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Markus Mücke, FB Ökologischer Landbau, Goßswinth Warnecke-Busch, PSA, LWK Niedersachsen | am

Zuckerrüben lassen sich striegeln

Eine wirksame mechanische Beikrautregulierung trägt im öko-logischen Zuckerrübenanbau in hohem Maß zum Anbauerfolg bei. Kann statt der kostenintensiven Handjäte der Zinkenstriegel das Unkrautproblem lösen?

Wenn die mechanische Beikrautregulierung nicht ausreicht, bleibt oft nur noch die Handjäte. Flankierend stellt in diesem Fall vor allem die Verfügbarkeit von Saisonarbeitskräften ein großes Problem dar. Aus diesem Grund sollte mit vorbeugenden und mechanischen Maßnahmen ein möglichst hoher Regulierungserfolg realisiert werden.

Aus diesem Blickwinkel stellt sich die Frage, ob auch der Zinkenstriegel in Zuckerrüben eingesetzt werden kann, da dieser auf den meisten Biobetrieben in der Regel vorhanden ist. Der Fachbereich Ökolandbau der LWK Niedersachsen ist dieser Frage in vierjährigen Versuchen in Zusammenarbeit mit dem Pflanzenschutzamt der LWK nachgegangen.

Frühzeitig regulieren

Die Zuckerrübe ist während ihrer Jugendentwicklung vergleichsweise konkurrenzschwach. Damit die Rüben stets einen Wachstumsvorsprung behalten, müssen die Beikräuter bereits in den frühen Entwicklungsstadien der Zuckerrüben reguliert werden. Der Striegel muss auch deshalb frühzeitig zum Einsatz kommen, da er die höchsten Regulierungsgrade nur in den frühen Beikrautstadien des Fädchen- und Keimblattstadiums erreicht.

Hier liegt auch die zentrale Herausforderung beim Einsatz des Striegels. Da seine Hauptwirkung das Verschütten ist und er ganzflächig und reihenunabhängig arbeitet, müssen dabei auch die Rübenverluste beachtet werden.

Blindstriegeln

In Abhängigkeit von Witterung und Standort kann bereits wenige Tage nach der Saat ein Blindstriegeln im Vorauflauf erforderlich sein. Beim Blindstriegeln muss auf eine präzise Tiefenführung des Striegels geachtet werden. Besonders wichtig ist ein ebenes, gut rückverfestigtes Saatbett ohne tiefe Fahrspuren sowie eine gleichmäßige und auch tiefere Ablage der Saat. In den Versuchen wurden die Zuckerrüben auf etwa 3 cm Tiefe abgelegt.

Um den richtigen Termin zum Blindstriegeln abzupassen sind regelmäßige Schlagkontrollen durchzuführen. Ist der Keimspross bereits deutlich aus der Rübenpille hervorgetreten, liegen die Rübenpillen zu flach, oder ist das Saatbett zu uneben, sollte das Striegeln unterbleiben, da die Gefahr der Schädigung zu groß ist.

Striegeln im Keimblatt

Ein Striegeln im Keimblattstadium (BBCH 10) der Rüben führte in allen vier Versuchsjahren zu überwiegend hohen Verlusten. Das starke Verschütten der kleinen Rübenpflanzen war die Hauptursache für die hohen Verluste. Hier haben auch die verwendeten Zustreicher an den Säaggregaten einen großen Einfluss. In den Versuchen wurde die Fingerdruckrolle eingesetzt. Sie kann in Abhängigkeit der Bodenart eine leicht keilförmige offene Särille hinterlassen, in der die Rüben geschützt auflaufen. Es kann dadurch zu Schäden durch die Striegelzinken, vor allem aber zu einer zu starken Verschüttung der Rüben kommen.

Vorteilhafter sind Farmflexrollen als Zustreicher, da diese eine sichere Bodenbedeckung der Rübenpille und eine ebene Bodenoberfläche hinterlassen. Alternativ kann auch nach der Satt gewalzt werden, um die keilförmige Särille der Fingerdruckrolle einzuebnen. In Abhängigkeit des Standortes kann durch das Walzen allerdings die Erosions- und Verschlämmungsgefahr steigen.

Bei den Striegeleinsätzen im erstes Laubblattpaar (BBCH 12) der Rüben bewegten sich die Verluste in den vier Versuchsjahren mit der optimalen Striegeleinstellung zwischen 0 und 6 %. Die Ergebnisse zeigen, dass sich ab dem ersten Laubblattpaar der Rüben die Striegelverträglichkeit deutlich verbessert.

Zweites Laubblattpaar

Im Stadium zweites Laubblattpaar (BBCH 14) traten in fast allen Versuchsjahren und mit beiden Striegelintensitäten kaum Rübenverluste auf. Ab diesem Stadium ist ein Striegeln bedenkenlos möglich. Die Verluste von 8 % im Jahr 2020 lassen sich durch einen sehr zeitverzögerten und heterogenen Aufgang der Rüben (Etagenrüben) begründen.

Grundsätzlich können zu den optimalen Arbeitsgeschwindigkeiten und Striegeleinstellungen keine festen Vorgaben gegeben werden. Sie müssen stets standortbezogen gewählt werden.

Quer zur Särichtung

Das Striegeln quer zur Särichtung bietet sich besonders nach dem Einsatz der Scharhacke an. Damit lassen sich die Beikräuter aus dem schmalen ungehackten Band innerhalb der Rübenreihen gut in den Zwischenraum der Rübenreihen ziehen und auch verschütten. Die Beikräuter sollten aber das erste bis zweite Laubblattpaar nicht überschritten haben, da sie sonst zu stark im Boden verwurzelt sind und sich somit nicht mehr ausreichend regulieren lassen. Das Querstriegeln kann mit breiter Schlepperbereifung und mit abgesenktem Luftdruck erfolgen. Aus der Praxis liegen dazu positive Erfahrungen vor.

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