verkäuferin hält frisches fleisch

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Meinung | Christa Diekmann-Lenartz | am

5xD beim Schweinefleisch: Jetzt sind Patrioten gefragt

Nach der Ankündigung von Rewe im August, bis zum Sommer 2022 rund 95 % ihres konventionellen Sortiments an Schweinefrischfleisch auf deutsche Herkunft umzustellen, ziehen nun die beiden Discounter Aldi und Lidl nach.

Aldi will bis zum vierten Quartal 2022 Schweinefrischfleisch auf "5xD" umstellen, Lidl sogar schon früher und einschließlich eines Teils ihrer Wurstwaren. "5xD" heißt auch Geburt in Deutschland. Endlich, endlich sind die deutschen Sauenhalter mit im Boot. Ist das nun der rettende Strohhalm, nach dem sie schon lange (zu lange) suchen?

Wirtschaft ist vorgeprescht

Als Optimist kann man anführen, dass Rewe, Lidl und Aldi zusammen Gewicht haben. Lidl gehört zur Schwarz-Gruppe, die zusammen mit Aldi, Rewe und Edeka für rund 75 % des Umsatzes im deutschen Lebensmittelhandel (LEH) stehen.

Und man darf sicher davon ausgehen, dass der "Rest" dem Beispiel von Rewe, Aldi und Lidl in irgendeiner Form folgen wird. Die Wirtschaft ist wieder vorgeprescht. Nicht nur die Haltungskennzeichnung hat sie in Eigenregie umgesetzt, sondern jetzt auch die Herkunftskennzeichnung. Die ewig zaudernde Politik brauchte es dafür nicht. Gut so!

Aldi_Logo

Zaghafte Signale

Auch auf Schlachthofseite gibt es ein erstes zaghaftes Signal: Bei den vertraglich gebundenen Schweinemästern wird Westfleisch ab 2022 unterschiedlich abrechnen, "5xD"-Schweine bekommen 1 Cent mehr je kg Schlachtgewicht. Das ist so gut wie nichts, aber es gibt jetzt eine Differenzierung.

Anstelle des 1 Cent muss bei allen Schlachthöfen künftig deutlich mehr stehen für deutsche Herkunft, abgesehen davon, dass das Niveau insgesamt kostendeckend sein muss.

Tierwohlstandards dokumentieren

Hintergrund von "5xD" ist, dass der LEH damit höhere Tierwohlstandards dokumentieren will. Das betrifft im Moment in erster Linie die Sauenhalter mit teuren neuen Haltungsanforderungen. Die müssen endlich bezahlt werden.

Lidl Logo vor blauem Himmel - Lidl stellt bei Schwein auf 5D um

Nur der erste Schritt

"5xD" nur für Frischfleisch und Wurst an der Theke umzusetzen, kann dabei nur der erste Schritt sein. Die Wertschöpfungskette sollte, auch, um glaubwürdig gegenüber dem Verbraucher zu sein, diesen Standard dann ebenso in anderen Bereichen wie Convenience, Kantinen oder Restaurants umsetzen. Müssen die deutschen Sauenhalter also doch wieder auf die Politik warten, auf eine staatlich verpflichtende Kennzeichnung?

Branche hat Instrumente in der Hand

Die neue Regierung muss dieses Thema zweifelsohne angehen. Aber mit QS und der Initiative Tierwohl (ITW) hat die Branche selbst zwei Instrumente in der Hand, die Meßlatte schnell höher zu hängen.

QS kann an seine Kriterien eine Herkunftssangabe anhängen, so dass es durchgängig Transparenz und Wahlmöglichkeit gibt.

Ohne deutsche Sauenhalter funktioniert das nicht

Warum macht ITW nicht "5xD" zum Kriterium und bezahlt die Sauenhalter angemessen aus dem ITW-Topf? Gefordert sind nicht zuletzt die deutschen Mäster: Gut und günstig im Ausland Ferkel zukaufen und die deutschen Ferkelerzeuger im Regen stehen lassen, geht bei „5xD“ nicht mehr. Ohne deutsche Sauenhaltung funktioniert "5xD" als höherpreisiges Segment nicht. Sehr gut so!

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