Maehdrescher auf dem Acker
Birgit Greuner | am

Voraussichtliche Ernte-Ergebnisse für Niedersachsen im Überblick

Viele Betrieb kamen mit blauem Auge davon, für andere waren sie katastrophal: Hier die Ernteergebnisse 2019 der LWK Niedersachsen.

In Niedersachsen ist die Ernte, bis auf die Zuckerrüben, weitgehend eingefahren. Die LWK hat jetzt die Ergebnisse bekanntgegeben.

In diesem Jahr gab es starke regionale Ertragsunterschiede, berichtete der Kammpräsident Gerhard Schwetje:

  • Auf guten Ackerbaustandorten, die noch einigen Regen abbekommen hatten, wurden teilweise Spitzenerträge erzielt.
  • Dramatisch sah es dagegen auf sehr leichten Böden in Regionen mit geringem Niederschlag aus. Hier konnten nur schlechte bis miserable Erträge eingefahren werden.
  • So sind viele Betriebe wohl mit einem blauen Auge davongekommen. Aber ebenso viele fuhren katastrophale Ergebnisse ein.
  • Wer beregnen konnte und noch über Wasserkontingente verfügte, nutzte diese Möglichkeit. Allerdings wurden in den typischen Beregnungsregionen nach dem extrem trockenen Vorjahr mit intensiver Beregnung die erlaubten Wassermengen knapp.

Die Landwirte nutzten die begrenzten Wasserkontingente bevorzugt für wirtschaftlich besonders interessante Kulturen wie Kartoffeln, Zwiebeln oder Braugerste. Bei Getreide und Zuckerrüben haben sie die Wassermenge dagegen deutlich reduziert bzw. komplett gestrichen.

Nachfolgend eine Übersicht über die voraussichtlichen Ergebnisse der Ernte in Niedersachsen. Im Anschluss daran eine ausführlichere Beschreibung der Situation.

 

Tabelle zum Download

Niedersachsen: Anbauflächen, Ernteerträge und Erlöse

Getreideernte in Niedersachsen leicht unter Durchschnitt

Die diesjährige Gesamternte fiel in Niedersachsen mit gut 6 Mio. t (ohne Körnermais) um etwa 28 % höher aus als im außerordentlich ertragsschwachen Vorjahr:

  • Im fünfjährigen Mittel liegt die Getreideernte 2019 leicht unter dem Durchschnitt.
  • Die Steigerung der Gesamternte liegt auch an der größeren Anbaufläche von 828.500 ha. Die stieg wieder um 6 %, nachdem sie im Vorjahr um den gleichen Prozentsatz gefallen war.
  • Der Durchschnittsertrag betrug 72,5 dt/ha. Er legte im Vergleich zum schwachen Vorjahr um knapp 19 % zu.
  • Den mehrjährigen Durchschnitt erreichte allerdings nur der Weizen. Deutlich darunter blieben Roggen und Sommergerste.

Getreidequalität allgemein gut

Gerhard Schwetje von der LWK Niedersachsen

    Die Qualität des Getreides ist wie 2018 im Allgemeinen gut:

    • Der größte Teil des Weizens und Roggens erreicht für die Backeignung ausreichende Werte.
    • Auffällig waren hitzebedingt wieder die sehr niedrigen Kornfeuchten und teilweise ein erhöhter Kleinkornanteil.
    • Die niedrigen Erträge bei der Sommergerste gehen einher mit meist deutlich erhöhten Proteinwerten. Das schränkt ihre Eignung als Braugerste ein.

    Getreide: Gewisse Marktbelebung erkennbar

      Im gewogenen Mittel der wichtigsten Getreidearten liegen die bislang erzielten Preise bei 15,90 Euro/dt:

      • Sie sind damit gegenüber dem vergangenen Jahr deutlich, nämlich um 9,7 % (1,71 Euro/dt), gesunken.
      • Den Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre verfehlen sie um ein Prozent nur knapp.
      • Seit der Ernte haben sich die Preise nur wenig bewegt. Aktuell ist allerdings eine gewisse Belebung des Marktes erkennbar.

