Schweine in einem Außenstall
Christa Diekmann-Lenartz | am

ASP-Folgen in Niedersachsen: Es könnte glimpflich ausgehen

Nach dem ersten ASP-Fall in Deutschland sind die wirtschaftlichen Folgen schon da, noch gravierender würden sie, käme ASP nach Niedersachsen. Die LAND & FORST sprach mit Prof. Eberhard Haunhorst vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Der erste ASP-Fall in Brandenburg hat auch die niedersächsischen Schweinehalter alarmiert. Sind wir gut gerüstet für den Ernstfall?

Ja, wir sind meines Erachtens sogar sehr gut gerüstet für den Fall, dass die Afrikanische Schweinepest (ASP) auch nach Niedersachsen käme. Die Gefahr eines Eintrags ist hier, im schweinereichsten Bundesland, sehr präsent. Hier haben Behörden, Wirtschaft, Berufsstand und auch Jäger an einem Strang gezogen, Vorsorge- und Bekämpfungskonzepte zu erarbeiten. 

Das Problem bei ASP ist ja, dass sie auch Wildschweine trifft wie jetzt in Brandenburg. Wie sieht da die Vorsorge/Bekämpfung aus?

Wir haben sehr viel gemacht in den vergangenen Jahren, es wurde entsprechende Ausrüstung angeschafft, angefangen vom Zaunmaterial über Bergungsschlitten bis hin zu einer APP, mit der Fundorte von Wildschweinekadavern sofort dokumentiert werden können. Ganz wichtig ist, dass es viele gemeinsame Gespräche, Übungen, Schulungen gegeben hat mit beteiligten Personengruppen. Das sind u. a. Jäger oder Maschinenringe. Letztere würden etwa bei einem Zaunbau zum Einsatz kommen. Solche Maßnahmen brauchen Man-power.

Eberhard Haunhorst

Im Ernstfall ist Schnelligkeit gefragt, wie stellen Sie die sicher?

Je schneller ein ASP-Fall entdeckt wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, einen Flächenbrand verhindern zu können. Deshalb brauchen wir zum Beispiel die Maschinenringe, um bei Bedarf so schnell wie möglich einen Zaun um ein Kerngebiet ziehen zu können. Außerdem führen wird in Niedersachsen ein sehr engmaschiges Monitoring bei erlegten Wildschweinen, aber vor allem auch bei Fallwild bzw. verunfallten Tieren durch. Dadurch wird der ASP Zeit zur Ausbreitung genommen.

Sowohl in Tschechien als auch Belgien hatte man mit einem Zaunbau rund um den Fundort von ASP-Wildschweinekadavern Erfolg. Kann das jetzt in Brandenburg auch gelingen? 

In Tschechien und Belgien wurden frische Kadaver gefunden und man konnte von einer "frischen" Infektion vermutlich über Speiseabfälle ausgehen. Das Virus hatte sich dort räumlich noch nicht weiter verbreitet. In Brandenburg muss man davon ausgehen, dass das tote Wildschwein aus Polen kam und dass es nicht das einzige Tier ist, das über die Grenze kommt. Auch wenn man das ASP-Geschehen jetzt in der Kernzone hält, kann in einem Monat das nächste infizierte Wildschwein wieder über die Grenze kommen. Dennoch kann sowohl der Zaunbau um die Kernzone als auch der Zaunbau entlang der Grenze zu den Ausbruchsgebieten in Polen dazu beitragen, die Weiterverbreitung des Virus einzudämmen. Dann besteht eine Chance, dass Schlachthöfe in den anderen Regionen Deutschland durch Regionalisierungsregelungen weiter in Drittländer exportieren können.

Auch hiesige Schweinehalter sind schon jetzt wirtschaftliche stark betroffen vom ASP-Fall in Brandenburg, die Notierung ging stark nach unten. Gibt es trotzdem eine positive Botschaft?

Käme ASP jedoch in die schweinedichten Regionen Niedersachsens, würde das die Situation im Vergleich zu jetzt noch einmal massiv verschärfen. Wenn wir Glück haben, kommen wir jetzt vielleicht noch mit einem "blauen Auge" davon. An alle Schweinehalter und Jäger kann ich nur noch einmal dringend appellieren, alle Biosicherheitsmaßnahmen einzuhalten und als Jäger zum Beispiel auf private Touren auch in die jetzt betroffene Region Brandenburg zu verzichten.  

Eine ausführliche Version des Interviews mit Prof. Haunhorst lesen Sie in der LAND & FORST-Ausgabe 38/20.      

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