Schweine in einem Stall
Meinung | Christa Diekmann-Lenartz | am

ASP: Schuldzuweisungen sind fehl am Platz

Schuldzuweisungen bringen in der aktuell sehr schwierigen Situation für die Schweinehalter niemanden weiter, findet Christa Diekmann-Lenartz. Jetzt ist Zusammenhalt gefragt.

Alles Hoffen und Bangen hat nichts genützt: Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat Deutschland erreicht. Das ist besonders bitter vor dem Hintergrund, dass die Schweinehalter in den vergangenen Monaten schon zu den Leidtragenden der Corona-Problematik gehört haben. Nun setzt ein zweites Virus die Wirtschaft erneut schachmatt - und wieder stehen wir machtlos daneben. Die wichtigsten Marktpartner außerhalb der EU haben dieses Mal nicht lange gezögert, einen Exportstopp für deutsches Schweinefleisch zu verhängen.

Die Mäster leiden finanziell

Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften, VEZG, hat ebenfalls sehr schnell reagiert und die Schlachtschweinenotierung außerplanmäßig um 20 Cent/kg heruntergesetzt. Das war ein Paukenschlag. Damit wollte man Panikverkäufen entgegenwirken und den Schlachthöfen einen guten Grund geben, weiter Schweine abzunehmen.

Das Vorgehen der VEZG traf nicht nur auf Verständnis. Sie musste sich auch den Vorwurf gefallen lassen, im "vorauseilenden Gehorsam" gehandelt zu haben. Wut und Ärger auf Mästerseite sind allzu verständlich, 20 Cent/kg Schlachtgewicht bedeuten rund 20 Euro Mindererlös je Schlachtschwein. Das sind bei 1.000 Tieren 20.000 Euro, die buchstäblich von heute auf morgen fehlen! Erschwerend kommt hinzu, dass nach einem ASP-Fall sechs Monate kein weiterer dazu kommen darf, damit Deutschland wieder den Status "ASP-frei" bekommen kann. Es würde an ein Wunder grenzen, wenn das jetzt gefundene ASP-Wildschwein das einzige in Deutschland bliebe.

Schuldzuweisungen bringen nicht weiter

Um so mehr ist eine Marktstabilisierung oberstes Gebot. Nur wenn die Produktion halbwegs in geordneten Bahnen weiterläuft, gibt es kein Chaos. Dafür ist die eng getaktete Kette zu störanfällig, Corona war ein Vorgeschmack darauf, was passiert, wenn die Kette nicht mehr rund läuft. Die Schlachthöfe sind natürlich auch gefragt!

Schuldzuweisungen sind in der akuten Situation aber fehl am Platze. Die VEZG ist nicht "schuld", dass die Notierung so weit nach unten gegangen ist. Auch andere Akteure sollten darüber nachdenken, wen sie für was verantwortlich machen im Zusammenhang mit ASP. Ist schuld, wer nicht genug für die Entwicklung eines Impfstoffs getan hat? Ist schuld, wer den Zaunbau zu Polen nicht genug forciert hat? Ist schuld ist, wer auf Export gesetzt hat? Ist schuld, wer große Ställe gebaut hat?

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Zusammenhalt ist gefragt

Die "Systemfrage" der Fleischproduktion wird derzeit in Deutschland an anderer Stelle intensiv diskutiert von unterschiedlichsten Interessenvertretungen. In der Zukunftskommission Landwirtschaft etwa ist diese Diskussion gut aufgehoben und auch notwendig. ASP aber ist eine massive Bedrohung, da sind jetzt gesunder Menschenverstand und wissenschaftliche Erkenntnisse gefragt. Alle sollten zusammenstehen in dieser Krise, sonst gibt es in Zukunft keine Schweinehaltung mehr hierzulande, über deren Ausgestaltung man diskutieren kann.

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