Milchkühe

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Laura Schneider | am

Berliner Milchforum: Der Wettbewerb um den Rohstoff Milch steigt

Der Krieg in der Ukraine wirkt sich auch auf den Milchmarkt aus. Die Folgen waren ein zentrales Thema beim Berliner Milchforum in der vergangenen Woche.

Die gute Nachricht für die Milcherzeuger: Die Preise und der Wettbewerb um den Rohstoff Milch werden steigen. Das war das positive Fazit von Monika Wohlfarth, Geschäftsführerin der Zentrale Milchmarkt Berichterstattung, bei ihrem Überblick über die aktuelle Situation am Milchmarkt beim Berliner Milchforum.

„Der Kieler Rohstoffwert für Milch ist stark gestiegen auf nie dagewesene Werte von über 60 Cent. Die Milchpreise werden dem folgen und auf ein neues Niveau steigen.“ Die Prognose der Expertin für das dritte Quartel 2022 liegt bei 50 Cent und mehr.

Auf den Betrieben muss mehr ankommen

Demgegenüber stehen allerdings die explodierten Produktionskosten und die Folgen des Ukrainekrieges. Sie beeinflussen Wohlfahrt zufolge die gesamte Branche von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zu Vertrieb und Absatz. Futter sei nicht nur teuer, sondern könne teils auch knapp werden. Für weitere Unsicherheit würden nach wie vor die Folgen der Coronapandemie sorgen. Dazu komme die Ungewissheit, wie Verbraucherinnen und Verbraucher im In- und Ausland auf höhere Lebensmittelpreise reagieren werden.

Auch Karsten Schmal, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), ging auf die gestiegenen Herausforderungen für die Branche ein. Damit sich die Milchviehhalterinnen und -halter den aktuellen Entwicklungen stellen können, müsse bei aktuellen Erzeugerkosten von 55 Cent und mehr ein deutliches Mehr auf den Betrieben ankommen. „Die Molkereien sind gefordert, die aktuell deutlich gestiegenen Erlösmöglichkeiten vollständig auf die Milchviehbetriebe zu bringen“, betonte er.

Weniger Milch geliefert

Dass die Milch- und Butterpreise es wieder in die Schlagzeilen vieler deutscher Medien geschafft haben, ist nicht nur auf den Ukrainekrieg zurückzuführen. Ein weiterer Faktor ist, dass die Milchanlieferungen in vielen starken Regionen merklich zurückgehen, erklärte der Vorsitzende des Milchindustrie-Verbandes (MIV), Peter Stahl. Als Gründe nannte er

  • drastisch gestiegenen Kosten in der Milchproduktion,
  • unterbrochene oder gestörte Lieferketten infolge der Pandemie
  • sowie eine überdurchschnittliche Bevorratung durch industrielle Kunden und Verbraucher.

Ohne Gas brechen die Lieferketten zusammen

Die Molkereien klagen ebenfalls über stark gestiegene Kosten. Besonders die Entwicklungen im Bereich Energie bereiten ihnen Sorgen, wobei es nicht nur um den Preis, sondern auch um die Verfügbarkeit geht.

„Wenn wir kein Gas mehr bekämen, würden die Lieferketten schnell zusammenbrechen, weil die Molkereien mit Gas arbeiten und nicht ohne Weiteres auf andere Energiequellen umstellen können. Die Milch würde auf den Höfen bleiben“, warnte Stahl.

Er hofft bei einem Ende der russischen Gaslieferungen auf die bevorzugte Behandlung der Milchbranche als kritische Infrastruktur. Das müsse aber auch vorgelagerte Bereiche einschließen, damit zum Beispiel ausreichend Verpackungen verfügbar sind.

Gentechnikfreies Futter wird knapp

Knapp werden könnte auch das gentechnikfreie Futter. Gerade hier ist der Einfluss der Ukraine laut Stahl enorm. Ware, die in der Ukraine noch vorhanden ist, könne nicht verschifft werden. Wie stark die kommende Ernte dort beeinträchtigt sein werde, sei unklar.

Stahl geht davon aus, dass das gentechnikfreie Futter in der kommenden Saison nicht reichen wird, um die derzeitige Menge an Produkten beizubehalten. Da für Änderungen lange Vorlaufzeiten nötig seien – gerade in Hinblick auf die Verpackungen – müsse man schon jetzt über Lösungen sprechen.

Schmal bestätigte diese Forderung. „Im Moment erkennen weder der VLOG (Verband Lebensmittel ohne Gentechnik) noch die Politik die Dringlichkeit, die wir adressieren, und spielen eher auf Zeit“, klagte er. Die bisherigen Vorschläge des VLOG zur Abmilderung seien nicht praxistauglich.

Globale Krisen erden agrarpolitische Diskussionen

Ein Ergebnis der globalen Krisen in den vergangenen Jahren ist laut Schmal auch, dass sicher geglaubte Gewissheiten in Frage gestellt worden sind. „Leere Regale waren vor wenigen Jahren noch unvorstellbar. Das erdet einige agrarpolitische Diskussionen. Themen wie Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Tierwohl stehen aber weiter auf unserer Agenda.“

So wurde auch das Tierwohllabel beim Milchforum thematisiert. Für den politischen Vorschlag einer Haltungskennzeichnung nach dem „Eiermodell“ gab es wenig Zuspruch. „Der Staat hat jahrelang Maßnahmen nur angekündigt. Wenn nun die Wirtschaft mit der Initiative Tierwohl eigene Wege geht, sollten diese nicht durch staatliche Maßnahmen konterkariert werden“, mahnte Stahl.

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