Schweinefleisch in einer Frischetheke
Janina Schuster | am

Abverkauf von Schweinefleisch: Es droht ein Kollaps

Wohin mit all dem Schweinefleisch? Vor dieser Frage steht derzeit eine große Zahl von Tierhaltern. Unterstützung kommt aus dem Lebensmittelhandel.

In den vergangenen Monaten spitzte sich die Situation für Schweinehalterinnen und Schweinehalter dramatisch zu. Mit dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest und den damit einhergehenden Exportstopps von Schweinefleisch nach Asien, füllten sich die Kühlhäuser rasant. Derzeit geht man von einem Lagerbestand an deutschem Schweinefleisch von über 260.000 Tonnen aus, ein eindeutiges Überangebot. Diese Entwicklungen fallen in eine Zeit, in der viele Verbraucherinnen und Verbraucher immer weniger Schweinefleisch konsumieren. Die Zahlen dafür waren in den letzten Jahren ohnehin stetig rückläufig. Eine Folge war der Einbruch der Basispreise für Schweinefleisch in den vergangenen Wochen. All das setzt die deutsche Landwirtschaft zunehmend unter Druck.

Unterstützung durch den Lebensmitteleinzelhandel

"Den Absatz von Schweinefleisch zu unterstützen, wird derzeit von vielen Landwirten an uns herangetragen", sagt Erik Döbele, Managing Director Corporate Buying bei ALDI SÜD. "Das funktioniert in Deutschland jedoch in erheblichem Umfang nur über den Preis. Wir haben in den letzten Monaten aus unterschiedlichen Gründen die Bewerbung deutlich eingeschränkt. Nicht zuletzt aufgrund des Drucks der Politik, keine Aktionspreise für Fleisch anzubieten. Viele Experten aus dem Agrarsektor bestätigten jedoch: Die Menge an Schwein muss abverkauft werden, sonst droht ein Kollaps der deutschen Schweinehaltung." Auch bei ALDI Nord setzt man auf Unterstützung der Landwirtschaft. „ALDI ist bereit, marktseitig seinen Anteil zur Entlastung der Situation beizutragen“, sagt Tobias Heinbockel, Managing Director Category Management bei ALDI Nord. „Wir haben uns bereits dazu entschlossen, unseren Abnahmepreis für Schwein bis zu 20 Prozent über Marktniveau stabil zu halten und vorerst auf Neuausschreibungen bei bestehenden Artikeln zu verzichten. Wir werden zudem in den kommenden Wochen zusätzliche Aktionsartikel zu einem günstigen Preis anbieten, den Absatz stärken und somit zur Entspannung in der Landwirtschaft beitragen. Das kann jedoch nur eine kurzfristige Unterstützung sein. Die aktuelle Situation zeigt, dass wir mit der gesamten Wertschöpfungskette gemeinsam an einem strukturellen Umdenken arbeiten müssen.“

Umbau der Landwirtschaft muss sich rechnen

Erst kürzlich signalisierte ALDI sein Interesse, eine langfristige Perspektive zur Abnahme von höher vergüteter Tierwohlware anzubieten. Es wurde angekündigt das Frischfleischsortiment in diesem Bereich nur noch aus den Haltungsformen 3 und 4 anbieten zu wollen. Auch Agrarökonomen sehen in dem Ausbau von Tierwohl einen Ansatz, die Landwirtschaft zukunftsfähig aufzustellen. "Wir sind bereit, diesen Transformationsprozess als verlässlicher Vertriebspartner zu begleiten. Doch allein kann der Handel den Wandel nicht gestalten", sagt Erik Döbele. "Nur ein Teil des Fleisches, etwa 30 Prozent, landet im Lebensmittelhandel und zu vielfältig sind die Warenströme und Lieferbeziehungen. Es braucht Dialog über alle Ebenen, um verlässliche politische Rahmenbedingungen und Vergütungsmodelle zu schaffen, damit sich der Umbau in der Landwirtschaft langfristig rechnet."

Mit Material von AHO
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