on_Zwischenfrucht-Wurzelentwicklung
Werner Raupert | am

Zwischenfrüchte haben viele Vorteile

Neue politische Rahmenbedingungen stellen den Ackerbau vor neue Herausforderungen. Dadurch ergeben sich aber Chancen, alte Strategien im Pflanzenbau zu überdenken und Fruchtfolgen anzupassen.

Extreme Witterungslagen wie in den vergangenen vier Jahren, ein knapper werdendes Wirkstoffangebot im Pflanzenschutz sowie Einschränkungen bei der Düngung erfordern landwirtschaftliche Strategien zur Erhaltung der Wirtschaftlichkeit der Betriebe. Eine viel diskutierte Lösungsoption ist die Anpassung bzw. Veränderung der Fruchtfolge. Während die Palette an neuen Hauptkulturen begrenzt ist, bietet insbesondere der Zwischenfruchtanbau großes Potenzial.

Multitalent Zwischenfrucht

Eine gut entwickelte Zwischenfrucht ist nach Angaben von Hauke Ahnemann ein Multitalent: Sie speichert Nährstoffe, unterdrückt Beikräuter und bindet CO2, das als Humus in den Boden gelangt und die Fruchtbarkeit steigert. Die Praxis lehrt uns aber, dass eine gute Zwischenfrucht, die all diese Effekte zufriedenstellend liefert, nicht so einfach zu produzieren ist. Im Rahmen von zwei digitalen Seminaren haben Experten der LWK Niedersachsen sowohl die Möglichkeiten des Zwischenfruchtanbaus mit Blick auf die kommenden Herausforderungen beleuchtet als auch detaillierte Hinweise zum praktischen Anbau gegeben.

Reduzierende Wirkung Nitratkonzentration

Zu Auswirkungen des Zwischenfruchtanbaus und der N-Düngung auf die Nmin-Werte im Boden referierte Marie-Christin Albers. Sie zeigte auf, dass der Aussaattermin sowie die Witterung einen starken Einfluss auf den Aufwuchs und die N-Aufnahme der Zwischenfrucht haben. Je früher die Aussaat, desto mehr Aufwuchs. Generell gelte, dass eine Zwischenfrucht immer die Nitratkonzentration der Fruchtfolge absenkt, egal ob die Bestände gedüngt oder nicht gedüngt werden.

Durch den Einbau von Zwischenfrüchten reduziert sich durch die N-Nachlieferung z.B. auch das N-Optimum zu Folgefrüchten. Bei Silomais sinkt es z.B. von 189 kg N/ha in der Variante ohne Zwischenfrucht auf 180 kg N/ha bei ungedüngten Zwischenfrüchten und auf 158 kg N/ha bei mineralisch oder organisch mit 60 kg N/ha gedüngten Zwischenfrüchten. Die anrechenbare N-Nachlieferung lag in dem Versuch bei etwa 30 kg N/ha. Diese Nachlieferung müsse unbedingt beachtet werden, um NO3-Austräge im Folgejahr zu vermeiden.

Vielfältige Funktionen der Zwischenfrucht

Pflanzenbauliche Risiken und Chancen des Zwischenfruchtanbaus zeigte Kai Hendrik Howind auf. Begrenzt wird solch ein Anbau vor allem durch die Länge der Vegetationszeit (Erntedatum der Vorfrucht bzw. Aussaat der Folgefrucht), das Wasserangebot und durch phytosanitäre Aspekte. Der Großteil der Zwischenfrüchte wird laut Howind wegen der langen Vegetationszeit nach Halmfrüchten und vor Sommerungen angebaut.

Nach Blattfrüchten wird die Etablierung durch die späte Ernte der Vorfrucht oft schwierig und vor Winterungen sei der Anbau nur etwas für Spezialisten. Zwischenfrüchte haben vielfältige Funktionen. Dazu zählen z.B.

