Angestellte eines Schlachthofs zerlegen Schweineschlachtkörper
Anne-Maria Revermann | am

Arbeitsquarantäne im Schlachthof Sögel kritisiert

Mitarbeiter des Schlachthofs Weidemark in Sögel befinden sich in "Arbeitsquarantäne". Gewerkschafter kritisieren das.

Ist es zu verantworten, Mitarbeiter von Schlachthöfen in eine sogenannte "Arbeitsquarantäne" zu schicken, wie im Schlachthof Weidemark in Sögel geschehen? Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sagt: nein.

Pendeln zwischen Arbeit und Unterkunft

Der DGB kristisiert die Arbeitsquarantäne, die für Werkarbeiter des Schlachthofs Weidemark im Emsland gilt. "Besser wäre, die Beschäftigten könnten wie normalerweise üblich zu Hause bleiben, um so ihre Gesundheit nicht weiterhin aufs Spiel zu setzen", sagt Piotr Mazurek vom DGB-Projekt Faire Mobilität in Oldenburg.

Er schloss sich damit der zuvor schon von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) geäußerten Kritik an. Aufgrund von hohen Corona-Infektionszahlen bei Mitarbeitern des zum Tönnies-Konzern gehörenden Weidemark-Schlachthofes in Sögel wollte der Landkreis Emsland den Betrieb eigentlich bis zum 3. November schließen.

Dann hatte sich die Behörde mit dem Unternehmen auf eine Arbeitsquarantäne geeinigt. Das bedeutet: Die betroffenen Mitarbeiter dürfen sich nur zwischen Unterkunft und Arbeitsstelle bewegen.

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Feste Gruppen bilden

Das Unternehmen Weidemark hatte dabei zugesagt, die Umsetzung dieser Art der Quarantäne engmaschig zu kontrollieren. Nach Anordnung des Landkreises müssen die Beschäftigten des Betriebs in Sögel feste Gruppen bilden, die nicht ge- und vermischt werden.

Mazurek sagte, dieses Konzept zeige den großen Druck, der in der Schlachtbranche auch unter Corona-Bedingungen herrsche. Dieser Bereich sei offenkundig nach wie vor anfälliger für Corona-Infektionen als andere Wirtschaftszweige.

Corona-Ursache in Schlachthöfen noch unbekannt

Der DGB-Experte sieht nach wie die Arbeitsbedingungen und die schlechten Wohnbedingungen in der Branche als Mitursache für die immer wieder auftretenden Neuinfektionen unter Schlachthofmitarbeitern. Auch der Oldenburger NGG-Regionalgeschäftsführer Matthias Brümmer beklagte, dass die Ursachen der Infektionen in den Schlacht- und Zerlegebetrieben noch nicht bekannt seien.

Dass sich die Schlachthofmitarbeiter vor allem außerhalb der Arbeit im Privatleben ansteckten, sei nicht bewiesen. "Das sind durch nichts nachgewiesene Behauptungen, die natürlich gemacht werden, um die Industrie in einem bestimmten Licht stehen zu lassen, damit es nicht dazu kommt, dass die Diskussion über sie weitergeführt wird", so Brümmer.

Landesregierung zieht positive Schlüsse

Die Arbeitsquarantäne sieht er kritisch. Eine rechtliche Handhabe habe die Gewerkschaft dagegen nicht. Auf Zustimmung stieß das Konzept der Arbeitsquarantäne hingegen bei der Landesregierung Niedersachsen.

"Nach meiner Einschätzung ist für den Schlachthof in Sögel jetzt eine Lösung gefunden worden, die sowohl dem unbedingt notwendigen Infektionsschutz als auch den gravierenden Problemen der Landwirtinnen und Landwirte gerecht wird", erklärte Sozialministerin Carola Reimann.

Die Schließung des Schlachthofes war vorvergangene Woche auf vehemente Kritik aus der Landwirtschaft gestoßen, weil dadurch die Schlachtkapazitäten noch weiter sanken.

Mit Material von dpa

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