Zwei Hausschweine auf einer Wiese.
Ellen Hartmann | am

Brandenburg: ASP jetzt bei Hausschweinen nachgewiesen

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist jetzt in Deutschland zum ersten Mal bei Hausschweinen festgestellt worden. Das berichten die Behörden der brandenburgischen Landkreise Spree-Neiße und Märkisch Oderland.

Im Landkreis Spree-Neiße sei, laut Behördenangaben, ein Bio-Bestand mit rund 200 Tieren betroffen, im Landkreis Märkisch Oderland seien es zwei Tiere. Hierbei handele es sich um den Bestand eines Hobby-Halters. Beide Bestände werden nun geräumt. Damit liegen die nachgewiesenen Fälle in der Nähe der polnischen Grenze. Hier gab es bereits zahlreiche nachgewiesene Fälle bei Wildschweinen. 

Auch das BMEL bestätigt die Fälle

Nach Angaben des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) habe das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) die ASP in den zwei Hausschweinebeständen nachgewiesen. Damit ist die ASP in Deutschland zum ersten Mal bei Hausschweinen festgestellt worden. Bisher waren in der Bundesrepublik nur Wildschweine von der Tierseuche betroffen. Für Menschen sei die ASP jedoch ungefährlich, so das BMEL. Sie könne weder durch den Verzehr von Schweinefleisch noch durch den Kontakt von Tieren und Menschen übertragen werden. 

Was passiert nun?

Um die betroffenen Betriebe sollen nun Schutz- und Überwachungszonen errichtet werden. Zusätzlich werden die Bestände gesperrt. Für die Tierseuchenbekämpfung sind in Deutschland die Bundesländer zuständig, heißt es vom BMEL. Vor Ort führen die Veterinärämter die Maßnahmen zur Tierseuchenbekämpfung durch, das FLI unterstützt die epidemiologischen Untersuchungen.

Erster ASP-Fall in Deutschland: 10. September 2020

Jedoch macht das BMEL deutlich, dass die Regionalisierung in der EU und die Möglichkeit des innergemeinschaftlichen Handels mit Schweinen und Schweinefleisch weiter bestehen soll, "da die betroffenen Hausschweinbestände in denselben Regionen liegen".

Die Haltung von Schweinen unterliege zudem hohen Biosicherheitsmaßnahmen nach der Schweinehaltungshygieneverordnung damit der Eintrag von Seuchenerregern von außen verhindert werden kann. Gerade bei Auslauf- und Freilandhaltung bestehe bei Schweinen ein hohes Ansteckungsrisiko. Darauf habe das BMEL mehrfach hingewiesen, heißt es. Bei der ASP handelt es sich um eine schwere Virusinfektion, die bei Schweinen meist tödlich verläuft. Am 10. September 2020 wurde sie erstmalig bei einem Wildschwein in Deutschland nachgewiesen.

Was können Halter jetzt tun?

Das Risiko einer Übertragung des ASP-Virus auf Hausschweine zum Beispiel über Kontakt zu anderen Tieren müsse minimiert werden, so das BMEL. Dies gelte auch für die Freiland- oder Auslaufhaltung von Hausschweinen. Daher empfiehlt das BMEL eine Aufstallung für Schweine in Auslauf- und Freilandhaltung in von ASP betroffenen Gebieten. Auch Bundesministerin Julia Klöckner appelliert an die Halterinnen und Halter, dies zu tun. In jedem Fall müsse ein Tierhalter, dessen Betrieb in einem wegen eines ASP-Ausbruchs eingerichteten gefährdeten Gebiet liege, die Hausschweine so absondern, dass sie nicht mit Wildschweinen in Berührung kommen könnten.

Das sagt das Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland e.V. (AEF):

"Das ist eine Katastrophe mit Ankündigung", sagt der Vorsitzende des AEF, Sven Guericke. "Die Befürchtungen vieler Experten sind nun Wirklichkeit geworden. Im Ergebnis müssen nun alle Tierhalter in der Gefahr ihre Biosicherheitsmaßnahmen noch einmal dahingehend überprüfen, ob sie den höchsten Sicherheitserfordernissen genügen." Auch mahnt Guericke an, dass "Freiland- und Auslaufhaltung – wenn überhaupt - nur noch unter explizit hohen Standards stattfinden dürfen". Er fordert, "bei diesen Haltungsformen in Restriktionsgebieten - anstelle nicht standhaltender Elektrozäune - eine doppelte Einzäunung und einen Außen-Festzaun von mindestens 1,50 Meter Höhe mit Untergrabschutz einzusetzen." In diesen Gebieten sei auch eine noch professionalisiertere Kadaverentsorgung nötig. 

ISN: Ruhe bewahren

Der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), Dr. Torsten Staack, ordnete die Lage wie folgt ein: "Ruhe bewahren! Auch wenn die ASP nun erstmals bei Hausschweinen in Deutschland festgestellt worden ist, besteht kein Grund zur Panik!"

Die beiden betroffenen Betriebe lägen innerhalb der bisher schon bestehenden Restriktionszonen in Brandenburg und seien bereits geräumt worden. Daher ändere sich die Lage für die deutschen Schweinehalter nicht gravierend, so Staack. 

Mit Blick auf den Markt sei Deutschland durch die ASP beim Wildschwein für den Schweinefleischexport in viele Drittländer ohnehin gesperrt. Auf europäischer Handelsebene greife weiterhin das Regionalisierungsprinzip, wodurch sich aktuell keine Veränderungen für die deutschen Absatzmärkte in der EU ergäben.

Staack erwarte allerdings von den Abnehmern in Deutschland ein klares Statement - ein mindestens stabiles Preisniveau sei jetzt das zwingende und richtige Signal an die deutschen Schweinehalter.

Das sagt der Deutsche Bauernverband (DBV):

"Diese weitere Ausbreitung zeigt die hohe Dringlichkeit einer besseren Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest an der polnischen Grenze", so der Veredelungspräsident des DBV und Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, Hubertus Beringmeier. "Es muss endlich gelingen, die Seuche zurückzudrängen. Wir müssen feststellen, dass die ergriffenen Maßnahmen ebenso wie deren Koordinierung nicht ausreichen." Ebenfalls fordert Beringmeier, auf die vorgeschriebenen Biosicherheitsmaßnahmen sowie Aufstallungsangeboten zu achten. Auch das Herauskaufen privater Kleinsthaltungen in den betroffenen Regionen sei eine Möglichkeit, um das Infektionsgeschehen einzudämmen. Für Panikreaktionen an den Märkten bestehe nach Einschätzung des DBV aber kein Anlass.

Mit Material von AHO, DBV, AEF, ISN und BMEL
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