      Öko-Getreide: Erträge regional stark schwankend

        Ähnlich verlief die Entwicklung beim Öko-Getreide:

        • Die Erträge von Öko-Getreide schwankten in diesem Jahr regional sehr stark.
        • Die Qualitäten enttäuschten zum Teil.
        • Die Auswirkungen auf die Preise sind hier noch nicht absehbar. Biobetriebe lagern den Großteil ihrer Ernte erst ein und vermarkten später. Die Preisbildung ist somit noch nicht abgeschlossen.

        Rapsanbau mit deutlichem Flächenrückgang

        Raps entwickelt sich immer mehr zum großen Verlierer im Ackerbau:

        • Die Raps-Anbaufläche ist mit 75.500 ha um fast 28 % gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. Im Vergleich zu 2014 beträgt der Flächenrückgang nun schon 40 %.
        • Der durchschnittliche Ertrag von 33,9 dt/ha ist nach einem Rückgang von vier Jahren in Folge erstmals wieder gestiegen. Er bleibt aber immer noch um gut 5 % unter dem mehrjährigen Durchschnitt.
        • Der Rapsmarkt hat sich in den vergangenen Monaten positiv entwickelt. Zur Ernte konnten die Landwirte in Niedersachsen etwa 3 % höhere Preise als im vergangenen Jahr erzielen. Im Vergleich zum mehrjährigen Mittel beträgt das Plus knapp 4 %.
        • Momentan gibt es eine rege Nachfrage nach Rapsöl aus der Biodieselindustrie.

        Kartoffeln in Niedersachsen: Starke Einbußen ohne Beregnung

        Niedersachsen ist mit weitem Abstand Kartoffelland Nummer 1 in Deutschland. Die Anbaufläche beträgt im Bundesland dieses Jahr rund 123.500 ha. Das entspricht ungefähr 45 % der deutschen Anbaufläche. Die Anbaufläche hat 2019 insgesamt zugelegt (+ 8,4 %).

        Der Flächenzuwachs gilt aber nur für Verarbeitungskartoffeln, die z. B. zu Stärke, Chips oder Pommes frites veredelt werden (+ 7,3 %). Dagegen hat der Speisekartoffelanbau weitere 3 % verloren.

        Auf Kartoffel-Betrieben mit Beregnung ist insgesamt mit einer durchschnittlichen Ernte zu rechnen. Wo Beregnung nicht möglich war, insbesondere im westlichen Niedersachsen, sind starke Ertragseinbußen zu verzeichnen.
        Auch die Qualität der Knollen hat unter der Trockenheit und Hitze gelitten. So sind Wachstumsrisse sowie Durch- und Zwiewuchs zu beobachten. Ursache sind Hitzestress und sich anschließenden Niederschlägen nach langer Trockenheit.

        Gleichwohl sind die Qualitäten nach der Ernte zufriedenstellend. Zwar besteht eine stabile Nachfrage nach deutschen Bio-Kartoffeln, es bleibt aber abzuwarten, wie sich der Markt zukünftig entwickeln wird.

         

        Preise für Speisekartoffeln 20 % niedriger als im Vorjahr

        Aufgrund der Flächenzunahme wird im Vergleich zum historischen Tiefstand 2018 auch die Gesamterntemenge wieder ansteigen:

        • Für Niedersachsen werden etwa 4,8 Mio. Tonnen prognostiziert. Das sind zwar 16 % mehr als im Vorjahr, aber immer noch 2 % weniger als im fünfjährigen Mittel.
        • Die Hektarerträge von durchschnittlich knapp 400 dt/ha übertreffen das schlechte Vorjahresergebnis um vorläufig gut 8 %. Sie bleiben damit aber immer noch um fast 14 % unter dem mehrjährigen Mittel.

        Die Preise für Speisekartoffeln sind derzeit um etwa 20 % niedriger als vor einem Jahr. Allerdings zeigt der Markt eine relativ freundliche Tendenz. Es gibt kaum Angebotsdruck und in den meisten Lägern ist noch viel freier Platz.

        Für Kartoffeln insgesamt fallen die Erlöse je Hektar bislang um etwa 14,5 % niedriger aus als 2018. Damit erreichen sie annähernd den mehrjährigen Durchschnitt.

