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Vincent ter Beek | am

Belgien auch bald schweinepestfrei?

Im September 2018 war es ein Schock für die EU-Schweinebranche: In Belgien – 1.000 km entfernt von bisherigen Ausbrüchen – wurde ASP bei Wildschweinen festgestellt. Aber man bekam die Seuche in den Griff.

Es war am 11. August 2019. Ein Jäger erschoss ein junges Wildschwein in der Provinz Luxemburg im Süden Belgiens. Das Tier schien nach Einschätzung des Jägers gesund. Doch das Labor zeigte etwas anderes. Eine Probe der Milz wurde positiv auf das Virus der Afrikanischen Schweinepest (ASP) getestet. Dieses Wildschwein war der 827. Schweinepest-Fall in Belgien. Und es war bis heute das letzte Mal, dass das ASP-Virus bei einem frischen Kadaver festgestellt wurde.

Ältere ASP-Kadaver

Aktuell steht der Zähler bei 833 ASP-positiven Wildschweinen in Belgien. Der letzte positive Fund wurde am 4. März 2020 gemeldet. Seit dem Fall im August 2019 sind also sechs weitere Kadaver positiv auf das ASP-Virus getestet worden. Bei diesen sechs Fällen handelt es sich jedoch um Kadaver, von denen nur noch trockene Knochen vorhanden waren. Die Tiere starben also Monate vor her. Dies beweist, dass ASP bis August 2019 in der Wildschweinepopulation im Süden Belgiens grassierte. Es scheint aber unwahrscheinlich, dass die Seuche dort viel länger aktiv war.

Diese Einschätzung bestätigt auch die Belgische Föderalagentur für die Sicherheit in der Nahrungsmittelkette (FASNK). Deren Chefveterinär Jean-François Heymans dazu: "Bei den ASP-Wildschweinekadavern, die in den vergangenen Monaten gefunden wurden, handelte es sich immer um ältere Knochen. Bei unveränderter Lage werden wir der EU-Kommission und der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) empfehlen, dass wir unseren Status "ASP-frei" zwölf Monate nach der letzten Virusübertragung zurückerlangen, das wäre im Oktober 2020."

Beginn im September 2018

Belgiens ASP-Probleme begannen am 9. September 2018, als in der Provinz Luxemburg im südlichsten Teil Belgiens drei tote Wildschweine gefunden wurden. Als das Labor das ASP-Virus feststellte, ging eine Schockwelle durch die Schweinebranche in Westeuropa. Zu diesem Zeitpunkt waren die nächstgelegenen ASP-Fälle in Tschechien rund 1.000 km entfernt. Das Virus befand sich mit einem Schlag inmitten von wichtigen Schweineproduktionsländern wie Frankreich, Deutschland und den Niederlanden, Belgien selbst nicht zu vergessen.

ASP-Schock in Belgien

Das große Glück in dieser prekären Situation war, dass die Fälle in einem Teil des Landes festgestellt wurden, in dem es keine nennenswerte Schweineproduktion gibt. Belgiens Veredlungsregionen liegen im Nordwesten des Landes, etwa 230 km von den ersten Funden entfernt. Die erweiterte Beobachtungszone rund um den ersten ASP-Ausbruchsort umfasste nur rund 4.000 Hausschweine. Diese wurden umgehend gekeult, um jeglichen Eintrag in den Hausschweinebestand zu verhindern. Bis heute mussten in Belgien in Summe "nur" etwa 6.000 Hausschweine gekeult werden.

Belgische Schlachtschweinenotierung litt

Belgiens Handelspartner außerhalb der EU reagierten schnell auf den ASP-Ausbruch. Einige Nicht-EU-Staaten schlossen ihre Grenzen für belgisches Schweinefleisch bzw. zumindest für bestimmte Nebenprodukte. Unter diesen Ländern befanden sich China, Mexiko, die Philippinen, Taiwan und Japan, Länder, in denen traditionell viel Schweinefleisch verzehrt wird. Innerhalb der EU beeinflusste der ASP-Fund in Belgien den Handel mit Schweinefleisch aufgrund von Regionalisierungsvereinbarungen nicht unmittelbar. Der Handel konnte hier weiterlaufen wie gewohnt.

Trotzdem litt die belgische Schlachtschweinenotierung, weil das Fleisch eben nicht in wichtige Partnerländer außerhalb der EU exportiert werden konnte. Innerhalb weniger Wochen sanken die Preise für Schlachtschweine von 1,36 Euro/kg Schlachtgewicht auf 1,09 Euro.

Die schlechte Preissituation änderte sich im März 2019, als Belgien auch die andere Seite von ASP kennenlernte. Durch die zunehmenden Ausbrüche in Asien stieg die weltweite Nachfrage nach Schweinefleisch. In Folge stiegen auch in Belgien wieder die Schlachtschweinenotierungen.

