Ackerboden

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Meinung | Christian Mühlhausen | am

Die Rolle des Bodens im Klimawandel

Die Landwirtschaft ist beim Thema Klimawandel Problem und Lösung zugleich. Eine große Rolle spielen der Humusaufbau und Böden.

Stéphane le Foll war französischer Landwirtschaftsminister und und brachte beim Weltklimagipfel in Paris im Dezember 2015 die "4-Promille-Initiative" ein. Die Idee: Wenn weltweit jährlich vier Promille mehr organische Bodensubstanz in den Böden gespeichert würden, so könnten damit alle globalen, vom Menschen gemachten Treibhausgasemissionen kompensiert werden. Deutschland hatte damals als einer der ersten diese Erklärung unterschrieben, die besagt: Ein Humusaufbau und damit im Boden gespeicherter Kohlenstoff soll den Motor des Klimawandels ausbremsen.

Thema Dekarbonisierung bleibt aktuell

Gute sechs Jahre danach ist es ruhig geworden um diese Initiative - und doch taucht das Thema immer wieder auf. Die Rede ist von der Dekarbonisierung, also dem Entzug von Kohlendioxid aus der Atmosphäre. Alle Anstrengungen der Klimaneutralität – von E-Autos über Wärmedämmung bis zum Abschalten der Kohlekraftwerke – drehen sich im Grunde darum.

Weniger als 10 % der Emissionen aus der Landwirtschaft

Und was hat das mit der Landwirtschaft zu tun? Eine ganze Menge, denn die weltweite Landwirtschaft ist Problem und Lösung zugleich. Weltweit knapp 20 Prozent aller Emissionen stammen aus der Landwirtschaft – notgedrungen, wird doch durch die Landwirtschaft das nicht ganz unwichtige Grundbedürfnis "Essen" befriedigt. Deutschland steht im internationalen Vergleich recht gut da: Weniger als zehn Prozent der Emissionen stammen hierzulande aus der Agrarbranche.

Landwirtschaft ist Lösung beim Klimawandel

Doch die Landwirtschaft ist auch Lösung. Denn Böden können große Kohlenstoffsenken sein, vor allem durch Humusaufbau. Aber so lobenswert die 4-Promille-Initiative und Humusaufbau generell auch ist: Man muss realistisch bleiben, das mögliche Potenzial ist nur theoretisch. Das können Praktiker bestätigen, die selbst durch intensiven Zwischenfruchtanbau und Kompostdüngung den Humusgehalt über viele Jahre nur marginal erhöht bekommen.

Wie viel Humus kann realistisch aufgebaut werden?

Hinzu kommt die schwierige Messbarkeit und Bewertung. Außerdem: Diese Kohlenstoffsenke ist stark abhängig von Wetter und Witterung, zudem nicht beliebig steigerbar und auch nicht permanent. Eine Änderung der Bewirtschaftung kann schnell große Mengen Kohlenstoff wieder freisetzen. Darauf weist das Thünen-Institut hin und ergänzt, dass die Extensivierung von bisher intensiv genutzten Grünlandstandorten auf Moor und die Wiedervernässung von zu Acker umgebrochenen Moorböden den viel größeren und auch dauerhafteren Effekt bringt, auch wenn man das im Norden und Westen Niedersachsen nicht gerne hört.

Kohlenstoffsenke Holz wird oft vergessen

Über eine wichtige Kohlenstoffsenke wird leider hinweg gesehen: den Holzbau. Ein Kubikmeter Holz speichert eine Tonne CO₂. 400.000 neue Wohnungen will die neue Regierung auf den Weg bringen, hinzu kommen viele öffentliche Bauvorhaben. Diese zumindest zur Hälfte mit heimischen Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft umzusetzen statt mit energieintensiven Beton, Stahl und Glas wäre ein ehrlicher und richtiger Schritt für mehr Klimaschutz.

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