Wolf im Wald
Anne-Maria Revermann | am

Bisher kein Abschuss von Wölfen in Niedersachsen

Der Abschuss von Problem-Wölfen wurde vor einem halben Jahr gesetzlich erleichtert. Doch bislang wurde kein Tier getötet.

Seit einem halben Jahr gibt es die gesetzlichen Erleichterung für die Tötung von Wölfen. Diese besagt: Wenn es Angriffe auf Nutztiere gibt, dürfen Wölfe geschossen werden, auch wenn nicht klar ist, welches Tier genau zum Beispiel die Schafe gerissen hat - und zwar so lange, bis die Angriffe aufhören. Allerdings muss weiterhin jeder einzelne Abschuss genehmigt werden.

Im April 2016 war Wolf Kurti in der Lüneburger Heide von einem Scharfschützen der Polizei getötet worden - er war der erste legal getötete Wolf seit der Rückkehr der Tiere nach Deutschland.

Seitdem hat es in Niedersachsen keinen weiteren Abschuss gegeben.

Praktische Bewertung fehlt

Vorerst soll es in Niedersachsen auch keine Tötung geben: Die letzte von drei Genehmigungen nach den neuen Regeln wurde im April auf Bitte des Verwaltungsgerichts Lüneburg ausgesetzt.

Die letzte von drei Ausnahmegenehmigungen wurde im April auf Bitte des Verwaltungsgerichts Lüneburg ausgesetzt, zwei davon wurden aber später vom niedersächsischen Oberverwaltungsgericht für teilweise rechtswidrig erklärt. Zuvor hatte das Land nach 14 Monaten die erfolglose Jagd auf den Leitwolf des Rodewalder Rudels bis auf weiteres eingestellt.

Den künftigen Umgang mit Wölfen soll die niedersächsische Wolfsverordnung regeln. Diese soll im September erlassen werden.

Derzeit seien noch bestimmte Faktoren zu klären. Es müsse klar zum Beispiel sein, wie viele Wölfe wo leben müssten, um den Erhaltungszustand zu sichern, so ein Sprecher des niedersächsischen Umweltministeriums.

Fast 3.000 Wolfsangriffe gezählt

In Deutschland leben derzeit 61 Wolfsrudel, 12 Paare und sechs Einzeltiere. Die endgültigen Zahlen stehen aber erst im Herbst fest, und es dürften mehr sein: Im vergangenen Jahr 2018/19 waren 105 Rudel, 29 Paare und 11 Einzeltiere bestätigt.

2019 wurden deutschlandweit bei 887 Wolfsübergriffen 2.894 Nutztiere verwundet oder getötet. Schafe und Ziegen hatten mit 2.500 den größten Anteil, aber es waren auch Rinder und Pferde dabei.

Die meisten Wölfe gibt es den vorläufigen Angaben zufolge in Sachsen, wo bisher 24 Rudel gemeldet wurden, und in Niedersachsen mit 22 Rudeln, sechs Paaren und einem Einzeltier. Auch diese Zahlen dürften sich noch ändern. In Brandenburg wurden für den Zeitraum 2018/2019 sogar 41 Rudel und acht Paare gemeldet, in diesem Jahr sind erst vier gemeldet, die Daten werden nach Abgaben des Umweltministeriums gerade ausgewertet.

Nach Angaben des sächsischen Umweltministeriums wurde in diesem Jahr - wie schon im Vorjahr - bisher keine Genehmigung zum Abschuss erteilt.

Klöckner: Wölfe vorsorglich bejagen

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hält weitere Schritte für notwendig. "Dass die gesetzlichen Änderungen ausreichen werden, glaube ich kaum." Die Anzahl der Wolfsangriffe auf Tiere und Herden würden kontinuierlich steigen, Weidetierrisse zunehmen, so die Ministerin.

Menschen in den ländlichen Regionen fühlten sich verunsichert. In den betroffenen Regionen müsse es ein Bestandsmanagement geben - also auch vorsorglich gejagt werde.

Mit Material von dpa

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