  • die Nährstoffkonservierung,
  • der Humusaufbau,
  • Erosionsschutz und die Förderung der Biodiversität.
  • phytosanitäre Effekte,
  • Abbau von Pathogenen oder direkte Effekte auf Schädlinge (z.B. zystenbildende Nematoden in Rüben)
  • Unkräuter (Unterdrückung durch starke Beschattung)
  • Hinweise auf allelopathetische Effekte von Zwischenfrüchten auf Unkräuter und Ungräser (z.B. soll Rauhafer Ackerfuchsschwanz unterdrücken)
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Diese Risiken gibt es bei der Zwischenfrucht

Neben diesen Vorteilen gebe es auch einige Risiken beim Anbau von Zwischenfrüchten zu beachten.

  • Bestimmte Zwischenfruchtarten können Schaderreger vermehren, die Pflanzen können selbst zum Unkraut werden (Nichtabfrieren im Winter oder Aussamen) oder auch den Ertrag der Hauptfrucht begrenzen.
  • Durch die Wahl unangepasster Zwischenfruchtarten können Fruchtfolgekrankheiten wie die Kohlhernie in Raps oder die Leguminosen-Müdigkeit zunehmen. Anbaupausen sollten daher auch bei Zwischenfrüchten beachtet werden. Dies ist insbesondere bei vielfältigen Mischungen eine Herausforderung, meinte der Experte.
  • Beseitigung von Zwischenfrüchten nach milden Wintern. In Zuckerrüben reicht im Gegensatz zu Mais die Wirkung der Herbizide nicht aus, um Ölrettich, Senf oder Rettich wirkungsvoll zu bekämpfen. In diesem Fall bleibt zurzeit nur der Einsatz von z. B. Glyphosat vor der Saat oder eine intensive, mehrmalige Bodenbearbeitung.

Höchste Sorgfalt notwendig

Hauke Ahnemann stellte klar, dass Zwischenfrüchte die gleiche Sorgfalt bei der Aussaat erfordern wie Hauptkulturen.

  • Ein Pflug biete hier viele Vorteile, insbesondere wenn die Bodenstruktur nach der Ernte schlecht ist, wenn viel Stroh auf der Fläche ist, hoher Unkraut- und Schädlingsdruck herrscht und wenn z.B. zumindest bis in 20 cm Tiefe Feuchtigkeit vorhanden ist.
  • Ein Tiefengrubber könnte dann eingesetzt werden, wenn die Bodenstruktur in Ordnung ist, wenig Stroh auf der Fläche liegt, ein mittlerer Unkraut-/Schädlingsdruck herrscht oder die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern geplant ist.
  • Flach grubbern biete sich z.B. nur bei guter Bodenstruktur, wenig Stroh, geringem Unkraut-/Schädlingsdruck und knapper Arbeitszeit an.
  • Eine Direktsaat eigne sich, wenn die Bodenstruktur gut, der Unkrautdruck gering ist, das Stroh gut zerkleinert bzw. abgefahren wurde, die Vegetationszeit knapp ist und dünne Güllen bzw. Festmist ausgebracht werden soll.
  • Der Experte hielt fest, dass das beste Zeitfenster für Zwischenfrüchte nach früh räumender Vorfrucht ist. Ein Strohverbleib sei wünschenswert, benötige aber ein zusätzliches Augenmerk.

Faktor Wasserverbrauch

Dem pauschalen Urteil, Zwischenfrüchte seien Wasserräuber, folgte Cordes nicht. Klar sei, dass diese Kulturen im Herbst Wasser verbrauchen. Der Wasserverbrauch abfrierender Früchte sei aber für die Folgefrucht unerheblich. Bei winterfesten Zwischenfrüchten sei ein höherer Wasserverbrauch einzuplanen. Dies könne aber über den Abtötungstermin gesteuert werden.

Fazit

  • Zwischenfrüchte sind vielseitig einsetzbar.
  • Fruchtfolgen durch Einbau von Zwischenfrüchten auflockern.
  • Rechtliche Aspekte bei der Herbstdüngung beachten.
  • Frühe Aussaattermine garantieren eine höhere Stickstoffaufnahme.
  • Nach Blattfrüchten wird die Etablierung schwieriger.
  • Unkräuter werden durch Beschattung unterdrückt.
  • Zwischenfruchtauswahl immer an die Fruchtfolgeglieder anpassen.
  • Erträge der Folgefrüchte werden oft stabilisiert.
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