Buchtenstrukturierung-Boxberg-B1_CDL

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Barbara Keßler, LSZ Boxberg | am

Buchten in Ferkelaufzucht und Schweinemast richtig strukturieren

Die Strukturierung von Buchten in Ferkelaufzucht und Schweinemast wird von einigen Labeln gefordert. Die Umsetzung ist jedoch nicht immer einfach. An der LSZ Boxberg gibt es dazu vielfache Erfahrungen.

Damit eine Strukturierung der Buchten in der Ferkelaufzucht und Mast von den Tieren "gelebt" wird, müssen sie die einzelnen Funktionsbereiche (Liegen, Koten, Fressen, Wasseraufnahme, Aktivität und Beschäftigung) klar erkennen und voneinander trennen können. Dabei spielen Gruppen- bzw. Buchtengröße, Positionierung und Gestaltung der einzelnen Elemente, sowie Umweltfaktoren wie Temperatur und Licht eine große Rolle.

Wie kann eine gute Strukturierung auch in konventionellen, zwangsbelüfteten Ställen mit kleinen und mittelgroßen Gruppen funktionieren? Die Landesanstalt für Schweinezucht (LSZ) Boxberg hat mit folgenden Ansätzen bisher gute Erfahrungen gemacht:

Kurze Wege

Damit Funktionsbereiche angenommen werden, empfehlen sich kurze Wege. Rechteckige Buchten mit einer langen und kurzen Seite sind quadratischen Buchten vorzuziehen. Als Orientierungswert gilt 1:2, besser noch 1:3. Aufzuchtferkel und Mastläufer verändern schnell Körpergröße, Gewicht und Bedürfnisse. Dieses muss bei der Gestaltung der Buchten beachtet werden. Um den Kot-/Aktivitäts-/Fressbereich und die Wasserstellen erreichen zu können, sollte der Liegebereich nicht durchquert werden müssen.

Gestaltung des Liegebereichs

Der Liegebereich ist so zu gestalten, dass alle Tiere gleichzeitig und ungestört liegen können. Dafür sollten für Aufzuchtferkel 0,2 m² und für Mastschweine 0,6 m² eingeplant werden.

Grundsätzlich sollten Abdeckungen einseitig, an der langen Buchtenseite wandständig angebracht werden. Lamellen, die nicht auf den Boden reichen, halten einerseits die Temperaturen unter der Abdeckung, sorgen aber dennoch für genügend Luftaustausch. Zudem sollten die Abdeckungen klappbar sein für eine einfache Tierkontrolle und Reinigung.

Regelmäßige Temperaturkontrolle

Eine regelmäßige Kontrolle der Temperaturen und des Liegeverhaltens ist unabdingbar, um zu hohe Temperaturen und demnach die Gefahr der Verschmutzung zu vermeiden.

  • Die Temperaturzielgröße im Mikroklimabereich liegt je nach Aufzuchtwoche bei 27 bis 22 °C. Die Vorlauftemperaturen müssen täglich kontrolliert und ggf. angepasst werden. Auf eine weitere Heizung im Abteil kann auch im Winter verzichtet werden.
  • In der Schweinmast kann ebenso eine Fußbodenheizung im Liegebereich eingesetzt werden. Eine zusätzliche Abdeckung ist dann jedoch nicht nötig.
  • Eine andere Möglichkeit für Mastschweine ist eine nicht beheizbare Abdeckung. Auch unter ihr sollte genügend Platz zur Verfügung stehen (mindestens 0,2 m²/Tier).
  • Gekühlte Flächen beeinflussen das Liegeverhalten und tragen zudem zum Tierwohl bei.

