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Dr. Georg Teepker, LWK Niedersachsen | am

Das Besaugen bei Kälbern minimieren

Das gegenseitige Besaugen sollte bereits in der frühen Phase der Kälberaufzucht eingedämmt werden. Saugentwöhner im Rinderstall oder gar bei den Kühen können nur das letzte Mittel sein. Wir geben praktische Tipps.

Bei der Kälberaufzucht ist das gegenseitige Besaugen in der Gruppenhaltung eine häufig auftretende Verhaltensauffälligkeit. Die Kälber besaugen sich intensiv an der Euterregion, am Hodensack, am Nabel, am Maul, an den Ohren oder am Schwanz. Bei männlichen Fressern ist vereinzelt ein ausgiebiges Urintrinken beobachtbar. Bei Kälbern in der Mutterkuhhaltung tritt das gegenseitige Besaugen dagegen in der Regel nicht auf.

Die Sauger leiden dabei durch die Aufnahme von Haaren oder Urin an Verdauungsstörungen und Wachstumseinbußen. Bei den Duldern treten Verletzungen und Infektionen auf. So können Zitzenverletzungen bereits aus dem Kälberstadium stammen und zum späteren Ausfall von einzelnen Eutervierteln bei Erstlaktierenden führen.

Ursache Fütterung

Aus verschiedenen Studien sind Faktoren in Fütterung und Haltung bekannt, die die Häufigkeit und die Intensität des gegenseitigen Besaugens bei Kälbern beeinflussen können.

Das nutritive („milchabhängige“) Besaugen, das während bzw. innerhalb von 15 Minuten nach der Tränkung auftritt, wird vor allem mit dem (noch) nicht gestillten Hungergefühl erklärt. Wenn das Kalb satt ist, lässt der Saugtrieb mit zeitlicher Verzögerung nach.

  • Mit einer längeren Trinkzeit (Nuckeleimer und höhere Milchmenge) reduziert sich das gegenseitige Besaugen bereits.
  • In der paarweisen Aufzucht von sehr jungen Kälbern konnte das Fremdbesaugen durch ein intensives Tränkeregime deutlich vermindert bzw. ganz ausgeschaltet werden. Durch die Zugabe von Traubenzucker in die Milchtränke kann der Blutzuckerspiegel beim Kalb vorzeitig angehoben und das Sättigungsgefühl erreicht werden. 2 g Traubenzucker pro Liter Tränke sind dabei bereits ausreichend.
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Maßnahmen gegen das Besaugen

Die Ursachen für das Besaugen außerhalb der Tränkezeit, als Verhaltensstörung sind dagegen wohl eher in der Haltungsumwelt der Kälber zu suchen. Neben einer monotonen Bucht ohne Beschäftigung wirkt besonders ein Gruppenwechsel als negativer Stressfaktor für das Kalb und kann ursächlich für das Besaugen sein.

Folgende Maßnahmen können probiert werden:

  • Nuckeleimer einsetzen, um den Saugreflex zu befriedigen
  • Fixieren der Kälber für 15 bis 30 Minuten, um ein Besaugen nach der Tränke zu verhindern, Sättigungsgefühl erreichen
  • möglichst homogene Gruppen bilden, um Sozialstress zu reduzieren
  • Ausreichend Platz in eingestreuter Bucht schaffen, Offenfront oder Auslauf
  • Saugattrappen, Heunetze oder Salzlecksteine aufhängen
  • Beobachten und "Sauger" isolieren, um Nachahmung zu verhindern

Aktiv einschreiten

In der Regel sollte das Problem bei den Kälbern mit zunehmendem Alter herauswachsen, doch das funktioniert nicht in allen Betrieben und nicht bei allen Kälbern. Einige Tiere nehmen diese Verhaltensstörung nach der Tränkephase mit in die weitere Aufzucht. Wenn man die Sauger identifiziert hat, muss zu diesem Zeitpunkt unbedingt aktiv eingeschritten werden.

So sieht es im Kälberstall aus

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