        Schwieriges Jahr auch für Niedersachsens Biokartoffeln

        Auch der Bio-Kartoffelanbau verzeichnet ein weiteres schwieriges Jahr:

        • Die Erträge, die im Vorjahr durch Beregnung noch stabilisiert werden konnten, schwanken in diesem Jahr von unter 100 bis 300 dt/ha.
        • Vor allem auf leichten Standorten waren die Ertragsschwankungen beträchtlich.
        • Gleichwohl sind die Qualitäten nach der Ernte zufriedenstellend.
        • Zwar besteht eine stabile Nachfrage nach deutschen Bio-Kartoffeln. Es bleibt aber abzuwarten, wie sich der Markt zukünftig entwickeln wird.

        Zuckerrübenernte noch nicht abgeschlossen

        Die Rübenernte ist noch in vollem Gange. Abschließende Aussagen können noch nicht getroffen werden. Die Anbaufläche 2019 bewegt sich mit gut 101.000 ha leicht (- 4 %) unter dem Niveau des Vorjahres (105.371 ha). In der Anbaufläche enthalten sind auch die Zuckerrüben für die Verwendung in Biogasanlagen.

        Es gibt viele Flächen, die trockenheitsbedingt nur sehr niedrige Erträge bringen. Diese Rüben sind dann aber häufig besonders süß. Sie weisen Zuckergehalte von 20 % und mehr auf:

        • Insgesamt schwanken die Zuckergehalte zwischen 17,4 % und über 20,7 %.
        • Erwartet wird ein mittlerer Zuckergehalt bei etwa 18,5 %. Der Wert des Vorjahres (18,2 %) wird damit leicht überschritten.
        • Der durchschnittliche Rübenertrag liegt derzeit bei knapp 640 dt/ha und damit deutlich unter dem Niveau des Fünf-Jahres-Mittels. Zu Kampagnenende liegt das bei 770 dt/ha.

        Bio-Rüben mit zufriedenstellendem Zuckergehalt

          Auch bei den Bio-Zuckerrüben ist eine extreme Heterogenität der Erträge zu verzeichnen:

          • Die Bio-Rübenerträge schwanken zwischen 200 bis über 700 dt/ha.
          • Sie weisen einen zufriedenstellenden Zuckergehalt von durchschnittlich 17,9 %.

          Maiserträge ernüchternd

          In Niedersachsen wurden rund 600.000 ha Mais angebaut:

          • Davon waren gut 10 % als Körnermais geplant.
          • Etwa 320.000 ha Silomais wurden für die Rinderfütterung und
          • weitere rund 220.000 ha für die energetische Nutzung in Biogasanlagen genutzt.

          Die Erträge waren für Rinderhalter und Biogasbetriebe oft ernüchternd. Wir rechnen hier im Durchschnitt mit etwa 20 bis 40 % Ertragsausfall. Die Bandbreite ist hoch, je nach Niederschlagsverteilung:

          • Bei starkem Wassermangel während der Blüte im Juli entwickelten sich viele kolbenarme und kolbenlose Bestände. Trotz in der Regel großer Pflanzen konnte auf solchen Flächen nicht einmal die Hälfte des normalen Ertrags eingefahren werden.
          • Selbst augenscheinlich gute Bestände mit ausgeprägtem Kolbenansatz erreichten häufig nur 75 bis 80 % der üblichen Ertragsleistung.

          Viele Körnermaisflächen als Silomais gehäkselt

          Die Situation ist beim Körnermais ähnlich, bisweilen sogar schlimmer:

          • Die Kolbenfüllung wird erst zum Ende der Vegetationszeit des Maises vollzogen. Vielfach hat die Korn- und Kolbenausbildung deutlich unter der Trockenheit gelitten.
          • So häckselten die Landwirte erneut viele Körnermaisflächen bereits als Silomais.
          • Das hat auch dazu geführt, dass die Großhandelspreise für Körnermais seit Anfang September um etwa 1 Euro/dt angezogen haben. Allerdings sind die Erzeugerpreise der aktuellen Ernte unbefriedigend.
          • Trotz der schlechten Erträge dürften sie um 7 bis 10 % unter denen des vergangenen Jahres liegen. Weitere größere Preissprünge werden wegen zunehmender Importe von Körnermais wohl ausbleiben.

