Zu dick oder noch normal? Das Frühjahr ist eine gute Zeit für Pferde, um abzuspecken.

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Imke Harms | am

Dickes Pferd? Das hilft dem Pferdekörper beim Abnehmen

„Rund und gesund“, heißt es häufig auf Nachfrage, wie es dem eigenen Vierbeiner geht. Doch Fettablagerungen beim Pferd sind gesundheitsgefährdend.

Wie heißt es so schön? Neues Jahr, neues Glück: Richtung Frühjahr kann nicht nur das Menschen-Fitnessprogramm gestartet werden, auch die Moppelpferde (und -ponys) können abspecken und fit werden.

Eine Frage der Haltung

Zu viel Futter, zu wenig Bewegung. Und dann auch noch das Wetter. Wer nicht das Glück hat, das Pferd in einem Aktivstall unterstellen zu können samt großer Reithalle, hat im Winter manchmal ein kleines Motivationsloch. Die Pferde sind weniger draußen, und bei einem Schneesturm geht man eben doch besser nicht ausreiten. Aber Tierärzte und Tierärztinnen warnen: Hat das Pferd zu viel auf den Rippen, kann das auf die Gesundheit und den Stoffwechsel schlagen.

Pferd zu dick?

Eine britische Studie hatte es vor einigen Jahren belegt: Jedes zweite Pferd ist zu dick, jedes fünfte sogar stark übergewichtig und es werden immer mehr. „Heute ist es ganz normal, dass man in einem Pensionsstall mit deutlich mehr Kritik konfrontiert wird, wenn man bei einem Pferd die Rippen sehen kann, als wenn es fett ist. Die Leute haben sich einfach an diesen Anblick gewöhnt“, sagte Tierarzt Joe Mackinder im britischen Fachmagazin Horse and Hound. Betroffen seien vor allem Ponys und Kaltblutrassen, aber auch Voll- und Warmblüter tragen inzwischen oft zu viele Kilos mit sich herum - und sollten dringend abspecken.

Rund und gesund? Wenn die Fettablagerungen zu groß werden, machen sie krank.

Was tun gegen Übergewicht?

Bevor also die Weidesaison wieder losgeht, sollte das Pferd an Pfunden verlieren und ein gesundes Maß des Körpergewichts wiedererlangen. „Manchmal kommt es vor, dass wir gerade im Frühjahr, zu Beginn der Weisesaison, fünf oder sechs Pferde pro Woche einschläfern müssen“, wurde Mackinder zitiert. Grund seien häufig Koliken oder Hufrehen. Auch Probleme mit dem Stoffwechsel, wie EMS und Cushing, kommen immer häufiger als Folgeerkrankungen bei adipösen Pferden vor. Das Problem: Besitzer haben manchmal den Blick dafür verloren, wie normalgewichtige Pferde aussehen.

Wie viel Heu Pferde bekommen sollten, ist ein häufiges Streitthema zwischen Stallbetreibern und Pferdebesitzern. Besonders herausfordernd wird es bei Pferden in heterogenen Gruppen.

Fettpolster schlecht für den Stoffwechsel

In der freien Wildbahn ist es normal, dass Tiere den Winter über ihre Fettreserven verlieren, weil wenig Futter vorhanden ist, hier ist also im natürlichen Sinne Diät angesagt. Sie knabbern Äste, Rinden, Kräuter, Laub oder Gräser, Getreide ist eher die Seltenheit, die Pferde leben gesund und eher karg. Dicke Pferde? Fehlanzeihe! Im Sommer futtern sie sich die Kilos zwar wieder an, doch nicht so, dass sie fett werden, ihr Körpergewicht pendelt sich ein. Diesen natürlichen Zyklus des Körpergewichts gibt es allerdings bei unseren eingestallten Pferden nicht; Heu, Gras, Kraft- und Saftfutter werden regelmäßig gefüttert.

Übergewicht macht auf Dauer krank

Häufig ist die Folge: Ein dickes Pferd. Im Sommer geht es für die meisten Pferde zusätzlich noch auf die Weide, die Futtermenge kann dann zwar durch die Weidezeit reguliert werden, dennoch enthält besonders jungs Weidegras viel Energie, die Gewichtsabnahme ist für Pferdebesitzer dann oft kaum zu schaffen, auch nicht bei viel Training. Die Fettpolster machen irgendwann Leber und Niere zu schaffen. Eine Ausleitung, sprich Entgiftung, kann helfen, den Stoffwechsel wieder auf Vordermann zu bringen.

So können Pferde und Ponys abspecken

Aber was jetzt tun, wenn das Pferd schon dick ist? Es gibt Hilfe, und natürlich führen auch hier viele Wege nach Rom. Einige Methoden funktionieren auch gut in Kombination, wie Experten wissen. Der erste Tipp ist logisch: Bewegung, Bewegung, Bewegung. Den die ist das A und O. Auch Training im fleißigen Schritt kurbelt den Stoffwechsel im Pferdekörper an. Das geht auch im Winter!

