Verpacktes Schweinefleisch.
Ellen Hartmann | am

Brexit und Corona: Großbritannien fehlt Kohlendioxid auf Schlachthöfen

In Großbritannien warnt der Branchenverband vor einem gewaltigen Rückstau bei Schlachtungen, da Kohlendioxid (CO2) fehlt. Dies werde dringend gebraucht, um die Tiere zu betäuben und das Fleisch vakuumdicht zu verpacken.

Nach Aussagen der British Meat Processors Association (BMPA), dem Verband der Fleischproduzenten, sei Kohlendioxid für den Herstellungsprozess unersetzlich. Daher könnten zahlreiche Schlachtbetriebe in Großbritannien in weniger als 14 Tagen keine Vorräte mehr haben. "Dann können Unternehmen keine Tiere mehr annehmen und müssen Produktionslinien schließen", heißt es vom Verband weiter. 

Branchenverband erwartet Rückstau

Dies könne zu einem Rückstau bis auf die Bauernhöfe führen. "Diese Situation gibt es schon bei Schweinefleisch-Produzenten, dort steht eine Keulung auf einigen Farmen kurz bevor", erklärt BMPA. Rind- oder Lammfleisch werde jedoch weiter produziert. Allerdings sei die Ware ohne Vakuumverpackung dann fünf Tage kürzer haltbar, was gerade Händlerinnen und Händler vor ein weiteres Problem stelle: die Logistik. Denn durch die Corona-Pandemie und den Brexit fehlen in Großbritannien Lastwagenfahrer. Aus diesem Grund seien in Britannien bereits öfter Lebensmittelregale leer geblieben. 

Keine Lkw-Fahrer wegen Brexit und Corona

"Diese Krise unterstreicht, dass die britische Lebensmittellieferkette einer kleinen Zahl wichtiger Düngemittelhersteller in Nordeuropa ausgeliefert ist", so Nick Allen, Chef der (BMPA). "Wir verlassen uns auf ein Nebenprodukt aus ihrem Produktionsprozess, um die britische Lebensmittelkette in Gang zu halten." CO2 fällt bei der Düngemittelproduktion an, welches in Europa für kohlensäurehaltige Getränke sowie in der Fleischbranche verwendet wird. Die Tiere werden vor der Schlachtung mit CO2 betäubt und im weiteren Verarbeitungsprozess wird das Fleisch mittels CO2 vakuumdicht verpackt. Momentan seien die Düngemittelhersteller jedoch mit steigenden Energie- und Rohstoffpreisen belastet. Unter anderem habe der Hersteller CF Industries daher sogar zwei Fabriken in Großbritannien stilllegen müssen.

Großbritannien braucht einen Notfallplan

Gerate die Kette ins Wanken, bedrohe das die gesamte Produktion. "Die Folge ist, dass die CO2-Vorräte versiegen", so Allen. Daher fordert er einen Notfallplan. Die britische Regierung müsse seiner Meinung nach dringend eingreifen. Die Probleme seien mittlerweile so groß, dass Brancheninsider über die Tötung von Schweinen auf Farmen nachdenken würden. Viele Schweinebetriebe seien "nahe dem Bersten", berichtet Zoe Davies, Geschäftsführerin der National Pig Association. Es sei an der Zeit, auf die britischen CO2-Hersteller einzuwirken, damit diese besser planen und Störungen vermeiden könnten, verdeutlicht Allen. 

Mit Material von dpa & aho
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