Niedriger Wasserstand in der Okertalsperre
Christel Grommel | am

Schulze stellt Wasserstrategie vor - was erwartet Niedersachsen 2021?

Nach zwei Dürre-Sommern hat Bundesumweltministerin Schulze vor Wassermangel in Deutschland gewarnt und stellte heute eine Nationale Wasserstrategie vor. Was erwartet Niedersachsen diesen Sommer in Bezug auf das Wasser?

"Für die Zukunft ist es nicht selbstverständlich, dass es überall Wasser im Überfluss gibt", sagte sie. Nötig sei ein stärkerer Ausgleich zwischen wasserarmen und wasserreichen Regionen. "Beim Wasser gibt es kein Mengen-, sondern ein Verteilungsproblem."

Wasser dürfe als wichtiger Wirtschaftsfaktor durch Mangel kein Wettbewerbsnachteil werden. "Wichtig ist mir ein fairer Rahmen für die Wasserverteilung. Es darf keinen Kampf ums Wasser geben", so Schulze. 

Schulze stellte heute eine nationale Wasserstrategie vor. Diese soll eine Hierarchie für die Nutzung von Wasser enthalten. Die höchste Priorität habe die Versorgung der Menschen mit Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen. Danach "werde es spannend".

In der Strategie plädiert Schulze für einen massiven Ausbau der Wasserinfrastruktur. Kommunen und Wasserversorger sollten stärker überregional kooperieren und sich in Regionalverbänden zusammenschließen. "Geraten einzelne Regionen in Schwierigkeiten, können neue oder größere Fernwasserleitungen eine Lösung sein", sagte sie. Die Kosten würden etwa drei Milliarden Euro im Jahr ausmachen.

So sieht die Wasserstrategie aus

Im Rahmen des 3. BMU-Wasserforums hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze heute ihren Entwurf für eine Nationale Wasserstrategie vorgelegt. 

Diese soll:

  • die natürlichen Wasserreserven Deutschlands sichern,
  • Vorsorge gegen Wasserknappheit leisten,
  • Nutzungskonflikten vorbeugen, sowie
  • den Zustand der Gewässer und die Wasserqualität verbessern. 

 

Das sind die 10 strategischen Themen der Strategie: 

  • Wasserinfrastrukturen weiterentwickeln
  • Wasser-, Energie- und Stoffkreisläufe verbinden
  • Risiken durch Stoffeinträge begrenzen
  • Zielkonflikten vorbeugen
  • Gewässerverträgliche und klimaangepasste Flächennutzung
  • Nachhaltige Gewässerbewirtschaftung
  • Meeresgebiete vor Stoffeintrag schützen
  • Verwaltung und Datenflüsse optimieren
  • Globale Wasserressourcen schützen
  • Bewusstsein für Ressource Wasser stärken

Dieser Entwurf wird von 57 Maßnahmen ergänzt, die bis 2030 schrittweise umgesetzt werden sollen. Dazu gehört unter anderem, Regeln für Nutzungskonflikte festzulegen und eine überregionale Wasserversorgung zu etablieren. Die Abwasserabgabe soll am Verursacherprinzip ausgerichtet werden. Auch ein Konzept für eine gewässersensible Stadtentwicklung ("Schwammstadt") ist geplant. 

Wassermangel - was erwartet Niedersachsen?

Die Niederschlagsmengen im April und Mai dieses Jahres seien zwar durchschnittlich gewesen, so Experte Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Durch die niedrigen Temperaturen sei aber viel weniger Wasser verdunstet. Dadurch habe sich die Gesamtsituation entspannt, die oberen 60 bis 100 Zentimeter der Böden seien nun ordentlich mit Wasser versorgt. "Für einjährige Kulturen wie in der Landwirtschaft sollte es in diesem Jahr voraussichtlich deshalb kein Problem geben", so der Experte. 

Unter dem ersten Meter könne der Boden aber immer noch knochentrocken sein. Auch die Situation im Wald sei daher nicht optimal. Für die Trinkwasserversorgung sieht der Experte aber keine Gefahr. Marx hofft, dass sich der Grundwasserspiegel in fünf Jahren wieder normalisiert haben wird.

Auch Marx setzt auf ein Wassermanagement: Die höheren Niederschläge im Winter müssten für den Sommer genutzt werden. Jedes Bundesland habe da eigene Strategien. Marx sieht wie Schulze einen politischen Regulationsbedarf, der die Nutzung festlegt. 

Mit Material von dpa, NDR, BMU
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Nationale Wasserstrategie
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