          Auch Öko-Mais mit schwankenden Erträgen

            Auch beim Öko-Mais hinterließ die Trockenheit ihre Spuren:

            • Hier ist ebenfalls mit schwankenden Erträgen sowohl bei Silo- als auch bei Körnermais zu rechnen.
            • Auf leichteren Standorten ohne Beregnung werden Ertragseinbußen von etwa 25 % und mehr erwartet.

            Grünland in Niedersachsen: Dritter Aufwuchs blieb aus

            Auch die rund 700.000 ha Grünland haben stark unter dem trockenen Jahr gelitten. Es ist das zweite in Folge.

            Die Erträge der ersten Aufwüchse fielen schon sehr unterschiedlich aus, denn viele Grünlandnarben waren noch durch die Dürre 2018 geschädigt.

            Folgende Situation ist festzuhalten:

            • In günstigen nordwestlichen Lagen von Niedersachsen wurden auch gute Erträge (bis etwa 40 dt TM/ha) bei guter Futterqualität geerntet.
            • Viele Grünlandstandorte (östliches Niedersachsen, Mittelgebirge, Moore) erzielten beim ersten Schnitt im Mai jedoch nur durchschnittliche Erträge von etwa 25 – 35 dt TM/ha.
            • Insgesamt wurden vielerorts mit dem ersten und zweiten Schnitt nur 40 bis 50 dt TM/ha geerntet. Dies entspricht gerade einmal der Hälfte eines mittleren Jahresertrages.
            • Der dritte Aufwuchs fiel der ausgeprägten Trockenheit nahezu komplett zum Opfer.

            Jahresertrag beim Grünland: schlecht bis katastrophal

              Und die Trockenheit war nicht das einzige Problem. Hinzu kommt eine regelrechte Mäuseplage:

              • Die Plage hat der spätestens zum vierten Aufwuchs alle Regionen betroffen – allerdings unterschiedlich intensiv.
              • Nicht selten kam es zum Totalausfall der Grünlandbestände.

              Der Jahresertrag beim Grünland ist somit erneut als unterdurchschnittlich, um nicht zu sagen schlecht bis katastrophal, einzuordnen.

              Rund eine Million Hektar Futterfläche zu trocken

              Nimmt man Grünland und Mais zusammen, dann waren in Niedersachsen rund eine Million Hektar Futterfläche von der Trockenheit betroffen – und das ist eine vorsichtige Schätzung:

              • Die schon im Vorjahr entstandene Grundfutterlücke konnten viele Betrieben in diesem Jahr nicht schließen.
              • Restfutterbestände aus dem Vorjahr gibt es weitgehend nicht.
              • Die Grassilagen dieses Frühjahres sind bereits verfüttert worden oder werden aktuell verfüttert.

               

              Futterrationen strecken

              Es war von der Politik folgerichtig, Brache- und Zwischenfruchtmischungen, die im Rahmen von Ökologischen Vorrangflächen angebaut wurden, zur Fütterung freizugeben.

              Zudem wurden von den Betrieben im Spätsommer – wie in 2018 – vermehrt Gras, Futterzwischenfrüchte und Roggen ausgesät. So konnten sie im Frühjahr zusätzliches Futter vor der Maisaussaat gewinnen.

              Ob das alles reichen wird, ist für viele Betriebe sehr ungewiss. Ihnen bleibt sonst nur die Möglichkeit, Futter zuzukaufen, Futterrationen zum Beispiel mit Stroh zu strecken oder ihre Bestände zu verkleinern.

              Milchviehbetriebe vor großen Herausforderungen

              Erneut stehen die Milchviehbetriebe vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen:

              • Einerseits sind die steigenden Kosten der Futterration zu kalkulieren.
              • Andererseits ist ein sinkender Milchpreis zu erwarten.
              • Außerdem muss das geschädigte Grünland noch in diesem Jahr kostenintensiv repariert werden.
              • In einigen Fällen muss die gesamte Fläche komplett umgebrochen und neu eingesät werden.

              Alles das addiert sich zu horrenden Summen, die auf die Betriebe zukommen. Es ist fraglich, ob das alle leisten können. Die LWK geht deshalb davon aus, dass viele Milchviehbetriebe als Folge der zwei verheerenden Jahre zwangsläufig aufgeben werden.

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