Zuckerrüben auf dem Acker
Christel Grommel | am

Zuckerbranche unter Druck

Die Zuckerbranche in Deutschland steht stark unter Druck. Wettbewerbsnachteile durch Subventionen in anderen Ländern, Dürre und Verbote von Pflanzenschutzmitteln sind die Ursachen.

Das bleibt nicht ohne Folgen. Im Rheinland haben dem Rübenbauerverband zufolge in diesem Jahr 20 Prozent der Landwirte mit Rübenfeldern den Anbau aufgegeben. "Das zeigt die Dramatik der Situation", sagte Geschäftsführer Peter Kasten.

Der Markt wurde jahrelang durch EU-weit feste Zuckerquoten geregelt, nun aber herrscht der offene Wettbewerb auf dem internationalen Markt. Und dieser ist laut Kasten nicht fair gestaltet: "Worunter wir leiden, ist, dass wir mit erheblichen Wettbewerbsverzerrungen in Europa zu kämpfen haben." In etlichen Ländern erhalten Landwirte für den Rübenanbau Subventionen in Form von Prämien pro Hektar. Nach Angaben der Bauern-Kampagne #WirsindZucker werden in der Europäischen Union 30 Prozent der Zuckerrüben-Anbaufläche auf diese Weise subventioniert, in Deutschland jedoch nicht. 

"Diese Verzerrungen können wir nicht ausgleichen", bilanziert der Pfeifer und Langen-Geschäftsführer Schmitz. Die Problematik macht sich beim Konzern bemerkbar, mehr als 2.000 Stellen wurden abgebaut. Auch Nordzucker und Südzucker bauten Stellen ab und machten Verluste. 

Zu diesen Verzerrungen kommen auch noch die beiden letzten Dürresommer und die Beschränkungen bei Pflanzenschutzmitteln. Die eigentlich EU-weit verbotenen Neonikotinoide sind in zahlreichen Staaten per Notfallzulassung erlaubt, in Deutschland jedoch nicht. 

Ernte für 2020 leicht überdurchschnittlich

Immerhin sehen die Rübenbauern seit dem vergangenen Jahr eine leichte Entspannung bei Ernte und Preisen. "Wir sind noch nicht auf einem Niveau, wo es wirklich wirtschaftlich ist. Aber die Richtung stimmt", meint Bauernvertreter Kasten. 

Das Landvolk Niedersachsen erwartet eine Ernte leicht über dem Durchschnitt. "Insgesamt erwarten wir leicht überdurchschnittliche Erträge", teilt der Geschäftsführer des Dachverbandes Norddeutscher Zuckerrübenanbauer (DNZ) mit. "Der Regen kam für die Rübe vielerorts noch rechtzeitig." In fast allen Regionen Niedersachsens hatten die Rüben einen guten Start, dann aber mit fehlenden Niederschlägen zu kämpfen. Mit den zuletzt einsetzenden Niederschlägen hatten sich die Bestände aber zunehmend erholt.

Die Zuckerrübenernte steht kurz bevor: Rübenroder sind in den nächsten Wochen unterwegs. Als erste Zuckerfabrik in Niedersachsen startet das Werk Schladen mit der Verarbeitung der nunmehr vierten Kampagne von Öko-Rüben; anschließend werden auch dort konventionelle Rüben zu Zucker verarbeitet. In Clauen und Uelzen beginnt die Rübenanfuhr am 14. September. Als letzte niedersächsische Zuckerfabrik startet Nordstemmen am 17. September in die Kampagne. In Niedersachsen bauen rund 5.000 Landwirte insgesamt knapp 100.000 Hektar Zuckerrüben an. 2019 wurden im Verbandsgebiet DNZ insgesamt 9,8 Mio. Tonnen erzeugt und verarbeitet. 

Mit Material von dpa, Landvolk Niedersachsen

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