Eintragsquelle ungekärt

Nach wie vor nicht wirklich geklärt ist die Frage, wie das ASP-Virus überhaupt nach Belgien gekommen ist. Zur Einschleppung gibt es drei Theorien, es überrascht nicht, dass es dabei im Kern immer um menschliches (Fehl-)Verhalten geht.

Wenn auch bis heute nicht geklärt ist, wie das Virus eingeschleppt wurde, Belgien hat es aber geschafft, ASP in Schach zu halten. Vorbild war dabei Tschechien – es ist bis heute das einzige Land weltweit, das ASP ausrotten und den Status "ASP-frei" wiedererlangen konnte. Die tschechischen Behörden folgten dabei den strengen Richtlinien der EU. Schlüsselfaktoren waren viele Tests, eine intelligente Bejagung, eine Kooperation der Beteiligten und totale Transparenz. Im Zentrum stand das Ziel, dass das ASP-Virus nicht weiterwandert. In den elf Monaten, in denen das Virus in Tschechien präsent war, war kein einziges Hausschwein von der Seuche betroffen gewesen. Rund 230 Wildschweine starben am ASP-Virus, etwa 1.400 wurden im Rahmen der ASP-Bekämpfung erlegt.

Vorbild Tschechien

Belgien ist bei der ASP-Bekämpfung einen ähnlichen Weg gegangen wie Tschechien. Auch hier blieb das Virus nur in der Wildschweinepopulation. Hunderte Kilometer Zaun wurden gebaut, um die Wanderung von Wildschweinen zu unterbinden - nicht nur in Belgien, sondern auch an den Grenzen zu Frankreich und Luxemburg. Im Norden Frankreichs wurden die Wildschweine ebenfalls präventiv bejagt. Einige Maßnahmen waren in der Praxis jedoch schwer umzusetzen.

Zum Beispiel war es unmöglich, ganze Gebiete komplett einzuzäunen, werden diese doch von Straßen und Autobahnen durchkreuzt. Außerdem werden die Wälder im Süden Belgiens stark von Touristen und Waldarbeitern frequentiert. Trotzdem konnten Teile der Wälder zeitweise gesperrt werden. Eine permanente Sperre hätte weitreichende Folgen für die Wirtschaft gehabt. Es galt also, Kompromisse zu finden.

Nachbarländer ASP-frei

Das Gebiet mit ASP-Infektionen war auf dem Höhepunkt der Seuche von Norden nach Süden 27 km und von Westen nach Osten 29 km lang. Vor allem im Februar 2019 hielten Europas Schweinehalter den Atem an, als die Ausbrüche ihren Zenit von 217 ASP-positiven Wildschweinefunden erreichten. Den am nächsten zu Luxemburg gelegenen Fund (3,3 km von der Grenze) gab es am 13. Februar 2019. Ein paar Tage später gab es den am nächsten zu Frankreich gelegenen Fund, nur 1,1 km von der Grenze entfernt.

Beide Nachbarländer blieben aber ASP-frei. Seit März 2019 gingen die ASP-Funde stetig zurück und sanken seit Juni 2019 auf unter zehn Fälle pro Monat. Jetzt kommt es nur noch darauf an, welches Datum die EU-Kommission als letzten Fall anerkennt: den 11. August 2019, an dem das letzte positive Wildschwein erlegt wurde, oder den 4. März 2020, an dem das letzte ASP-positive Skelett gefunden wurde. In Belgien hofft die Branche natürlich auf den 11. August 2019. Für das exportorientierte Land zählt jeder Tag, an dem wieder nach China und in andere globale Partnerländer geliefert werden kann. Experten erwarten eine Entscheidung nach dem Sommer. Im besten Fall könnte Belgien den Status "ASP-frei" im Oktober 2020 erhalten.

Fazit

  • Im September 2018 wurde in Belgien – 1.000 km entfernt von bisherigen Ausbrüchen – ASP bei verendeten Wildschweinen festgestellt.
  • Am 11. August 2019 gab es den bislang letzten ASP-Virusfund bei einem frischen Kadaver.
  • Danach gab es bis heute sechs weitere Funde von ASP-positiven Wildschweinekadavern, dies waren ausnahmslos ältere Kadaver, sprich Tiere, die schon länger verendet waren.
  • Die ASP-Funde in Belgien liegen in einem Landesteil ohne nennenswerte Schweineproduktion.
  • Belgien ist bei der ASP-Bekämpfung einen ähnlichen Weg gegangen wie Tschechien (Zaunbau, präventive Bejagung Wildschweine).
  • Ein Eintrag in Hausschweinebestände wurde in Belgien verhindert.

Inhalte der Ausgabe

  • Agrarpolitik: Klöckner fordert bessere Tierhaltung
  • Betrieb: Initiative Tierwohl - Anmeldung für die dritte Runde
  • Technik: Gut abwägen - Gründe für den Traktorkauf
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  • Pflanzenbau: Silphieanbau als Biotopvernetzung
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