Schafherde grast an Bachlauf

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Janina Schuster | am

Beginn der Lammzeit: stirbt die Schafhaltung?

In der Lammzeit schlafen Schäferinnen und Schäfer in der Regel deutlich weniger, als sonst. Sie gilt als arbeitsreichste Phase in diesem Job. Das rückt vor einem anderen Umstand jedoch immer mehr in den Hintergrund. Über eine Branche, die zu zerbrechen droht.

"Lämmer sind das Symbol des Frühlings, des wiedererwachenden Lebens und der friedlichen Lebensweise. Aktuell sorgen sie aber bei den Besitzern größerer Schafherden für 24/7-Tage", sagt Wendelin Schmücker. Er ist Vorsitzender des Fördervereins der Deutschen Schafhaltung und hält selbst 600 Tiere der Rasse Schwarzkopf. Der Schäfer aus Winsen-Luhe weiß, dass sein Berufsstand nun in die arbeitsreichste Phase startet. Tag und Nacht helfen seine Kolleginnen und Kollegen Mutterschafen dabei, ihren Nachwuchs auf die Welt zu bringen. Die meisten von ihnen tun das aus Überzeugung und Liebe zum Beruf. Doch die Branche droht zu zerbrechen. Das beunruhigt Schäfer Schmücker.

Eine Branche stirbt, wenn auch langsam

"Das größte Problem sind die Wölfe und die Wirtschaftlichkeit. Das geht nur mit zusätzlichen Einnahmen aus dem Naturschutz und der Deichpflege", erklärt Schmücker die Situation. Auf der einen Seite fehlen Nachwuchsschäferinnen und -schäfer, auf der anderen Seite befindet sich der Berufsstand im Wettrüsten mit dem Wolf. "Die demografische Entwicklung macht auch vor den Schafhaltern nicht Halt. Die bislang bekannten Zahlen über neue Ausbildungsverträge lassen einen weiteren Rückgang befürchten", sagt er. Nachwuchs ist also nicht nur bei den Schafen willkommen.

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Schafhalter auf Azubisuche

Der Förderverein hat sich der Problematik intensiv gewidmet und konnte Ursachen ausmachen: es fehlt unter anderem an Ausbildungskapazitäten. Berufsschulen für den Job gibt es immer seltener und die damit verbundenen Fahrt- und Übernachtungskosten schrecken potenzielle Interessenten ab. Doch Schmücker und seine Kollegen wollen den Kopf nicht in den Sand stecken und für die Attraktivität des Schäferberufs werben. Zu diesem Zweck soll der Kontakt zu Landesverbänden, Landwirtschaftskammern und den Bauernverbänden verstärkt werden. Dabei suchen sie weiterhin gute Ausbildungsbetriebe und Betriebe, die potentiellen Interessenten im Rahmen von Praktika einen Einblick in den Beruf des Schäfers bieten können. So können junge Menschen das Berufsbild und seine abwechslungsreichen Tätigkeiten kennenlernen.

Der Wolf belastet enorm

Doch das zweite Problem bleibt nach wie vor bestehen: "Viele Schafhalter haben durch die ständige Angst vor toten, vom Wolf gerissenen oder ausbrechenden Tieren psychische Probleme. Sicherheitsvorkehrungen, wie zum Beispiel wolfsabweisende Zäune, gleichen einem Wettrüsten, bis die Wölfe wieder gelernt haben, sie zu überwinden", beschreibt der Vereinsvorsitzende die Situation. Die Belastung sei enorm. Vor allem Hobbytierhalter haben kapituliert und geben der Reihe nach auf. Die Zahl der Schafhalter sinkt jährlich um drei bis vier Prozent.

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Politik muss sich bewegen

Für den Berufsstand wirken die steten Rufe nach Artenvielfalt und tiergerechter Weidetierhaltung wie blanker Hohn, bewegt sich die Diskussion rund um den Wolf derzeit weder vor noch zurück. Im vergangenen Dezember hat die Fraktion der CDU/CSU im Bundestag eine kleine Anfrage mit 17 Fragen rund um das Thema Wolf an die Bundesregierung gerichtet. Dabei ging es um die Wolfsentwicklung, Wolfsrisse, wirksamer Schutz vor Wölfen und die Wolfsbejagung. Die Beantwortung steht noch aus. Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers verweist darauf, wie wichtig ein verbindliches Signal seitens der Politik für den Fortbestand der Weidetierhaltung in Deutschland wäre. "Ohne unsere Weidetierhalter – sowohl beruflich, ehrenamtlich oder hobbymäßig – ist Biodiversität und Naturschutz, wie sie von der Gesellschaft gewünscht werden, nicht möglich", erklärt er abschließend.

Mit Material von LPD
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