Backhaus-Till
Norbert Lehmann | am

ASP-Fall in Rostock betrifft Familienbetrieb

Der ASP-Fall im Landkreis Rostock betrifft einen Familienbetrieb mit 4.038 Schweinen. Drei Kontaktbetriebe stehen unter Beobachtung.

Darüber informierte heute Morgen (16.11.) Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus in einer Pressekonferenz in Schwerin. Der von der Afrikanischen Schweinepest (ASP) betroffene Betrieb gehört einem geschlossenen System aus drei Mästern und einer Sauenhaltung an. Der Muttersauenbetrieb liegt in Vorpommern-Rügen und hält 1.000 Sauen. Die Ferkel dieses Betriebes werden laut Backhaus in den drei Mastbetrieben aufgezogen. Dem Minister zufolge gibt es bisher auf den drei Kontaktbetrieben keine Anzeichen von ASP.

Anzeichen seit Freitag

Wie Backhaus weiter mitteilte, wurden auf dem betroffenen Mastbetrieb am 12. November erste Anzeichen einer Infektion festgestellt. Die Tierverluste wuchsen täglich an auf zuletzt 20 am Montag. Am Montagmorgen schaltete der betreuende Veterinär darum das Landesamt ein. Die Beprobung durch das Landesamt und das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bestätigten noch am selben Abend das ASP-Virus. Eine Lieferung von Schlachtschweinen, die den Betrieb am Montag in Richtung Schlachthof verlassen hatte, wurde dem Minister zufolge zurückgeholt.

Acht Betriebe in der Sperrzone

Die Behörden haben um den Mastbetrieb eine Sperrzone mit 3 km Radius und ein Beobachtungsgebiet mit 10 km Radius eingerichtet. In der Sperrzone liegen weitere acht Betriebe, darunter fünf Kleinsthaltungen mit weniger als 100 Schweinen, im Beobachtungsgebiet sind es 20 Betriebe. Für das Beobachtungsgebiet gilt, dass Tiere nur nach einer tierärztlichen Untersuchung transportiert werden dürfen. Backhaus betonte, die Behörden vor Ort hätten die Lage unter Kontrolle. Der betroffene Bestand werde unverzüglich gekeult.

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Wie kam das Virus in den Betrieb?

Ein Rätsel ist für den gestern im Amt bestätigten, dienstältesten Agrarminister in Deutschland, woher das Virus in den Betrieb eingeschleppt wurde. Allein im Landkreis Rostock seien in diesem Jahr 839 Hausschweine und 40 Wildschweine negativ auf ASP getestet worden, berichtete Backhaus. Der Pfad der Einschleppung müsse daher nun von Experten epidemiologisch aufgeklärt werden. Dazu werde unter anderem in Absprache mit den Jägern die Fallwildsuche im Umkreis des Betriebes intensiviert.

Appell an die Schlachthöfe

Backhaus appellierte eindringlich an die Schlachthöfe in Kellinghusen, Perlenberg und Weißenfels, weiterhin Schlachtschweine aus Mecklenburg-Vorpommern anzunehmen. Heftige Kritik übte der Landesminister an seiner Kollegin auf Bundesebene, Julia Klöckner. Sie habe es nicht zustande gebracht, dass ein Impfstoff entwickelt worden sei. Wäre die ASP in Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen aufgetreten, wäre hier sicher mehr passiert, so Backhaus. Er warf dem Bundeslandwirtschaftsministerium auch vor, keinerlei Unterstützung beim Zaunbau und der Koordinierung der Bekämpfungsmaßnahmen geleistet zu haben.

Marktlage ändert sich laut ISN nicht

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN) stellte fest, leider habe sich die Befürchtung bestätigt, dass sich mindestens ein punktuelles Ausbreitungsgeschehen der ASP in Deutschland nicht verhindern lasse. Nun sei es wichtig, die Ursachen für den Eintrag in den Mastbetrieb zu ermitteln und dass die angelaufenen Bekämpfungsstrategien vor Ort greifen. Mit Blick auf den Markt ändert sich die Lage nach Einschätzung der ISN nicht, denn Deutschland sei so oder so bereits für den Schweinefleischexport in viele Drittländer gesperrt. Allerdings sei nun ein weiteres Bundesland betroffen und Restriktionszonen müssten ausgeweitet beziehungsweise neu ausgewiesen werden. Für die ISN unterstreicht die Entwicklung, dass die Schlacht- und Verarbeitungsmöglichkeiten für Nutztiere aus Restriktionsgebieten deutlich ausgeweitet werden müssen. "Insellösungen" würden auf Grund laufen, so der Verband.

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