Nutri-Score auf Lebensmittel

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Hilke Lehmann | am

Schluss mit Tricksereien

Die Verbraucher wollen den Nutri-Score. Die große Frage ist: Was will die Ministerin, fragt LAND & Forst-Redakteurin Hilke Lehmann.

Will ich wissen, was auf meinem Teller landet, muss ich die Grundzutaten einkaufen und mir mein Essen selbst zubereiten. Das kostet Zeit, die ich mir auch nehme. Aber, ich bin ehrlich: nicht immer. Und da erleichtern mir vorgefertigte Produkte den Alltag.

Gut, wenn ich schnell einen Überblick bekomme, wie gesund oder ungesund ein Produkt ist, das ich kaufen möchte. Im Urlaub habe ich auf vielen Produkten die fünfteilige Lebensmittel-„Ampel“ Nutri-Score gefunden - und fand das hilfreich. Auch in Deutschland fordern Mediziner und Verbraucherschützer seit längerem, genau diese Kennzeichnung einzuführen, weil sie universell und intuitiv verständlich ist. In Frankreich und Belgien sowie teilweise in Spanien wird sie bereits seit einiger Zeit genutzt.

Nährwertkennzeichnung: eindeutig und leicht verständlich

Nun ist im Koalitionsvertrag vorgesehen, dass auch Deutschland ein vereinfachtes, erweitertes Nährwertkennzeichnungs-System vorne auf der Lebensmittelverpackung einführen soll. 35 internationale Studien bescheinigen dem System Nutri-Score, es sei eindeutig und leichtverständlich. Unter Experten gilt es deshalb als „Goldstandard“.

Doch das beeindruckte Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) offenbar nicht. Sie ließ zunächst das bundeseigene Max-Rubner-Institut (MRI) die 13 weltweit gebräuchlichsten Nährwert-Kennzeichnungen untersuchen. Am besten schnitten dabei ein in Australien gebräuchliches Muster und Nutri-Score ab. Aber auch das reichte der Ministerin nicht. Sie gab beim MRI ein neues Siegel in Auftrag. Heraus kam der „Wegweiser Ernährung“, ein kompliziertes Gebilde aus sechs Waben, die viel Kleingedrucktes enthalten und eher Verwirrung stiften.

Klöckners nächster „Coup“: Sie lässt 1.600 Bundesbürger über vier Siegel abstimmen. Im Herbst soll auf Grundlage dieser Bürgerbefragung die Entscheidung fallen, welches Siegel sie denn nun einführen wird.

Außer Spesen nix gewesen

Bislang ist das Fazit also: Außer Spesen nix gewesen. Viel Zeit und Steuergelder verpulvert, anstatt das erprobte Label einzuführen. Foodwatch und die Fachgesellschaften waren Klöckners Zögern und Zaudern leid.

Sie gaben eine unabhängige Umfrage zu Nutri-Score und zum Wegweiser Ernährung in Auftrag, und das Ergebnis zeigt klar: Die Verbraucher favorisieren ganz eindeutig Nutri-Score. Damit gerät die Ernährungsministerin unter Druck. Sie sollte einsehen, dass nun endlich Schluss sein muss mit den Tricksereien, um Nutri-Score zu verhindern. Das heißt auch, dass sie die Bürgerbefragung komplett transparent machen muss. Ihre Glaubwürdigkeit hat sie aber so oder so schon verspielt.

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Artikel suchen und merken

✓ exklusiv: Video und Audio

✓ Familienzugang

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ Artikel merken und teilen
✓ exklusiv: Video und Audio
✓ Familienzugang
✓ 1 Tag früher informiert
Produkte entdecken
 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Tag des offenen Hofes
  • Hitzestress bei Kühen vermeiden
  • Digitalisierung im Ackerbau
  • Gärreste: Techniken zur Aufbereitung
  • Herbizidstrategien im Spargel

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen