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Werner Raupert | am

Zuckerrübe - der Mut zur Lücke im Anbau wird belohnt

Die Zuckerrübe ist in den beiden Betrieben von Friedrich und Beate Hake aus Tündern bei Hameln gesetzt. Für die Region nichts Ungewöhnliches. Bemerkenswert aber, dass hier Bio- und konventionelle Rüben parallel laufen.

Der 56-jährige Landwirt hat die Zeichen der Zeit früh erkannt. Schon seit dem Jahr 2002 bewirtschaftet er den 135 ha großen Marktfruchtbetrieb seiner Ehefrau Beate nach den Vorgaben der EU-Verordnung für den ökologischen Landbau. Einem deutschen Verband ist Hake bisher nicht beigetreten. 

Neben dem Ökobetrieb führt Friedrich Hake auch noch einen 45 ha großen konventionellen Marktfruchtbetrieb. Dort wird in Sachen Pflanzenschutz wie jeher auf chemische Lösungen gebaut, die im Ökobetrieb strikt verboten sind. Auch die Nährstoffversorgung der Früchte gestaltet sich im konventionellen Bereich wesentlich einfacher, zumal seine Flächen ab dem nächsten Jahr auch nicht als Rotes Gebiet eingestuft sind.

Mit ökologischem und konventionellem Betrieb zweigleisig fahren

Die chronische Unterversorgung der Ökoflächen versucht Hake durch organische Düngung mit Geflügelmist und Schweinegülle auszugleichen. Außerdem profitiert er von den teilweise sehr hoch bonitierten Böden (30 bis 90 Punkten) im Weserbergland, die bei genügend Bodenwasser ausreichend Nährstoffe in der Vegetationszeit nachliefern.

Für beide Ausrichtungen steigen die zukünftigen Anforderungen in naher Zukunft erheblich an. Während der konventionelle Betrieb zum Beispiel mit Einschränkungen im chemischen Pflanzenschutz auszukommen hat bzw. Resistenzerscheinungen voranschreiten, muss die Bio-Einheit sich mit Vermarktungsproblemen herumschlagen. Oder zusehen, die teilweise immer noch sehr hohen Arbeitserledigungskosten wie beim Öko-Zuckerrübenanbau zu senken.

Voll auf die Zuckerrübe fixiert

on_Oeko-Zuckerrueben-Hackmaschine-Striegel

Die Rübe ist auf beiden Betrieben gesetzt. Familie Hake baut 30 ha Öko-Zuckerrüben für die Nordzucker und je nach Jahr 10 bis 12 ha konventionell erzeugte Rüben für Pfeifer & Langen, die Nordzucker und eine Biogasanlage (40 % der Menge) an, an der sie selbst beteiligt sind. 30 ha Ökorüben sind angesichts der Tatsache, dass im Biobereich keine Herbizide eingesetzt werden dürfen, eine echte Herausforderung.

Im Normalfall rechnen Hakes für die Unkrautregulierung per Hand 200 bis 250 Arbeitsstunden, zusätzlich zu den Durchfahrten mit der Hackmaschine. Das verursacht allein für die Handarbeit mit rund 2.000 bis 3.000 €/ha erhebliche Kosten, die erst einmal erwirtschaftet werden müssen.

Erträge der Zuckerrübe im Ökolandbau stark schwankend

Ob sich diese Investitionen auszahlen, hängt entscheidend von der Witterung ab. Auch wenn die Rübe mit längeren Trockenphasen besser zurechtkommt als andere Kulturen, schlagen sich Extremsituationen im Ertrag nieder. Und wenn es zu feucht ist, kommt Hake nicht zum optimalen Zeitpunkt auf den Acker. Dann wachsen die Unkräuter schnell mal davon. Die Ertragsspanne bei Öko-Zuckerrüben reicht deshalb von 20 bis 82 t/ha. In diesem Jahr kommen sie im Mittel auf 62 t/ha. 

Landwirt leistet Pionierarbeit

on_Oeko-Zuckerrueben-Praezisionsablage

„Wenn alles passt, präsentieren sich die Ökorüben genauso gut wie die mit Herbiziden behandelten Schläge“, berichtet Friedrich Hake. Bisher konnte das Beikraut nur in Längsrichtung mechanisch bekämpft werden. So blieb immer noch jede Menge Handarbeit mit entsprechend hohen Kosten über, um das Kraut auch in den Reihen zu beseitigen.

Um den hohen Kostenblock zu senken, hat der 56-jährige Landwirt eine pfiffige Lösung für den Betrieb gefunden und technisch aufgerüstet. Seit dem vergangenen Anbaujahr fährt er mit seiner umgebauten 11-reihigen Fronthacke und einem Spezialschlepper von Kubota mit nur 6 Zoll breiten Reifen nicht nur längs, sondern auch quer zu den Rübenreihen durch die Schläge.

Querhacken zu den Zuckerrübenreihen

Unabdingbare Voraussetzung für die Querfahrten ist, dass die Rübenpillen in jeder Reihe präzise im gleichen Verbund bzw. Abstand abgelegt werden. 2019 hat Friedrich Hake mit der Vorführdrille Monopill von Kverneland im Geoseed Verfahren erste Erfahrungen mit der Präzisionsablage gesammelt. Bei einem Reihenabstand von 45 cm wurden die Pillen in der Reihe in einem Abstand von 25 cm abgelegt.

Mit der Geoseed-Technik macht es möglich, das Saatgut mit Hilfe elektrisch angetriebener Säscheiben synchron abzulegen. Die Pillen können mit der Einzelkornsämaschine nicht nur präzise innerhalb der Maschinenbreite auf einer Linie quer zur Fahrtrichtung abgelegt werden. Mit der neuesten Technik ist dies jetzt sogar über die Maschinenbreite hinaus machbar. Dabei kommt es auf eine gleichmäßige Ablage der Pillen beim Einsetzen der Maschine am Feldrand an. Sonst gibt es beim späteren Querhacken böse Überraschungen, weiß der Praktiker. Intensive Ablagekontrollen und ständig neues Kalibrieren der Maschine sind daher beim Drillen unverzichtbar.

 

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