Schweine in einem Stall
Christa Diekmann-Lenartz | am

Ausführungshinweise Nutztierhaltungsverordnung sind da

Am 8. Februar 2021 trat die neue Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung in Kraft. Nun gibt es auch die Ausführungshinweise dazu, die von den Bundesländern gemeinsam erarbeitet wurden. Nachfolgend ein Überblick.

Viel ist über sie diskutiert und auch spekuliert worden, jetzt sind sie endlich da: Die Ausführungshinweise der Länder zur Umsetzung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung. Diese Ausführungshinweise sind Bestandteil des Handbuchs für die Veterinäre und Veterinärinnen der Landkreise für die amtlichen Kontrollen. Sie konkretisieren, wie das neue Gesetz in der Praxis auszulegen ist. Den größten Anpassungsbedarf gibt es bekanntlich in der Ferkelerzeugung.

Deckzentrum erste Baustelle

Die beiden Bereiche, für die dort die größten Veränderungen anstehen, sind Deckzentrum und Abferkelbereich. Sauen dürfen im Deckzentrum spätestens ab dem 9. Februar 2029 nur noch in der Gruppe gehalten werden und nur noch kurzfristig direkt zum Besamen und zur Rauschekontrolle fixiert werden, ebenso noch für eine Behandlung. Für bestehende Ställe gelten längere Übergangsfristen.

Allen Sauen und Jungsauen müssen im Deckzentrum künftig 5 m² Fläche frei zur Verfügung haben. Davon müssen 1,3 m² Liegefläche sein. Laut Berentsen vom Niedersächsischen Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz (LAVES) können dafür auch Fress-Liegebuchten genutzt werden, sie müssen dann aber mindestens 1,3 qm groß sein und eine uneingeschränkt nutzbare Länge von mindestens 220 cm aufweisen.

Rückzugsmöglichkeiten

Des Weiteren müssen die Buchten strukturiert sein und es müssen Rückzugsmöglichkeiten für die Sauen in der Gruppe vorhanden sein. Laut Berentsen sind Trennwände, Strohballen, Ausläufe etc. dafür denkbar. Die Platzvorgabe von 5 qm gilt auch für Zuchtläufer vor der ersten Belegung.

In der Übergangszeit müssen Sauen so gehalten werden, dass in den Kastenständen ein ungehindertes ausgestrecktes Liegen in beidseitiger Seitenlage ohne bauliche Hindernisse möglich ist. Ein an die Wand grenzender Kastenstand kann ggf. nicht mehr belegt werden.

Ab dem 112. Trächtigkeitstag bis zur Geburt muss allen Sauen Nestbaumaterial zur Verfügung stehen. In vorhandenen Ställen müssen mindestens Jutesäcke angeboten werden. Neu- und Umbauten müssen so gestaltet werden, dass etwa der Einsatz von Stroh o. Ä. ermöglicht wird. Laut Dr. Tölle von der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands, ISN, sind dann geänderte Güllesysteme nötig.

Stallklimaexperten

Laut neuer Verordnung dürfen bestimmte Schadgas-Grenzwerte nicht mehr überschritten werden, vorher hieß es "nicht dauerhaft" überschritten werden. Kurzzeitige Überschreitungen, etwa beim Gülleablassen, sind erlaubt. Die Umsetzung dieser Vorgaben gilt ab sofort. Bei "begründetem Verdacht auf hohe Schadgaskonzentrationen" soll eine Überprüfung durch einen Stallklimaexperten erfolgen.

Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung sieht mindestens acht Stunden lang 80 Lux im Stall vor. Nach den Ausführungshinweisen dürfen Teilbereiche des Stalles nun zwar dunkler sein, müssen aber immer noch 40 Lux aufweisen. Die Abgrenzung der Lichtbereiche kann in der Bucht durch Bodengestaltung, Trennwände oder Abdeckungen erfolgen. Für Bettenställe seien 40 Lux aus fachlicher Sicht kontraproduktiv, urteilt Dr. Tölle.