Kotbereich

  • Der Kotbereich sollte ausreichend breit sein (Aufzucht mindestens 1 m, Mast mindestens 1,5 m) und sich über die gesamte Tiefe der Bucht erstrecken. Bei schmaleren Kotbereichen kann Kot von den Tieren mit in den Liegebereich getragen werden.
  • Weiterhin kann der Kotbereich optisch durch ein anderes Material abgegrenzt werden. Dreikantroste mit ausreichender Auftrittsbreite und rutschfester Oberfläche (wellenförmig) bieten den Schweinen einen trittsicheren Untergrund. Aufgrund des erhöhten Schlitzanteils wird der Kot gut durchgetreten.
  • Ein Sicht- oder Kontaktgitter im Kotbereich zur Nachbarbucht fördert das Abkoten hier zusätzlich.

Platzierung des Troges

  • Die Futterstelle sollte sich je nach Platzverhältnissen und Futtertrog gegenüber dem Liegebereich oder mittig der Bucht befinden. Für die Sauberkeit sind unnötige Ecken, etwa durch Trennwände, in kleineren Gruppengrößen (bis ca. 40 Tieren) nach Möglichkeit zu vermeiden. In größeren Gruppen bieten sie jedoch einzelnen Tieren Schutz und Rückzugsmöglichkeiten.
  • Die Platzierung des Troges hängt von der Futterdarreichungsform und der Bodengestaltung ab. Trockenfutterautomaten können mittig in der Bucht, auch auf einer Festfläche, integriert werden.
  • Brei- oder Nassfütterungen brauchen Flächen, auf denen Flüssigkeit ablaufen kann. Der Kontakt zum Wasser während des Fressens animiert die Schweine zum Urinieren.
  • Bei heißen Temperaturen versuchen sich die Tiere mit Wasser oder auch mit nassem Futter abzukühlen. Bewährt hat sich hier eine seitliche Platzierung des Futtertroges. Dies öffnet jedoch den Liegebereich zu einer großen, offenen Fläche, die den Ferkeln die Annahme dieses Bereiches zum Ruhen erschwert. Hier empfiehlt sich zusätzlich, den Ferkeln nach dem Einstallen eine Abdeckung und damit eine Rückzugsmöglichkeit anzubieten.

Ausreichend Wasserstellen anbieten

Ausreichend Wasserstellen, mehr als gesetzlich vorgeschrieben, werden gerne angenommen.

  • Diese müssen so angeordnet werden, dass sie nicht verschmutzen und für alle Schweine zu jeder Zeit gut zu erreichen sind. Tränkeinseln mit Beckentränken, vorzugsweise links und rechts an der Grenze zur Liegefläche, haben sich bewährt. Wandständige Beckentränken im Kotbereich werden zu oft verschmutzt.
  • Zusätzlich können dort Beißnippel angeboten werden. Tränken mit offener Wasserfläche führen zu einer höheren Wasseraufnahme. Hier muss stets auf Sauberkeit und Hygiene geachtet werden.

Beschäftigung und Aktivität

Der Ort des Beschäftigens bzw. der Aktivität muss gut ausgewählt werden.

  • Hier empfehlen sich Bereiche, die als Laufwege dienen.
  • Zum Wühlen eignen sich Wühltürme mit organischem Beschäftigungsmaterial. Die Schweine müssen sich frisches Material "erarbeiten". Von der Decke herunterhängende Seile, Weichhölzer und Heukörbe sind von mehreren Tieren gleichzeitig gut erreichbar. Eine Platzierung im Kotbereich verringert die Akzeptanz des angebotenen Beschäftigungsmaterials.
  • Beschäftigungsautomaten sollten niemals in Buchtenabtrennungen stehen, da dort das Verschmutzungsrisiko wegen des Revierverhaltens zu groß ist.

Beim Einstallen auf optimale Vorbereitung achten

Schweine legen in den ersten Stunden nach dem Einstallen ihre Funktionsbereiche fest. Dafür ist nicht nur die Gestaltung der Bucht wichtig, sondern ebenso der Tierbetreuer und das Management. Bereits beim Einstallen muss alles stimmen! Eine Erinnerungshilfe trägt dazu bei, den Stall optimal vorzubereiten. In den ersten Tagen nach dem Einstallen kann die Strukturierung der Bucht durch Abtrag des Kotes bzw. Neueinstreu und Trocknung falsch angelegter Bereiche noch korrigiert werden.

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