Aufgetürmte Zuckerrüben
Janina Schuster | am

Zuckerrübenanbauer reagieren auf Vorwurf des Imkerverbandes

Der Vorwurf des Imkerverbandes Rheinland-Pfalz wiegt schwer: die neonikotinoidhaltige Zuckerrübenbeize "Cruiser 600 FS" schade den Bienen. Dies wollte der Verband Hessisch-Pfälzischer Zuckerrübenbauer so nicht stehen lassen und reagiert nun darauf.

Der Imkerverband verbreite Falschinformationen und Angstparolen, so die Kritik des Verbandes der Zuckerrübenanbauer. Diese veröffentlichten zuletzt den Vorwurf, die Notfallzulassung der Zuckerrübenbeize "Cruiser 600 FS" könne aktiv mit dem Bienensterben in Zusammenhang gebracht werden. Dem widerspricht die Gegenseite nun ausführlich.

Imkerverband weist Vorwürfe zurück

Bis heute sei keine Bienenschädigung in oder durch Rüben dokumentiert. Da die Zuckerrübenpflanze nicht blühe, sei sie für die Biene nicht interessant. Dies sieht der Imkerverband anders und verweist auf die lange Verweildauer der Neonikotinoide im Boden. "Weil Neonicotinoide über mehrere Jahre im Boden bleiben, sind sie sehr persistent", erklärt Franz Botens, 2. Vorsitzende des Imkerverbands. Laut Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer sinke die Konzentration des Wirkstoffs Thiamethoxam bereits innerhalb eines Jahres auf 8%. 

Bisher keine Auswirkungen auf Bienenpopulation

Da die Zuckerrübe kaum Wassertropfen ausscheide, sei eine Aufnahme des Wirkstoffes durch die Biene auch hier nahezu ausgeschlossen. Ein festgelegter Grenzwert von Rückständen in Pollen und Nektar etwaiger Folgekulturen werde sogar noch unterschritten, so der Verband. Ein Effekt auf die Volkentwicklung der Bienen konnte bei Rückständen dieser Größenordnung nicht festgestellt werden.

Noch vor drei Jahren wurden knapp 36% mehr Beizmittel per Notfallzulassung eingesetzt. In den drei Jahrzehnten zuvor seien, trotz höherer Konzentration ebenfalls keine Schädigungen von Imkern oder Bienen bekannt geworden. Ein weiteres Argument des Verbandes: die Zuckerrübe sei ausgesprochen abriebstark und staubarm, die Ausbringt erfolgt mit abdriftmindernden Sägeräten. 

Imkerverband fordert Klärung von Haftungsfragen

Das reicht dem Imkerverband nicht aus, ihren Vorwurf widerlegt zu sehen. Botens fehlt in der Diskussion die ganzheitliche Betrachtung. "Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Schädigung der Bienenvölker durch Neonikotinoide überwiegend subletal erfolgt“, also nicht unmittelbar tödlich ist. Wiederhole sich die Aufnahme des Wirkstoffes jedoch, addiere sich Belastung. Der Einsatz mehrerer Pestizide führe zu einem "Cocktaileffekt" und die Wirkungen der Abbauprodukte werden nicht einbezogen. 

Der Verband fordert nun die dringende Klärung von Haftungsfragen. Insbesondere da die "Notfallzulassung" ihrem Namen wenig gerecht werde, gehe es rein um die Sicherung maximaler Zuckerrübenerträge.

Mit Material von AgE
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