Rübenmaus_Ra
Hans Jürgen Hölzmann, Meckenheim | am

Zuckerkurse sind auf einem Höhenflug

Die Zuckerkurse sind auf hohem Niveau. Es läge nahe, sich beim Kauf oder Verkauf, auch am Kassamarkt, an diesen Kursen zu orientieren. Doch inwieweit spiegeln die Zuckerrübenpreise die weltweit guten Zuckererlöse wieder?

Die Zuckerkurse sind auf einem Höhenflug, seit einem Jahr tendieren sie stetig aufwärts. Der Sugar No. 11 erreichte im September 2021 ein Niveau wie zuletzt 2016/2017. Täglich werden an der Börse in New York über eine Million Tonnen Zucker gehandelt, das entspricht einem Tagesvolumen von mehreren hundert Millionen Euro.

EU-Weißzuckerpreis

Der notierte Kurs gilt für Rohrohrzucker, also für unraffinierten Zucker, ab den Häfen der Produzentenländer wie Brasilien. Um diese Kurse mit den EU-Weißzuckerpreisen zu vergleichen, müssen die Transport-, Handels- und Raffineriekosten zugeschlagen und das Ergebnis mit dem aktuellen Euro/Dollarkurs umgerechnet werden. Für die genannten Kosten sind ca. 150 Euro/t, zu veranschlagen, mit einer Schwankungsbreite je nach Umrechnungskurs und Transportkosten von ca. 25 Euro/t. Dabei ist unbedingt zu berücksichtigen, dass das Ergebnis dann den reinen Rohstoffpreisen für unverzollte Ware entspricht. Diese Mengen sind wegen den verschiedensten Verhandlungen aber begrenzt. Sollten größere Zuckermengen eingeführt werden, so müssen auf die abgeleiteten Preise noch die entsprechenden Zölle zugerechnet werden. Von daher gilt: Die abgeleiteten Preise sind die Mindestpreise für Weißzucker frei EU. Diese Konditionen könnten mindestens bei einem nicht überschüssigen EU-Markt, wie in den letzten drei Jahren der Fall, bei Verkäufen an EU-Süßwarenhersteller erzielt werden.

Leider scheinen sich aber die Zuckereinkäufer immer noch mehr an den von der EU-Kommission veröffentlichten Notierungen zu orientieren. Die Notierungen der EU-Kommission erfolgen zeitverzögert und zeigen auch nur die festgestellten prompten Verkaufserlöse. Der EU-Referenzpreis von 403 Euro/t stellt den Preis dar, der nach Ansicht der EU-Kommission genügt, um den Landwirten einen Zuckerrübenanbau "schmackhaft" zu machen und den Abnehmern des Zuckers zu suggerieren, "genug" für den EU-Weißzucker zu bezahlen. Aufgrund der fehlenden Orientierung an einem sachgerechten europäischen Zuckerfuture spielt daher für die Preisfindung in der EU der sogenannte Weltzuckerkurs, der Sugar Nr. 11, eine tragende Rolle.

Der Sugar Nr. 11

Der Sugar Nr. 11 erreichte Anfang September 2021 ein Niveau wie zuletzt 2016/17 und beschert den sich am Weltmarkt orientierenden Zuckerproduzenten gute Erlöse. Insbesondere für die Zuckerrübenernte 2021 und folgende wären in Abhängigkeit vom Weltmarkt im vergangenen Jahr attraktive Absicherungen möglich gewesen. Die vom Sugar Nr. 11 abgeleiteten Weißzuckerpreise liegen je nach Liefertermin zwischen 460 bis 520 Euro/t Weißzucker.

Neues Vertragsangebot

Die aus den bisherigen Verträgen abgeleiteten Zuckerrübenpreise spiegeln die weltweit guten Zuckererlöse nicht genügend wider! Die Verträge wurden nunmehr angepasst, was aber im Hinblick auf die Marktsensibilität nur zum Teil gelungen ist. Viele für beide Seiten positive Merkmale bleiben bestehen, werden aber durch neue Regelungen ergänzt. In dem neuen zwischen Pfeifer & Langen mit dem ZRAV und dem RRV verhandelten Vertragsangebot sticht dabei folgendes hervor:

  • Die Vertragslaufzeit ist unbefristet und die Mengen können jährlich angepasst werden
  • Zwischen den beiden bekannten Modellen kann nach wie vor frei ausgewählt werden, sofern in der Region insgesamt 60% Sicherheitsmodell nicht überschritten werden.
  • Die bisherigen Boni und Schnitzelvergütungen sind im Grundpreis integriert. Auch dadurch steigt der Grundpreis und auch die Zuschläge für höhere Zuckergehalte fallen entsprechend höher aus.
  • Der Mindestpreis wird in beiden Modellen angehoben (Grundpreis bei 16% Pol., im Flexpreismodell 24,50 Euro/t, im Sicherheitsmodell 27,50 Euro/t, alle Preise inkl. Schnitzelvergütung und Boni)
  • Der Vertragspreis gilt für bis zu 15 Prozent Überrüben, andererseits wird eine 90 Prozentige Vertragserfüllung (einzelbetrieblich) verlangt
  • Die Frühlieferprämie wird angehoben, die Spätlieferprämie wird zu Gunsten der Mietenschutzkosten etwas reduziert
  • Die Abschlagszahlung wird erhöht und die Schlusszahlung früher vorgenommen
  • Die Übersichtlichkeit der Abrechnung wird verbessert

Können die Zuckerrübenpreise dem Zuckerkurs folgen?

Bei fast allen europäischen Zuckerfabriken werden die ausgezahlten Zuckerrübenpreise von den jeweils erzielten Weißzuckerpreisen abgeleitet. Dabei spielt insbesondere ein "Relikt" aus der alten Zuckermarktordnung eine nicht unbedeutende Rolle. Der in der Zuckermarktordnung verankerte Mindestpreis heißt heute, zum Beispiel bei Pfeifer & Langen, Grundpreis. Dieser Grundpreis hat in den beiden Vertragsmodellen eine unterschiedliche Höhe und "deckelt" bei schwächeren Weißzuckerpreisen die Zuckerrübenpreise nach unten.

Das hört sich für den Landwirt zunächst gut an, hat aber seinen Preis. Bei EU-Weißzuckerpreisen unter 400 Euro/t, bietet das Sicherheitsmodell auf den ersten Blick eine gewisse "Komfortzone". Derartig niedrige Weißzuckerpreise und davon abgeleitete Zuckerrübenpreise, sind insbesondere in der Zukunft nicht mehr wettbewerbsfähig! Damit verliert der Zuckerrübenanbau in der EU an Bedeutung und auch der Zucker-Weltmarkt funktioniert mit derartig niedrigen Preisen nicht.

Der Getreide-, Raps- und der Kartoffelsektor zeigen praktikable Vertragsinstrumente, die den Landwirten zwar nicht das Risiko nehmen, aber bei denen die Chancen, überwiegen. Wie die Situation Anfang September 2021 zeigt, liegen die von der EU notierten Weißzuckerpreise deutlich, und zwar um ca. 100 Euro/t, unter den vom Weltmarkt abgeleiteten Weißzuckerpreisen.

Alles über die Zuckerkurse lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe der LAND & FORST 39/21. 

Inhalte der Ausgabe

  • Unkraut einfach weglasern - neue Möglichkeiten in der Landwirtschaft
  • Der Putenmarkt reagiert drastisch auf hohe Futterkosten und niedrige Erlöse
  • Das Winterprogramm der Niedersächsischen Landjugend ist da!
  • Investoren bedrängen Landwirte: Freiflächen-Photovoltaik

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