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Jan-Gerd Ahlers | am

Cloppenburg: Schulstunde auf dem Milchviehbetrieb

Schulstunde auf dem Hof, das ist mehr als Kälber streicheln, die Hand nuckeln lassen und den Unterschied zwischen Hobby- und Nutztieren erklären. Wir sind bei Familie Lucassen in Elisabethfehn, Kreis Cloppenburg.

Familie Lucassen zeigt sich und ihre Kühe auf verschiedenen Plattformen der Öffentlichkeit: in den sozialen Netzwerken, mit Filmen für MyKuhTube (Anita aus dem Oldenburger Münsterland, über eine Million Klicks) sowie bei Schulklassenbesuchen über den Verein Landwirtschaft, Umwelt und Bildung (LaUB); er steht für transparente Landwirtschaft für Lehrer und Schüler und arbeitet eng mit Kindergärten und Schulen zusammen.

Erst die Theorie, dann die Praxis auf dem Hof

Bevor die Schüler auf den Hof kommen, beschäftigen sie sich im Unterricht mit Kühen. Auf dem Hof bestehen die Gruppen dann aus 15 bis 25 Kindern, einem Lehrer und einer pädagogischen Betreuungskraft. Anita Lucassen ist es zum Beispiel wichtig, ihren kleinen Besuchern den Unterschied von Hobby- und Nutztieren zu erklären. Ansonsten gehören zum Erlebnisbesuch auf dem Hof auch das Streicheln und Nuckeln der Kälber an der Hand sowie das eigenhändige Melken einer Kuh. Für Staunen sorgt nicht nur der große Milchtank, sondern auch die Zahl, die Anita Lucassen dazu liefert: 11.000 l Milch ist das Volumen, soviel Milch gibt eine Kuh im Jahr.

Milchviehbetrieb in fünfter Generation

Der Milchviehbetrieb Lucassen mit 170 Kühen und 145 Teile weiblicher Nachzucht liegt in der Norddeutschen Tiefebene rund zwei Meter über dem Meeresspiegel im nördlichen Landkreis Cloppenburg. In der von Grünland geprägten Region entstand der Hof in Elisabethfehn um 1850 und wird mittlerweile in der fünften Generation von Anita und Michael geführt.

Bewirtschaftet werden heute mit 3,7 Arbeitskräften 108 ha LN, davon 62 ha Grünland und 46 ha Mais. Dabei handelt es sich um kultivierte Moorflächen. Viele Außenarbeiten, z.B. bei der Gras- und Maisernte, werden durch einen Lohn-unternehmer erledigt. Das spart Maschinenkosten und hilft beim Brechen der Arbeitsspitzen, denn das Hauptaugenmerk liegt auf das Management der wachsenden Milchviehherde.

Das Wohlergehen der Rinder steht im Mittelpunkt

Anita Lucassen, die Landwirtschaft studierte und regelmäßig für die LAND & FORST eine Kolumne schreibt, wurde nach der Geburt ihrer zweiten Tochter 2011 zur Familienarbeitskraft und auch zur Nachzuchtmanagerin, zuständig vor allem für Besamung (Eigenbestandsbesamerin), Kälber, Jungrinder, Tierkontrolle und Datenpflege.

Im Mittelpunkt steht das Wohlergehen der Rinder mit viel Tierkomfort von der Geburt bis zum Verlassen des Betriebes. Mindestens zweimal täglich werden die Liegeboxen, die täglich mit Häckselstroh eingestreut werden, gesäubert, sowie zweimal täglich die Spalten abgeschoben.

Damit die Kühe und Färsen nach der Kalbung optimal in die Laktation starten können, verfolgt Michael Lucassen ein konsequentes Trockensteher-Management: Sechs (Kühe) bis acht (Färsen) Wochen vor dem Kalben werden die Kühe mit einem Trockensteller, kombiniert mit einem Zitzenversiegler, behandelt, um Euterentzündungen in der neuen Laktation vorzubeugen.

Trockensteher werden mit einer Ration aus Heu, Grassilage, etwas Mais und Eiweißfutter gefüttert.

Gute Pflege und ein separater Strohstall

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Ein weiterer Aspekt für die konstant hohen Leistungen ist die regelmäßige Klauenpflege. Dafür kommen alle fünf Monate zwei holländische Klauenpfleger. In der Zwischenzeit führt Michael Lucassen bei auffälligen Kühen selbst den Klauenschnitt durch. Des Weiteren werden die Klauen präventiv mit einem Klauenbad gegen Mortellaro behandelt.

Das Melkhaus verfügt über einen großzügigen, separaten Strohstall für frisch abgekalbte Kühe, die über den Vorwartehof in den Melkstand und von dort auf direktem Weg wieder zurück in den Strohstall getrieben werden können.

Der Melkstand ist luftig und hell und mit einem rutschfesten Gussasphaltboden sowie 2,50 m breiten Austriebswegen ausgestattet. Dadurch können mehrere Kühe beim Austrieb nebeneinander laufen.

Gemolken wird in einem 16er Swing-Over-Melkstand, weil hier eine Person alleine melken kann und der Melkstand einen optimalen Melkrhythmus mit hohen Durchsatzzahlen erlaubt. Eine zweite Person kümmert sich um das Abschieben der Spalten, das Streuen der Liegeboxen sowie den Gruppenwechsel der beiden Kuhgruppen. So kann die gesamte Kuhherde inklusive Treibe- und Reinigungszeit in weniger als zwei Stunden inklusive Vor- und Nacharbeiten gemolken werden.

Konstant hohe Leistung

Die erzeugte Milchmenge liegt derzeit bei 1,7 Mio. kg. Trotz einer erheblichen Ausweitung der Kuhzahl, blieben die Leistungen konstant auf einem hohen Niveau: 11.031 kg Milch mit 4,06 % Fett und 3,54 % Eiweiß sind es aktuell. Anita und Michael Lucassen achten bei der Bullenauswahl auf funktionelles Exterieur, Zellzahl und Töchterfruchtbarkeit. Es gab bereits mehrere Kühe mit einer Lebensleistung von über 100.000 kg im Stall. Ein Bullkalb konnte an den Zuchtverband verkauft werden.

2015 und auch dieses Jahr (Platz vier) wurde der Betrieb beim Milchlandpreis Goldene Olga als einer der besten Betriebe in ganz Niedersachsen ausgezeichnet. Zur Bewertung der Nachhaltigkeit der Wirtschaftsweise prüfen zwei Gutachter die Höfe und deren Aktivitäten in den Bereichen Ökologie, Tierwohl, Soziales und Ökonomie.

Der Betrieb

  • Fläche: 108 ha (62 ha Grünland, 46 ha Mais)
  • Tierbestand: 315 Rinder, davon 170 Milchkühe
  • Leistung: 11.031 kg Milch, 4,06 % Fett, 3,54 % Eiweiss
  • Fütterung: Mischration mit 60 % Mais und 40 % Gras als Basis für 32 kg Milch

Ihnen gefällt diese Kurzzusammenfassung aus der digitalen Ausgabe der LAND & FORST?

Sehen Sie eine neue Folge des Video-Interviewformats „Küchenschnack“ mit Anita Lucassen und lesen Sie den ausführlichen Artikel!

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