Pferde_Weide

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Christel Grommel, Madeline Düwert | am

COPD und COB: Pferde machen Kuren an der Nordsee

COP und COPD bei Pferden: Nicht nur Menschen, auch Pferde und andere Tiere machen Kuren an der Nordsee. Auf der Insel Neuwerk gibt es eine Pferdepension.

Seit 40 Jahren gibt es die Pferdepension der Hoteliersfamilie Griebel auf der Insel Neuwerk. Die Weide ist direkt am Wasser - so können die Tiere pollenfreie sowie jodhaltige Seeluft atmen. „Das Klima tut den Tieren gut und fördert den Heilungsprozess“, so Steffan Griebel. Sein Vater, lange im Trabrennsport aktiv, gründete die Pferdepension vor 4 Jahrzehnten.

Hundert Hektar Außendeichweide

Neben lungenkranken Pferden erholen sich auf Neuwerk in den Sommermonaten auch Tiere mit Hauterkrankungen. Die meisten bleiben drei Monate zur Kur, einige sind aber auch ganzjährig da. Diese Tiere verbringen dann den Lebensabend auf Neuwerk. Hundert Hektar hat die große Außendeichweide der Pferdepension von Alina und Steffan Griebel. Mehr als 20 Pferde nimmt die Pension aber nicht auf, damit sich die Tiere nicht in zwei konkurrierende Herden teilen.

Immer mehr Pferde mit equinem Asthma

Ute Pansegrau, Fachtierärztin für Pferde, beobachtet seit einigen Jahren, dass immer mehr Pferde an equinem Asthma leiden, einer chronischen Bronchitis. Das Leiden werde vor allem durch mit Schimmelpilzen belastetes Raufutter oder Einstreu und trockenes, staubiges Heu ausgelöst. 15 Prozent der Freizeitpferde, die in nördlichen gemäßigten Gebieten leben, leiden laut Studien inzwischen an hochgradigem Asthma, so Pansegrau. Die Kur auf einer Nordsee-Insel lindere die Symptome stark. Luftkuren für Pferde gibt es auch auf anderen Nordsee-Inseln wie beispielsweise Pellworm.

Frau mistet Pferdebox aus

COB, COPD, RAO und IAD - Was ist was?

Weite Nüstern, vorgestreckter Hals und das Pferd muss jeden Atemzug wieder mühsam herauspressen - eine Rinne wird am Perdebauch sichtbar: Viele Reiter setzen diese „Dämpfigkeit“ beim Pferd mit der Lungenerkrankung COB oder COPD gleich. Dabei handelt es sich bei der Dämpfigkeit eigentlich nur um das Endstadium einer Lungenerkrankung beim Pferd, die am ehesten dem Asthma des Menschen ähnelt. Ihren Anfang nimmt sie jedoch schon viel früher:

Ob Pilzsporen, Blütenpolllen, Staub (auch der vom Reitplatz) oder die Ammoniak-Gase in der Box:  All das kann die empfindlichen Atemwege des Pferdes reizen. Die Lunge des Pferdes reagiert dann mit Entzündung, die Lungenbläschen ziehen sich zusammen und es bildet sich vermehrt Schleim, das Pferd hustet.

Wird dieser „kleine Husten“ oder auch ein Infekt beim Pferd nicht umgehend behandelt oder gar „ausgesessen“, kann die Erkrankung schnell chronisch werden.

Das charakteristische „Abhusten“ während des ersten Trabes oder nach dem Wälzen, über das viele Reiter hinwegsehen, kann bereits ein Vorbote sein. Bald hustet das Pferd nicht nur während der Arbeit, sondern auch nach dem Wälzen im Sand und zunehmend in der Ruhephase auf dem Paddock oder in der Box, die Atemfrequenz steigt und es wirft weißen oder gelblichen Schleim aus. Es ist nicht mehr so leistungsbereit wie vorher.

Was ist COB und COPD?

Hält dieser Zustand für mehr als sechs Wochen an, spricht man von COB (chronisch obstruktiven Bronchitis) beim Pferd.

Diese kann sich im weiteren Verlauf zur COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) entwickeln, sozusagen einer COB mit Lungenemphysem. Charakteristisch für Pferde mit COPD ist das angestrengte Atmen. Vor allem das das Ausatmen ist mit hoher Kraftanstrengung verbunden, denn es muss die eingeatmete Luft regelrecht „herauspressen“. Hält dieser Zustand länger an, zeigt sich am Bauch des Pferdes irgendwann eine „Dampfrinne“. Das Pferd „ist dämpfig“ und die Lunge dann auch irreparabel geschädigt.

Das Lungenemphysem behindert das Ausatmen

Durch das angestrengte Ausatmen der COPD-Pferde platzen die kleinen Lungenbläschen, wodurch nur größere, aber weniger Lungenbläschen zurückbleiben. Um jetzt die gleiche Menge Sauerstoff aus der Atemluft zu filtern wie vorher, muss das Pferd schneller atmen, es wird kurzatmig. Ein Lungenemphysem entsteht, das heißt, die Lunge oder Teile davon sind chronisch aufgebläht und das Ausatmen fällt wiederum schwerer - ein Teufelskreis. Ein Lungenemphysem ähnelt auch der Raucherlunge beim Menschen.

Was ist RAO und IAD?

Bei Weitem nicht alle Pferde mit COB oder COPD haben demnach also eine irreparabel geschädigte Lunge. Das ist erst mit der anhaltenden Dämpfigkeit der Fall. Haben Pferde diese noch nicht entwickelt, lassen sie sich oft durch angepasste Haltung und Fütterung beschwerdefrei halten, obwohl die Veranlagung der Pferde für die Atemwegserkrankung bestehen bleibt.

Daher hat man sich seit einiger Zeit darauf verständigt, dass die Begriffe COB und COPD eigentlich nicht richtig sind. Denn es handelt sich streng genommen nicht um eine wiederkehrende chronische Bronchitis, sondern eine höchstwahrscheinlich wiederkehrende Lungenerkrankung.

Daher spricht man heute statt von COB oder COPD eher von RAO (Recurrent Airway Obstruction), oder IAD (Inflammatory Airway Disease). Die RAO ist eine nicht-infektiöse Atemwegserkrankung, bei welcher der Husten häufig nach Ruhephasen auftritt und zur Leistungsminderung führt. Sie ist der Begriff für ein hochgradiges Asthma, während die IAD eine mildere Variante ist und ein moderates Asthma bezeichnet. Mit einer IAD husten die Pferde gelegentlich in Ruhephasen.

Im Gegensatz zur RAO ist bei der IAD eine Heilung möglich, bei der RAO können aber die Symptome gemildert werden. Beide, die RAO und die IAD, fallen unter den Begriff Equines Asthma.

Mit Material von dpa

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