Schweine dichtgedrängt im Stall
Meinung | Dr. Frank Greshake | am

Branchengespräch Fleisch verläuft enttäuschend

Das Branchengespräch Fleisch vergangene Woche verlief aus Sicht der Schweineerzeuger enttäuschend.

Ein aktuelles Thema war der "Schweinestau" in den Ställen durch die corona-bedingten Reduzierungen der Schlachtzahlen an deutschen Schlachthöfen. Zu den Schlachtkapazitäten gab es dort überraschende Zahlen. Vertreter der Schlachtbranche gaben an, dass derzeit wieder 95 % der Schlachtmengen vor Corona erreicht würden. Dann stellt man sich von Seiten der Politik natürlich die Frage, woher die Überhänge, die de facto da sind, denn kommen? 

Schlachtbranche steht vor mehreren Herausforderungen

Die Fakten zu den Schlachtzahlen liegen aber auf der Hand. In den vergangenen Jahren lag die maximale Schlachtkapazität – meist erreicht Mitte Dezember – kurzfristig bei 1,15 Mio. gewerblichen Schweineschlachtungen pro Woche. Das war von der Schlachtung über die Zerlegung bis zur Verarbeitung absolute Volllast. Zwischenzeitlich ist die Branche aber mit zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert:

  • Corona-Schutzmaßnahmen
  • zusätzliche Arbeitsschutzmaßnahmen
  • Verlust des Asienexportes

Letzteres führt zum Beispiel dazu, dass Köpfe, Eisbeine, fette Bäuche etc. zusätzlich zerlegt werden müssen. So muss davon ausgegangen werden, dass aktuell bei 850.000 bis 890.000 Schweinen pro Woche in Deutschland dann wahrscheinlich Schluss ist. Rechnet man noch die aktuellen Reduzierungen in Sögel (-13.000 Schweine pro Tag) und Emstek (-7.000 pro Tag) sowie das Ende der Schweineschlachtungen in Bochum (2.000 pro Tag) dazu, liegt die Zahl einiges niedriger.

Mehr Schlachtschweine im Herbst

Im Herbst müssen aber hierzulande deutlich über 900.000 Schweine pro Woche geschlachtet werden, weil die Mastschweine gegenüber dem Sommer mehr zunehmen und somit schneller ihr Schlachtgewicht erreichen und ab Frühsommer auch mehr Ferkel vermarktet werden. Das bedeutet im Herbst in Summe zwischen 5 und 8 % mehr Schweine – wie in jedem Jahr.

Eine private Lagerhaltung, wie sie zwischendurch auch mal in die Diskussion um die Beseitigung des "Schweinestaus" genannt wurde, will die Schlachtwirtschaft derzeit nicht. Man kann weder mehr schlachten noch will man mehr einfrieren, denn im Froster liegen noch die nicht exportierten Asienartikel.

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Corona trifft die Schlachtbranche hart

Sehr verärgert sind die Schweinehalter über Äußerungen im Rahmen des Branchengesprächs, dass Corona die Probleme der Schlacht- und Fleischwirtschaft besonders deutlich gemacht habe. Beim Lockdown hat man in den Metropolen ganze Branchen stillgelegt – Flughäfen, Züge, den gesamten Kulturbereich incl. Sport; weite Teile des öffentlichen Dienstes wurden ins Homeoffice geschickt; Hunderte Millionen Euro Schulden wurden vom Staat gemacht.

Und die Fleischwirtschaft hat einfach weiter gearbeitet wie sonst, so der "Vorwurf"! Was aber sonst soll sie machen? Sie muss weiterarbeiten, weil sonst das Drama in den Mast- und Sauenställen schon viel früher seinen Lauf genommen hätte. Von der Besamung bis zur Schlachtung dauert es 300 Tage, Corona begann hier in Deutschland Anfang März, das sind noch keine 250 Tage. Wie kann man da den Schweinehaltern jetzt vorwerfen, sie hätten ihre Produktion ja an Corona anpassen können?

Jetzt kommen Anpassungen, die sind dann aber endgültig.

Bittere Entwicklung für die Veredlungsbranche

Für die nordwestdeutsche Veredlungsregion ist das eine ganz bittere Entwicklung, auch für den vor- und nachgelagerten Bereich. Die Erlöse aus der Ferkelproduktion und der Schweinemast decken lange nicht mehr die Kosten, die Umsätze schwinden in der ganzen Branche. Auch im Milch-, Rind- und Geflügelbereich sieht es ja nicht gut aus.

Wo sollen sich die Menschen in Coronazeiten bewerben, wenn der Zulieferer, der Verarbeiter etc. im nächsten Jahr mangels Masse die Pforten schließen? Auch darauf muss Julia Klöckner eine Antwort geben. Den Wein kann man im Fass lassen, bis der Sturm vorüber ist. Die Tiere nicht!

Barbara Otte-Kinast zur Notlage der Schweinehalter

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