In den Schlachthöfen könnten bald die Bänder stillstehen, weil nicht ausreichend Schlachtvieh zur Verfügung steht.

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Ulrich Graf, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt | am

Brandbrief von Tönnies: Versorgung bricht weg

Der Markt schafft seine eigenen Fakten: Für Landwirte ist es lukrativer, das Getreide zu verkaufen als es in die Tierhaltung zu stecken.

In einem Notbrief wendet sich Tönnies Foodservice an seine Kunden. Darin beschreibt das Unternehmen, dass die Fleisch- und Wurstwarenindustrie von einer massiven Kostenexplosion schwer getroffen sei. Die Grenze des wirtschaftlich Vertretbaren sei sowohl auf Ebene der Rohstoffpreise als auch der sonstigen Kostenpositionen endgültig überschritten.

Risiken sind branchenweit vertreten

Ähnliche Klagen gibt es auch Vion und von The Family Butchers (Reinert). Eine Zukunft der Branche sei letztendlich nur gesichert, wenn sie die höheren Kosten an den Lebensmittelhandel weitergeben kann. In Klartext: Es braucht also höhere Preise. Im Raum steht auch, wie damit umzugehen ist, wenn Lieferkontrakte nicht erfüllt werden können.

Dabei spricht Tönnies eine ganze Reihe von kostensteigernden Faktoren an. Das reicht von den explodierenden Energiepreisen über die höheren Einkaufpreise für Rinder und Schweine sowie dem Ausfall von Geflügellieferungen aus der Ukraine bis hin zum Fehlen von ukrainischen Lastwagenfahrern und Lieferproblemen bei Zusatzstoffen wie Senfsaaten und Paniermehlen.

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Leergefegte Märkte und hohe Kosten

Besonders drastisch beschreibt Tönnies die Entwicklung auf den Rindfleischmärkten. Hier könnten bis Ostern die Schlachttiere ausgehen, weil es einfach kein Vieh mehr gebe. Diese Entwicklung war aber seit längerem absehbar. Die Rinderpreise hatten bereits vor dem Ukrainekrieg stark angezogen, weil das Angebot schlichtweg zu klein ist, um die Nachfrage zu bedienen. Massive Bestandsrückgänge sind hierfür die Ursache. Ähnliches gilt für den Schweinesektor. Hier haben die schlechten Preise dazu geführt, dass die Kosten der Mäster nicht mehr gedeckt wurden und deshalb Ställe leer blieben.

Schweinepreis liegt bei 1,75 €/kg Schlachtgewicht

Selbst jetzt, da die Preise sich innerhalb des zurückliegenden Monats stark erholt haben - sie stiegen von Mitte Februar bis heute von 1,20 auf 1,75 €/kg Schlachtgewicht - ist fraglich, ob die Produktion wieder anspringt. Wegen der hohen Getreidepreise ist der Verkauf des Getreides lukrativer als es in die Mast zu stecken. Um kostendeckend arbeiten zu können, müsste von den Abnehmern für ein Kilo Schlachtgewicht bei Schweinen mehr als 2,40 Euro gezahlt werden, rechnet Hortmann-Scholten auf der Sitzung des Veredelungsausschusses des Landvolks Niedersachsen vor. Grund sind die hohen Futtermittel- und Energiepreise.

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Produziert wird, was Aussicht auf ein betriebliches Überleben bietet

Wenn jetzt von politischer Seite die Forderung kommt, man müsse überlegen, ob in Krisenzeiten nicht auf die Haltung von Nutztieren verzichtet werden solle und damit mehr Getreide direkt in die menschliche Versorgung wandern soll, so heißt das eigentlich, Eulen nach Athen tragen. Ist der Verkauf der pflanzlichen Produkte lukrativer als der von tierischen, regelt das der Markt alleine.

Für viele Bauern war die Veredelung ein Ausweg, bei schlechten Getreidepreisen ein etwas höheres Einkommen auf ihrem Betrieb zu erzielen. Das dürfte sich für viele Unternehmen aktuell mit umgekehrten Vorzeichen darstellen. Ganz abgesehen davon, dass die Nutztierhaltung ein arbeits- und investitionsintensiver Rund-um-die-Uhr-Job ist.

Bleibt zu befürchten, dass die Politik noch über das Ordnungsrecht nachkartet, wenn die Märkte sich bereits neu gefunden haben. Wenn wie mit alten Zahlen die Politik für die Zukunft gemacht wird, dann heißt das meist nichts Guten. Denn dann werden die Bauern zwischen den beiden sich gegenseitig behindernden Parallelsystemen Ordnungsrecht und Markt zerrieben.

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