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Christa Diekmann-Lenartz | am

ASP: Biosicherheit ist oberstes Gebot

Beim ersten und bisher einzigen ASP-Fall in Niedersachsen wird weiter nach der Ursache gesucht. Bei allen Schweinebetrieben muss, nun erst recht, Biosicherheit oberstes Gebot sein. Ein Leitfaden mit Checklisten soll unterstützen.

Nachdem Anfang Juli in einem Betrieb mit Sauenhaltung im südlichen Landkreis Emsland der Erreger der Afrikanischen Schweinepest (ASP) nachgewiesen wurde, laufen die Maßnahmen zur Eindämmung der Seuche vor Ort auf Hochtouren. Bisher gab es bei den intensiven Beprobungen der Betriebe in den Restriktionsgebieten keinen positiven Befund. Auf dem betroffenen Sauenbetrieb konnte bislang die Eintragsquelle für das ASP-Virus noch nicht ermittelt werden. Die aktuell laufende Gen-Sequenzierung des nachgewiesenen Erregers könnte zumindest Hinweise geben, aus welcher Region er stammt. Das Friedrich-Löffler-Institut will das Ergebnis der Sequenzierung noch im Laufe dieser Woche vorlegen.

Kein positiver Befund beim Futter im betroffenen Betrieb

Laut Information des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums sind alle Rückstellproben des im betroffenen Betrieb eingesetzten Futters inzwischen untersucht worden. Hier gab es auch keinen positiven ASP-Befund. Bislang kann man im Fall des emsländischen Betriebes ggf. also von einem isolierten Einzelfall ausgehen.

Dennoch: Damit die Tierseuche lokal begrenzt werden kann und die belastenden Reglementierungen für Schweinehalter in der eingerichteten Schutz- und Überwachungszone möglichst bald wieder aufgehoben werden können, seien wirksame Biosicherheitsmaßnahmen wichtiger denn je, schreibt der Landvolk-Pressedienst diese Woche.

Viel Aufwand für Betriebe in Restriktionsgebieten

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In Deutschland bildet die Schweinehaltungshygieneverordnung den Rahmen für Biosicherheitsmaßnahmen im Betrieb. Seit 2021 ist aber außerdem der „Tiergesundheitsrechtsakt der EU“ in Kraft, der eine Reihe von Maßnahmen zum Schutz vor „biologischen Gefahren“ wie eben Tierseuchen vorsieht. Wichtige Punkte sind dabei das Fernhalten von Wildschweinen von Futter, Einstreu etc. oder das ordnungsgemäße Einfrieden des Betriebes. Unbefugte dürfen keinen Zutritt zum Betriebsgelände haben. Darüber hinaus müssen tote Tiere zwecks Abholung durch die örtlich zuständige Tierkörperbeseitigungsanstalt unverzüglich angemeldet und bis dahin am Standort des jeweiligen Betriebes sordnungsgemäß gelagert werden.

Das neue EU-Tiergesundheitsrecht gibt außerdem vor, dass die Tierhalter die Durchführung ihrer Biosicherheitsmaßnahmen dokumentieren und bestimmte Tätigkeiten/Vorgehensweisen dabei beschreiben müssen.

Leitfaden mit Checklisten für Schweinehalter

Um diesen Anforderungen auch aus Brüssel gerecht zu werden, wurde in Niedersachsen vom Landvolk und der Tierseuchenkasse eine Arbeitsgruppe aus Fach- und Zuchtverbänden, LWK, Behörden und Tierärzteschaft gebildet, die Vorlagen für solche betrieblichen Dokumentationen erstellt haben. Diese Vorlagen stehen jetzt als Leitfaden mit angehängten Checklisten zur Verfügung.

Probleme infolge fehlender Dokumentationen der Schweinehalter kann es laut Dr. Ursula Gerdes, Geschäftsführerin der Niedersächsischen Tierseuchenkasse (TSK), bei den EU-Kofinanzierungen der Tierseuchenausgaben geben. Die EU überprüft vor der Kofinanzierung deren Rechtmäßigkeit: „Wenn zum Beispiel die betrieblichen Dokumentationen zur Biosicherheit fehlen, könnte die EU die Kofinanzierung verweigern“, warnt Dr. Gerdes.

Mit dem jetzt fertigestellten Leitfaden und den Checklisten können Schweinehalter auch überprüfen, ob sie in Sachen Biosicherheit gut aufgestellt sind. Ist das nicht der Fall, drohen im Seuchenfall Kürzungen der TSK-Leistungen. Bei der TSK gibt es dazu eine Auflistung von Verstößen oder Mängeln und in welcher Höhe dann im Seuchenfall Abzüge bei den Entschädigungszahlungen erfolgen.

