Butter
Anne-Maria Revermann | am

Aldi prügelt Butterpreise weiter nach unten (aktualisiert)

Die Einkaufspreise für Butter wurden vom Handel um 56 Cent/kg gesenkt. Aldi widerspricht den Darstellungen - und sieht die Molkereien in der Verantwortung. Landwirte und Politiker kritisieren die Handelspraktiken scharf.

Zum Jahresende protestierten zahlreiche Landwirte, vor allem in Niedersachsen, vor Zentrallagern einiger Supermarktketten, um auf die zu geringen Erzeugerpreise für Lebensmittel aufmerksam zu machen. Jetzt kommt der nächste Tiefschlag: Trotz der Gespräche, die zwischen Landwirten und Vertretern des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) stattfanden, hat der LEH für die neue Kontraktperiode die Einkaufspreise für Butter um 56 Cent/kg "nach unten geprügelt", wie der Verbandes der Milcherzeuger Bayern (VMB) berichtet.

Aldi hat inzwischen Stellung bezogen: Die geringen Einkaufspreise für Butter seien auf die Angebote der Molkereien abgestimmt. Der Konzern widerspricht den Bauern und behauptet, marktübliche Preise zu zahlen und nicht - wie von den Landwirten behauptet - 56 Cent weniger pro Kilogramm Butter.

 

LsV: "Aldi lügt"

Doch wie viel genau für Butter ausgezahlt werde, wollte Aldi aus Wettbewerbsgründen nicht verraten, so der NDR. Nur so viel: Die Preise würden sich an den Angeboten der Molkereien orientieren.

Dass dies glatt gelogen sei, erklärt Anthony Lee, Sprecher von Land schafft Verbindung (LsV) Niedersachsen. Der Preis liege mindestens 50 Prozent darunter. Weitere friedliche Blockaden vor Zentrallagern des LEH seien daher geplant.

Butterpreissenkung ist Wortbruch

In einer Molkerei wird Butter erzeugt

Die Senkung des Buttereinkaufspreises läuft völlig entgegen gesetzt zum Marktgeschehen, berichtet hingegen die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen (LVN):

Auf internationaler Ebene stiegen die Preise für Butter um 7,2 Prozent. Daneben blieben die Rohstoffmärkte für Rahm und Konzentrate stabil und auch die Absätze in den meisten Produktsegmenten sowohl im Binnenmarkt als auch im Export sind erstaunlich stabil. Die Milchanlieferung steige zwar saisonal an, bewege sich aber 1,1 Prozent unter der Vorjahreslinie.

Manfred Tannen, Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen, bezeichnet die Butterpreissenkung als Wortbruch. „Sie passt nicht zur momentanen Marktlage auf dem Weltmilchmarkt“, sagte Tannen auf Anfrage der LAND & FORST.

„Dort sind die Preise für Milch eher steigend. Ich werden den Verdacht nicht los, dass es hier weniger um Markt als um Machtkämpfe geht. Die Handelsriesen scheinen um Marktanteile auf dem Rücken der Landwirte zu kämpfen.“

Verhalten von Aldi ist "unanständig"

„Das Taktieren von ALDI lässt sich mit nur einem Wort beschreiben: Unanständig! In der einen Woche verspricht der Konzern das Blaue vom Himmel, in der anderen Woche wird geknebelt und knallhart der Preis gesenkt. Die Leidtragenden sind wieder einmal die Bäuerinnen und Bauern. Bei diesen Preisen zahlen sie drauf", kritisiert Gitta Connemann, stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag.

"Dies beweist: ALDI und Co sind keine ehrbaren Kaufleute, schon gar nicht Partner der Landwirtschaft. Sie reagieren offenkundig nur auf Druck. Und vergessen wenige Tage später ihre Zusagen."

Für Connemann sei klar: Alle Möglichkeiten der EU-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken müssten genutzt werden. Dazu gehöre ein Verbot aller einseitigen Vorgaben. Der Anwendungsbereich müsse ausgeweitet werden. Andernfalls blieben die größeren Erzeugergenossenschaften wie Molkereien ohne Schutz.

Preis-Eklat zur Chefinnensache erklären

„Die erneute Debatte um die Preissenkung bei deutscher Butter zeigt die Marktmacht des LEH (...). Die Strukturen unserer heimischen Lebensmittelproduktion drohen durch die Marktmacht des LEH zu zerbrechen“, stellt der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion Helmut Dammann-Tamke fest.

„Daher haben wir auch Verständnis, wenn gerade unsere jungen Landwirte ihren Unmut bei friedlichen Aktionen zum Ausdruck bringen (...).“

Auch die agrarpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Karin Logemann, zeigte Verständnis für die Treckerblockaden. "Ich erwarte, dass die Bundeslandwirtschaftsministerin dies nun zur Chefinnensache erklärt. Im Dialog hat man sich zuvor auf eine marktgerechte, moderate Anpassung verständigt.“ Die Preissenkung sei eine Provokation sondergleichen.

Handel und Erzeuger sind nicht auf Augenhöhe

Niedersächsischer Weg ist unterschrieben

Die Landwirte könnten nur dann gesunde heimische Lebensmittel auf den Tisch bringen, wenn auch ihre Bezahlung eine angemessene Wertschätzung der nachhaltigen Erzeugung wiedergebe, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme des niedersächsischen Landwirtschafts- und Umweltministeriums. Der ständig wieder aufflammende Preiskrieg der Lebensmitteldiscounter – wie aktuell beim Butterpreis – dürfe deshalb nicht auf ihrem Rücken ausgetragen werden.
 

Bauern an "der Nase herumgeführt"

Hintergrund: An der Kemptener Butter- und Käsebörse wurden am Dienstag (5. Januar) Butterpreise von 3,24 Euro/kg notiert. Für die vergangenen beiden Monate lag das Preisniveau noch bei 3,80 Euro/kg (netto). Die Laufzeit des neuen Kontraktes reiche etwa bis Ende Februar.

Der VMB spricht von einem "Schock für die Milchbauern". Der Lebensmitteleinzelhandel habe die Landwirte im Allgemeinen und die Milchbauern im Besonderen "an der Nase herumgeführt".

Von einer fairen Zusammenarbeit zwischen Landwirten und LEH gebe es keine Spur, ebenso fehle es an belastbaren Zugeständnissen oder gar an einer Änderung der Strategie des Handels - gerade mit Blick auf die Umsetzung der UTP-Richtlinien.

 

Mit Material von VMB, LZ, LsV, NDR
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