Bei Neu- und Umbauten müssen Kranken- bzw. Separationsbuchten für 5 % der in Gruppe gehaltenen Sauen vorgehalten werden. Diese Buchten müssen mindestens 4 m² groß sein. Spätestens ab dem 9. Februar 2036 dürfen Sauen nur noch maximal fünf Tage im Ferkelschutzkorb fixiert werden. Die Abferkelbucht muss eine Mindestgröße von 6,5 m² haben.

Sehr großes Ferkelnest

Genaue Vorgaben gibt es für das Ferkelnest. Der Boden muss dort geschlossen sein. Laut Ausführungshinweisen wird die Größe des Liegebereiches mit einer Formel aus mittlerem Absetzgewicht und mittlerer Zahl abgesetzter Ferkel berechnet. Ein Beispiel: bei zwölf Ferkeln und einem Absetzgewicht von 7,5 kg muss das Ferkelnest 1,5 m² groß sein (!). Die Liegefläche muss jedoch nicht komplett beheizt sein, sondern lediglich wärmegedämmt und planbefestigt. Auch muss sie nicht in einem Stück zusammenliegen, so Dr. Tölle.

Konkrete Vorgaben gibt es auch zur Bodengestaltung. Diese und die Vorgaben zur Nestgröße kommen erst bei Neu- und Umbauten zum Tragen.

Fütterungssysteme

Zum 1. August 2021 unterscheidet die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung nur noch zwischen restriktiver Fütterung mit dem Tier: Fressplatz-Verhältnis von 1:1 und der ad libitum-Fütterung mit dem Verhältnis 4:1. Eine tagesrationierte Fütterung kommt nicht mehr vor. Die Sensorfütterung mit Kurztrog gilt dann als ad-libitum-Fütterung. Eine Fütterungspause darf es dann nur zum Leerfressen des Trogs geben. Jedoch werden Raufutterplätze als Futterplätze anerkannt, hiermit kann man ggf. die Nacht überbrücken. Dieses Raufutter ist dann jedoch kein Beschäftigungsmaterial.

Das Beschäftigungsmaterial für Schweine muss ab dem 1. August 2021 "organisch und faserreich" sein. Es muss untersuchbar, bewegbar und in der Struktur veränderbar sein. Natürlich gilt Raufutter auch als Beschäftigungsmaterial. Zum Beschäftigungsmaterial gibt es umfangreiche Infos auf der Internetseite des LAVES.

So sehen die Fristen aus

  • ab sofort: Grenzwerte Schadgase und technischer Lärm einhalten
  • ab sofort: 80 Lux über acht Stunden, für Teilbereiche 40 Lux ausreichend
  • ab sofort: Jutesack als Nestbaumaterial
  • ab August 2021: keine tagesrationierte Fütterung mehr
  • ab August 2021: jederzeit organisches und faserreiches Beschäftigungsmaterial
  • bis Februar 2024: Umbaukonzept für bestehende Deckzentren vorlegen
  • bis Februar 2026: Um-/Neubauantrag Deckzentren stellen
  • ab Februar 2029: im Deckzentrum 5 m² Platz/Sau, 1,3 m² Liegefläche/Sau, nur kurzzeitige Fixierung
  • bis Februar 2033: Umbauantrag für bestehende Abferkelställe Stellen
  • ab Februar 2036: im Abferkelstall 6,5 m²/Sau, bis fünf Tage Fixierung
  • bei Um-/Neubau ab sofort: Vorgaben Bodengestaltung, Vorgaben zum Deckzentrum und zum Abferkelstall, Vorgaben zum Ferkelnest

Inhalte der Ausgabe

  • Die Wegweiser: Was bringt die Zukunft für die Landwirtschaft?
  • Wir haben uns mit Kurzschwanzmäusen beschäftigt
  • Lof-Anhänger: alles über das 25 km/h-Schild
  • Wie Wildfleisch erfolgreich vermarktet werden kann

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