Leitfaden Biosicherheit herunterladen

Leitfaden-Biosicherheit-Schwein

TSK kürzt bei Nichtbeachtung Biosicherheit

Im konkreten Fall bedeutet es beispielsweise, dass ein Schweinehalter ohne geeignete Kadaverlagerung auf seinem Betrieb bei Ausbruch der Schweinepest in seinem Bestand nur 40 % der Entschädigungen für den Wert seiner Tiere sowie für die Beihilfen zur Reinigung und Desinfektion erhalten würde. Sollten diverse Verstöße vom Veterinäramt festgestellt werden, werden die Prozentsätze der einzelnen Tatbestände addiert. In bestimmten Fällen kann es dann sogar passieren, dass gar keine Leistungen für die Entschädigungen und Beihilfen gezahlt würden.

Dass vor fünf Jahren von der TSK ein System mit Sanktionen eingeführt wurde, rührt auch daher, dass die immensen Schäden eines Seuchengeschehens nur zu einem kleineren Teil von den Tierhaltern selbst über TSK-Beiträge gezahlt werden. Fast drei Viertel der Kosten übernehmen das Land Niedersachsen und die EU. Letztere moniert, wenn Seuchenschäden gezahlt werden trotz Mängel in der Biosicherheit.

Im ASP-Fall wie jetzt im Emsland dürfen Betriebe in den Restriktionsgebieten bekanntlich keine Tiere mehr verbringen. Ausnahmen für den Transport von Schlachtschweinen oder von Ferkeln müssen beantragt werden. Auch für den Erhalt der Ausnahmegenehmigung muss der Betrieb in Zukunft eine Dokumentation/einen Plan zum Schutz vor einem Seucheneintrag vorlegen bei seiner Veterinärbehörde. Beim aktuellen Geschehen wird diese Dokumentation aber noch nicht verlangt.

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Rechtliche Vorgaben bezüglich TSK einhalten

Wie Dr. Gerdes betonte, stelle der Ausbruch einer Tierseuche für betroffene Tierhalter eine hohe wirtschaftliche und psychische Belastung dar. Eine zügige und vor allem vollständige Zahlung der Kosten für Tötung, Reinigung und Desinfektion sowie der Entschädigung des Tierwertes könne zumindest wirtschaftlich entlasten. Sie bat deshalb eindringlich, alle rechtlichen Vorgaben einzuhalten. Dies gelte auch für die Melde- und Beitragspflicht.

Das ist der aktuelle Stand im Emsland

  • Wie der Landkreis Emsland auf Anfrage mitteilte, werden aktuell alle Schweine haltenden Betriebe in der 3-km-Schutzzone um den Ausbruchsbetrieb tierärztlich kontrolliert. Es handelt sich hierbei um 31 Betriebe. Im Rahmen dieser Untersuchung werden alle Schweine des jeweiligen Betriebes klinisch auf Anzeichen einer Infektion mit dem Erreger der Afrikanischen Schweinepest, ASP, untersucht (Fieber, erhöhte Verluste, etc.), im Zweifelsfall erfolgt eine Blutprobenentnahme und Einsendung zum Labor zur weiteren Abklärung. Bisher gab es keinen positiven Befund.
  • Im ASP-Fall wie jetzt im Emsland dürfen Betriebe in den Restriktionsgebieten bekanntlich keine Tiere mehr verbringen. Ausnahmen für den Transport von Schlachtschweinen oder von Ferkeln müssen beantragt werden. Auch für den Erhalt der Ausnahmegenehmigung muss der Betrieb in Zukunft eine Dokumentation/einen Plan zum Schutz vor einem Seucheneintrag vorlegen bei seiner Veterinärbehörde. Beim aktuellen Geschehen wird diese Dokumentation aber noch nicht verlangt.
  • In der 10-km-Überwachungszone wird aktuell ebenfalls ein entsprechendes Falltiermonitoring aufgebaut. Betriebe, die Anzeichen einer möglichen Infektion von ASP in ihrem Bestand entdecken, sind, so der Landkreis, verpflichtet, diese umgehend über ihren Haustierarzt inkl. notwendiger Blutprobenentnahme diagnostisch abzuklären; der Verdacht muss unverzüglich gemeldet werden.
  • Der Landkreis teilte weiter mit, dass gegenwärtig (Stand Montagabend) noch kein Schlachthof konkret benannt sei, auf dem Schweine aus den Restriktionsgebieten ggf. geschlachtet werden können. Daher konnten noch keine Anträge auf eine Ausnahmegenehmigung zum Verbringen von Schweinen aus den Restriktionsgebieten zur Schlachtung bearbeitet werden.
  • Für die Antragstellung ist eine virologische Beprobung des Bestandes nach einem festgelegten Stichprobenschlüssel nötig. Für eine Schlachtpartie von 100 Tieren müssen zum Beispiel 25 Tiere untersucht werden. 
  • Gemäß dem Durchführungsbeschluss (EU) 2022/1189 vom 8. Juli 2022 ist Deutschland verpflichtet, die aktuellen Restriktionsmaßnahmen bis zum 14. Oktober 2022 aufrechtzuerhalten.

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