Fleischregal im Aldi

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Christel Grommel | am

Aldi will nur noch Frischfleisch aus hohen Haltungsstufen anbieten

Aldi Nord und Süd wollen schrittweise vollständig auf Ware aus den Haltungsstufen 3 und 4 umsteigen.

Die Lebensmitteldiscounter Aldi Nord und Süd wollen spätestens ab dem Jahr 2030 nur noch Frischfleisch von Tieren aus höherwertigen Haltungsformen verkaufen. Dann soll in den Kühltheken nur noch Fleisch aus Außenklima- und Biohaltung zu finden sein, wie die beiden Unternehmen am Freitag ankündigten. Mit diesem Schritt wolle man Landwirtinnen und Landwirten und Fleischverarbeitern Planungssicherheit für die Umstellung der Produktion geben.

"Wir meinen es ernst", sagte ein Sprecher der Handelsketten. Schon im laufenden Jahr sollen 15 Prozent des Umsatzes mit Frischfleisch von Rind, Schwein, Hähnchen und Pute aus der Haltungsform 3 erzielt werden. Derzeit liegt der Umsatzanteil dieser Stufe laut Firmenangaben bei 12 Prozent.

Ab 2025 wird Aldi dann kein Frischfleisch dieser Tierarten mehr aus Haltungsform 1 verkaufen. Bis 2030 soll das Sortiment zu 100 Prozent auf Haltungsform 3 und 4 umgestellt werden.

Nicht auf dem Rücken der Landwirte

"Das ist der konsequenteste Schritt hin zu mehr Tierwohl, die der Handel in Deutschland je gemacht hat", so ein Unternehmenssprecher.

Zudem versicherte er: "Wir tragen den Haltungswechsel nicht auf dem Rücken der Landwirte aus." Angaben zum möglichen Einfluss auf das Verbraucherpreisniveau machte das Unternehmen nicht. 

"Wir geben Landwirten und Verarbeitern über Jahre hinaus Planungssicherheit und schaffen einen starken, langfristig verlässlichen Absatzkanal für Tierwohl-Haltungsformen deutscher Landwirte. Gleichzeitig möchten wir an Politik, Handel und Industrie appellieren, gemeinsam mit uns an einem der bedeutsamsten Transformationsprojekte – der Zukunftssicherung der deutschen Landwirtschaft – mitzuarbeiten", sagte Tobias Heinbockel, Managing Director Category Management bei ALDI Nord.

Lob für diese Entscheidung kam vom  Präsident des Deutschen Tierschutzbundes sowie Greenpeace. Der Schritt sei richtungsweisend für die ganze Branche.

DBV: Worten müssen Taten folgen

DBV-Präsident Joachim Rukwied kommentiere die Ankündigung von Aldi: "Den Worten müssen auch Taten folgen! Die Haltungsstufen 3 und 4 sind aktuell eine absolute Marktnische. Wenn das Angebot in diesem Segment weiterentwickelt werden soll, sind in der Tierhaltung massive Investitionen und vor allem langfristige und verlässliche Liefervereinbarungen erforderlich."

Offensichtlich sei der Lebensmitteleinzelhandel jedoch nun bereit, auch im Einkauf erhebliche Summen aufzuwenden, um mehr Tierwohl angemessen zu honorieren. Daran habe es bisher häufig gefehlt. Glaubwürdig werde diese Ankündigung nur, wenn auch Verarbeitungsware und Fleischerzeugnisse mit einbezogen würden. Man sei beim Deutschen Bauernverband (DBV) gespannt auf die Umsetzung.

Ohne Umsetzung der Empfehlungen des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung und ohne Überwindung der politischen Blockade beim Tierwohlvorrang im Baurecht sehe man beim DBV wenig Chancen auf die Umsetzung des angekündigten Schrittes. 

Lies begrüßt den Schritt

Der Niedersächsische Umweltminister Olaf Lies begrüßt die Entscheidung von ALDI, ab 2030 ausschließlich Fleisch aus den Haltungsformen 3 und 4 zu verkaufen: "ALDI hat hier eine Entscheidung für mehr Tierwohl und für den Haltungswechsel mit einer klar festgelegten Perspektive für die Landwirtschaft aber auch für die Verbraucherinnen und Verbraucher getroffen." 

Lies vergleicht die Entscheidung mit der Entwicklung bei anderen Lebensmitteln: "Die Verbraucher und die Lebensmittelhändler haben sich irgendwann gegen Eier aus Käfighaltung entschieden. Heute kann man im Laden praktisch nirgendwo mehr Käfigeier kaufen. Eine ähnliche Entwicklung wird es auch beim Fleisch geben. Fleisch aus niedrigen Haltungsformen wird zusehends aus den Regalen verschwinden. Hier geht nun einer der großen Lebensmittelhändler voran. Ich bin davon überzeugt, dass andere folgen werden."

Die weitere Entwicklung sei nun aus mehreren Perspektiven spannend, so Lies: "Jetzt sind zunächst einmal die Verbraucherinnen und Verbraucher gefragt: bewusster, durchaus auch weniger und dafür höherwertiges Fleisch ist hier die Devise. Gleichzeitig bedeutet es für die Landwirte Planungssicherheit für die nächsten Jahre. Denn sie müssen wissen, was sie produzieren sollen."

Mit Material von dpa, ALDI, DBV, MU, LsV

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