Ferkel im Stall
| am

Atemwegserkrankungen: Schutz fängt bei Ferkeln an

Atemwegserkrankungen im Schweinestall trotz wirksamer Impfstoffe? Was Schweinehalter optimieren sollten.

Seit Jahrzehnten bleibt der Anteil krankhaft veränderter Schlachtschweinelungen regionsabhängig auf einem hohen Niveau von 37 bis 78 %. Und das trotz wirksamer Impfstoffe. Wirtschaftliche Einbußen sind die Folge.

Häufig treten Atemwegserkrankungen erst in der Mast auf. Hier können Fehler gemacht werden, die Basis für gesunde Tiere muss aber schon in der Ferkelerzeugung gelegt werden. Meist sind mehrere unterschiedliche Faktoren an Atemwegserkrankungen beteiligt.Gegen alle wichtigen Atemwegserreger kann geimpft werden. Neben Erregern spielen aber nicht optimale begleitende Faktoren oft auch eine Rolle. Diese müssen für eine gute Atemwegsgesundheit optimiert werden. 

Nachfolgend finden Sie die wichtigsten begleitenden Faktoren und wichtige Maßnahmen nach Madec zu den Bereichen Tierverkehr, Stallklima und Management.

Seit dem Jahr 2000 gibt es einen international veröffentlichten Leitfaden zur Optimierung des Managements und damit der Haltungsbedingungen von dem französischen Wissenschaftler F. Madec, ursprünglich gedacht für Betriebe mit Circovirus-Problematik, aber auch anwendbar bei anderen Infektionserkrankungen.

Plan nach Madec: Tierverkehr

  • Striktes Rein-Raus im Abferkelabteil mit Reiniung und Desinfektion zwischen den Abferkelpartien
  • Striktes Rein-Raus mit Reinigung und Desinfektion zwischen den Ferkelpartien in der Aufzucht
  • Kein Vermischen bestehender Ferkelpartien für die Mast
  • Ferkel nur von einer Herkunft beziehen
  • Maximal zehn bis zwölf Mastschweine pro Gruppe
  • In der Mast nicht Umsetzen, nicht Mischen
  • In der Mast kein Mischen von Altersgruppen
  • Maximal 250 bis 300 Mastschweine pro Abteil (ideal bis 150 Schweine)

Plan nach Madec: Stallklima

  • NH3 <10 ppm
  • CO2 <0,1 %
  • Luftfeuchtigkeit 50-80 %
  • Temperaturschwankungen innerhalb von 24 h < 5°C
  • > 3 m3 Luftraum und 1 mLiegefläche/Mastschwein
  • Luftstrom vom Liegebereich über Kotbereich nach draußen
  • Zugluft vermeiden (im Winter <0,2 m/s, bei > 24°C ~0,6 m/s)
  • Minimierung inhalierbarer Stäube (z..B. Pelletfütterung)
  • Minimierung gramnegativer Bakterien und Endotoxin,
  • Minimierung luftgetragener Bakterien auf <104/m3
  • Ggf. Steigerung der Luftumwälzrate auf 60 m3/h/Schwein

Plan nach Madec: Management

  • Parasitenbehandlung der Sauen vor Verbringung in Abferkelstall
  • Sauen vor Verbringung in Abferkelstall waschen
  • Umsetzen der Ferkel minimieren
  • Impfprogramme konsequent durchführen
  • Luftströmungs-  und Tierbewegungsrichtungen überwachen (Keimverschleppung vermeiden)
  • Haltung in kleinen Buchten mit dichten Trennwänden 
  • Kranke Schweine in separaten Räumlichkeiten aufstallen
  • Chronisch kranke Schweine (Kümmerer) euthanasieren
  • Separate Schutzkleidung für den Krankenstall
  • 6-wöchige Quarantäne für Eber und Jungsauen
  • Tägliche Betreuung und Tierbeobachtung, von den jüngsten zu den ältesten Tieren
  • Gute Hygiene bei zootechnischen Maßnahmen einhalten, Kanülenwechsel nach jeder Bucht
  • Besatzdichte bei Einstallung max. 3 Ferkel/m2
  • mindestens 7 cm Fressplatzbreite pro Ferkel
Mit Material von Prof. Dr. Isabel Henning-Pauka, TiHo Hannover
image/svg+xml

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✔ Mehrleser-Funktion

✔ Artikel merken und teilen

✔ exklusiv: Audio und Video

✔ 1 Tag früher informiert

image/svg+xml

Digitale Ausgabe

✔ 3 Endgeräte
✔ Merkliste
✔ Audio und Video
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Thema der Woche: Ferien auf den Ponyhöfen
  • Agrarpolitik: Sommerreise der Ministerin - Vorstellung der Ackerbaustrategie
  • Tierhaltung: Optimierung der Kuhfruchtbarkeit
  • Technik: Richtig belüften im Kartoffellager
  • Pflanzenbau: Tipps zur N-Düngung im Herbst
  • Leben auf dem Land: Meteoriten im Oldenburger Land

Besonderes Angebot

Reinschnuppern lohnt sich