in Böden erfolgt, sei bisher noch wenig analysiert worden, so der NABU. 

"Während Plastik im Meer und in Gewässern bereits intensiv erforscht und diskutiert wird, liegt die Plastikverschmutzung von Böden noch unter dem Radar", heißt es von NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Die Studie: "Kunststoffe in der Umwelt: Emissionen in landwirtschaftlich genutzte Böden"

Gemeinsam untersuchten Frauenhofer UMSICHT und Ökopol sowohl Mengen als auch Quellen von Kunststoffeinträgen in landwirtschaftliche Böden. Dabei handele es sich nicht nur um Einträge, die durch die Landwirtschaft entstehen würden, sondern auch um Einträge, die Dritte verschulden würden. Hierzu gehören unter anderem Klärschlamm, Müll (auch Littering genannt), Gärreste oder Komposte. Im Rahmen der Studie sei ermittelt worden, dass die deutsche Landwirtschaft rund 1,1 Millionen Tonnen Kunststoff pro Jahr verbraucht. Somit liege die Landwirtschaft bei einem Anteil von 4,7 Prozent am deutschen Kunststoff-Gesamtverbrauch von 23,6 Millionen Tonnen pro Jahr. "Jede Tonne, die reduziert wird, zählt", sagt Miller.

Was besagt die Untersuchung?

Zusätzlich erreiche die Landwirtschaft beim Kunststoffverbrauch einen Rezyklatanteil von rund 37 Prozent und ist bei der Umsetzung der Kreislaufwirtschaft ein Vorreiter gegenüber anderen Kunststoffanwendungen.Die gesamten Emissionen werden auf mindestens 19.055 Tonnen jährlich berechnet. Hiervon kommen 15.420 Tonnen (81 Prozent) von außerhalb der Landwirtschaft und 3.635 Tonnen (19 Prozent) aus de Landwirtschaft. Demnach sei der Kunststoffeintrag Dritter wesentlich höher, als der durch die Landwirtschaft produzierte Anteil.   

Was sind die Gründe?

Gerade der Einsatz von Düngemitteln, Bodenverbesserern, Pflanzenschutzmitteln oder Saatgut würde Emissionen direkt durch die Landwirtschaft verursachen, zeigt die Studie. Mikroplastik im Boden sei nicht rückholbar und könne Jahrhunderte in der Natur verbleiben. Aber auch die Freisetzung von Kunststoffen im Futter- und Pflanzenbau, bei Pflanzbehältern, Pflanzhilfen oder Bewässerungssystemen sei verantwortlich. Zudem würden landwirtschaftliche Praktiken wie Pflanzenhilfen im Wein- und Gartenbau, die Düngung mit Kompost, der Anbau unter Folien, die Anwendung von Klärschlamm, Langzeitdünger sowie Bodenverbesserern wie Hydrogelen zu hohen Flächeneinträgen führen.

Wie könnten Lösungen aussehen?

In der Studie werden auch Lösungsansätze für die Problematik der Kunststoffeinträge durch die Landwirtschaft genannt. So wird unter anderem eine Bildungsinitiative empfohlen, um besser über alternative Praktiken für eine plastikemissionsfreie Landwirtschaft zu informieren. Dazu gehört auch die Vermittlung, wie Emissionen und der Kunststoffeintrag verringert oder vollständig vermieden werden könne und wie Kunststoffe im Kreislauf zu führen seien. Zusätzlich besagt die Studie, dass das Recycling bei allen Kunststoffanwendungen gefördert werden solle. Zudem wird ein umfassendes Umweltmonitoring gefordert und die Politik dazu angehalten, Grenz- und Schwellenwerte für Kunststoffe als Fremdstoffbestandteile deutlich zu verschärfen.

Mit Material von idw, AgE
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