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Petra Henze, Markus Mücke | am

Weizensteinbrand - Nicht lockerlassen

Weizensteinbrand gehört zu den gefährlichsten Krankheiten des Weizens und tritt in den letzten Jahren im zunehmenden Umfang auf. Dies gilt insbesondere für den Ökolandbau. Wir sagen Ihnen, was zu tun ist.

Neben Weizen können auch Dinkel, Triticale, Emmer und Einkorn von diesem Erreger befallen werden. Zum Problem kann der Weizensteinbrand (Tilletia caries) überall dort werden, wo Saatgut mit einem bereits vorhandenen Ausgangsbefall eingesetzt, bzw. Nachbausaatgut mehrjährig ohne Beizschutz ausgesät wird. Wer ungebeiztes Saatgut, insbesondere von Weizen oder Dinkel, auf seinem Betrieb einsetzt, sollte es vorher untersuchen lassen. Unerkannt befallenes Nachbausaatgut kann über die Jahre zu größeren Ausmaßen der Krankheit führen.

Sporenverbreitung

Bei der Ernte führt die Zerschlagung der Brandbutten in den Ähren zur Verbreitung einer enormen Menge an Sporen, die die Erntemaschinen, das Stroh, die Lager- und Hofstellen sowie die Ackerflächen verseuchen. Befallene Partien sind in der Regel nicht vermarktungsfähig und auch in der Fütterung ist befallenes Getreide kritisch zu sehen, da es zu gesundheitlichen Schäden führen kann. Bei Jungtieren und tragenden Tieren sollte eine Verfütterung konsequent unterbleiben. Bei Milch oder Eiern kann es nach Verfütterung von belasteten Getreide zu Geruchs- und Geschmacksveränderungen führen. Belastete Partien sollten besser über eine Biogasanlage verwertet werden.

Infektionswege

Die Infektion erfolgt hauptsächlich über das Saatgut. Darüber hinaus ist eine bodenbürtige Infektion durch überdauernde Sporen auf stark befallenen Flächen bekannt, was eine zusätzliche gefährliche Infektionsquelle bedeutet.

Die günstigsten Infektionsbedingungen hat der Steinbrand bei Trockenheit und Temperaturen von 6 bis 10 °C bis 14 Tage nach der Saat. Bei dem dadurch verzögerten Feldaufgang hat der Pilz ein größeres Zeitfenster für seine Infektion zur Verfügung. Je länger die Phase des Auflaufens, umso höher kann der Befall ausfallen. Die Sporen keimen zeitgleich mit dem Saatgut aus und infizieren die junge Weizenpflanze. Der Pilz wandert bis zum Vegetationskegel und besiedelt die Ährenanlage. Zu hoher Wassergehalt im Boden reduziert die Sporenkeimung.

Anstelle von Körnern werden vom Pilz in den Ähren Brandbutten ausgebildet, die eine schwarze Masse aus 4 bis 5 Millionen Brandsporen enthalten und nach Heringslake riechen. Wenn der Geruch deutlich wahrnehmbar ist, handelt es sich meist schon um einen massiven Befall. Erkrankte Pflanzen fallen im Bestand kaum auf. Sie sind aber häufig im Wuchs etwas verkürzt und haben gespreizte Spelzen. Zur Blüte fehlen die ausgetretenen Staubgefäße.

Vorbeugend agieren

Acker- und pflanzenbauliche Maßnahmen wie eine weite Fruchtfolge zwischen Weizenverwandten Getreidearten von mindestens vier Jahren, eine intensive Saatgutreinigung auf große Körner über 2,5 mm, eine spätere und nicht zu tiefe Saat nach Mitte Oktober, wenn das Temperaturoptimum für die Sporenkeimung unterschritten wird, reduzieren bereits das Befallsrisiko.

Neben der Verwendung von nachweislich gesunden zertifizierten Z-Saatgut, stehen Winterweizensorten aus biologisch-dynamischer Züchtung zur Verfügung, die laut Angaben der Züchter widerstandsfähig gegenüber Steinbrand sein sollen.

Wichtig ist eine gründliche Reinigung des Mähdreschers, um ein Verschleppen zu vermeiden. Die Getreidebestände sind etwa ab Mitte Milchreife (BBCH 75) auf Steinbrandbefall zu untersuchen und später ist das Erntegut auf Fischgeruch zu kontrollieren. Nach Befall sollte zur Folgekultur tief gepflügt werden.

Bei eigenem Saatgut-Nachbau wird dringend eine Labor- untersuchung des Saatgutes auf Steinbrandbefall empfohlen. Die entsprechenden Untersuchungen werden durch das Pflanzenschutzamt der LWK Niedersachsen angeboten.

Saatgutbehandlungen

Zur Regulierung des Steinbrands beim Winterweizen stehen im ökologischen Landbau die biologischen Beiz-Präparate Tillecur und Cerall zur Verfügung. 

Daneben bietet eine elektronische Saatgutbehandlung die Möglichkeit, auch im ökologischen Anbau eine gute Wirkung auf samenbürtige Krankheiten zu erreichen. Es handelt sich um ein physikalisches Verfahren, bei dem die Krankheitserreger am Saatgut mittels Elektronenbeschuss abgetötet werden, die Keimfähigkeit jedoch erhalten bleibt. Bodenbürtige Erreger werden mit diesem Verfahren jedoch nicht erfasst, da die Wirkung auf das Saatgut beschränkt bleibt.

Fazit

  • Weizensteinbrandbefall nimmt zu.
  • Ackerbauliche Maßnahmen sind zu berücksichtigen.
  • Verwendung von untersuchtem Z-Saatgut wird empfohlen.
  • Gegenüber Steinbrand tolerante Sorten bevorzugen.
  • Nachbausaatgut zwingend auf Steinbrand untersuchen lassen.
  • Ab 10 Sporen/Korn das Saatgut beizen.
  • Im Ökolandbau sind biologische Beizpräparate und physikalische Verfahren zugelassen.

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