Heu, Kraftfutter, Kräuter oder Öl? Fütterung im Fokus

Jetzt geht es an das Pferdefutter: Wichtig sind genügend gutes Raufutter, darauf abgestimmte Mineralien und ein Salzleckstein. Das reicht für Pferde, die keine Höchstleistung bringen müssen. Kraftfutter ist nicht nötig, vor allem nicht für ein Pony. Pro 100 Kilogramm sind es etwa 1,5 bis 2 Kilogramm Heu in der Fütterung. Für Pferdehalter natürlich nicht neu: Das Heu sollte nicht in zwei großen Portionen angeboten, sondern auf den Tag verteilt in kleineren Mengen gefüttert werden. Um den Speichelfluss und die Verdauung anzuregen, kann es in Heunetzen gefüttert werden, je nach Haltung.

Wenn Pferde koliken, wälzen sie sich häufig

Methoden, die die Pfunde purzeln lassen

Wenn das Pferd viele Pfunde verlieren muss, weil es schon dicke Fettpolster angesetzt hat, hilft nur: Weniger Kalorien. Statt reines Heu zu füttern, kann ein bisschen Stroh untergemischt werden. Beim Sortieren hat das Pferd viel zu tun und frisst langsamer. Achtung: Die Strohmenge nicht zu hoch wählen, sonst droht das Risiko einer Verstopfung. Auch in Wasser eingeweichtes Heu hat weniger Energie, das kann die Pfunde purzeln lassen. Wichtig ist dann ein gutes Mineralfutter, um Krankheiten und Mangelzuständen vorzubeugen.

Energie runter - Training hoch

Apropos Stroh: Wenn das Pferd viel Gewicht verlieren muss, kann es nachts auf Spänen gehalten werden, das ist zumindest eine Unterstützung. Wichtig sind dann natürlich kleine Fresspausen beim Heu. Länger als vier Stunden ist nicht gesund. Aber nicht zu hastig vorgehen. Der beste Plan fürs Abnehmen ist auch beim Pferd eine gesunde Ernährungsumstellung, die dem Energieverbrauch des Tieres angepasst ist. Wenn das glückt, sinken die Risiken für die „Wohlstandskrankheiten“ Hufrehe, EMS oder Diabetes, von denen häufig schwerere Rassen, wie beispielsweise Haflinger betroffen sind.

So erkennt man Übergewicht beim Pferd

Um das Gewicht zu bestimmen, eignen sich spezielle Waagen für Großtiere (zum Beispiel in Kliniken) oder aber auch Fahrzeugwaagen, wie sie beispielsweise bei Genossenschaften vorhanden sind. Aber es gibt auch ein Maß- und Rechensystem, um den sogenannten Body Condition Score (BCS) zu ermitteln. Dieser errechnet zwar nicht das genaue Gewicht, sagt aber etwas über das Verhältnis von Fettgewebe zu fettfreier Masse aus, bewertet wird an sechs markanten Punkten am Tier. Ziel ist es, bei 5 herauszukommen, das gilt als normalgewichtig.

  1. unterernährt
  2. sehr mager
  3. mager
  4. schlank
  5. guter Ernährungszustand
  6. sehr guter Ernährungszustand
  7. dick
  8. fett
  9. extrem fett

Den Body Condition Score anwenden

Getastet wird nach Fett, also weichen Strukturen und dann werden Punkte von 1 bis 9 vergeben. Wer unsicher ist, kann einen Tierarzt zurate ziehen, der beim Ertasten der Rippen helfen kann. Für den BCS sind diese Bereiche wichtig:

  • Hals und Mähnenkamm
  • Schulter
  • Brustwand und Flanke
  • Rücken und Kruppe
  • Hüfte
  • Schweifansatz und Sitzbeinhöcker

Bewusst hinschauen: So bleibt das Pferd gesund

Rechenbeispiel: Hat das Pferd sechs Punkte für Abschnitt eins, fünf Punkte für Abschnitt zwei, fünf Punkte für Abschnitt drei, vier Punkte für Abschnitt vier und jeweils fünf für die beiden letzten Abschnitte erzielt, beträgt die zusammengerechnete Punktzahl (6 + 5 + 5+ 4 + 5 + 5) : 6 = 5 Damit wäre der der BCS, also der Body Condition Score des Pferdes bei 5 und somit im Idealbereich. An Training und Fütterung müsste erstmal nichts verändert werden.

Mit Material von Magazin Horse and Hound, Pferdeklinik Tappendorf
Mit heißem Wasserdampf behandeltes Heu ist für Pferde zwar sicherer, liefert ihnen aber weniger Proteine.

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