Schweinehälften im Schlachthof
Christel Grommel | am

Der Druck auf die Schlachtbranche wächst

Der Druck auf die Fleischbranche wird immer größer. Agrarministerin Julia Klöckner sowie auch andere wollen einen Wandel in der Branche.

Der Fall Tönnies und die Corona-Infektionen in anderen Schlachthöfen brachten schlechte Zustände ans Licht und Ärger für die Branche. Nun werden Stimmen aus der Politik laut, die so schnell wie möglich Änderungen wollen.

Arbeitsminister Heil brachte bereits eine mögliche Haftung von Tönnies für entstandene Kosten ins Spiel, Regierungssprecher Seibert sagte, Gesetzesverschärfungen für bessere Arbeitsbedingungen ab Anfang 2021 würden "mit Dringlichkeit" vorangetrieben. SPD-Chef Walter-Borjans sagte, die Politik habe die Aufgabe, gute Arbeitsbedingungen und artgerechte Tierhaltung zu gewährleisten.

Die Grünen forderten nach den Corona-Ausbrüchen von der Bundesregierung Tempo, um Missstände in der Branche zu unterbinden. Britta Haßelmann forderte, dass die angekündigten gesetzlichen Regelungen sofort ins Parlament müssten. Die Grünen-Fraktion hat beantragt, die Corona-Fälle in Schlachthöfen in den zuständigen Bundestags-Ausschüssen auf die Tagesordnung zu setzen.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock forderte angesichts der hohen Infektionszahl ein Krisentreffen von Bund und Ländern. Das System der Agrar- und Fleischproduktion müsse sich grundlegend ändern. Klöckner müsse die Agrar-, Gesundheits- und Arbeitsminister von Bund und Ländern einladen, um für gemeinsame Standards für ganz Deutschland zu sorgen.

Unionsfraktionsvize Georg Nüßlein drängte indes darauf, Werbung für Fleisch zu Billigpreisen zu unterbinden. "Wir müssen Fleisch endlich so wertschätzen, wie es dem Töten von Tieren angemessen wäre. Der wöchentliche Preiskampf der Supermärkte steht dem entgegen, ist unanständig und muss aufhören."

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Klöckner will Maßnahmen für Wandel

Die Ministerin will nun mit Ländern und Verbänden über Konsequenzen beraten. Sie lädt morgen (26. Juni) zu einem Treffen, gemeinsam mit Heinen-Esser und Otte-Kinast. Vertreter von Tierhaltern, Schlachtereien, Ernährungswirtschaft, Handel und Verbraucherschützer werden teilnehmen. Auch das Bundeskartellamt, Tierschützer und Tierärzte werden erwartet.

Das Bundesministerium teilte mit, dass eine "Neujustierung" der Tierhaltung in Deutschland nötig sei. 

Fleisch und Wurst seien oft zu billig. Unter diesen Bedingungen seien faire Arbeitsbedingungen und Löhne, hohe Tierwohlstandards und ein auskömmliches Einkommen von Tierhaltern schwer zu erreichen. "Wir alle stehen hier in der Verantwortung. Deshalb setzen wir auf die Teilnahme und Mitarbeit der gesamten Kette", erklärten die drei Ministerinnen. 

Klöckner stellte klar: "Das System kann so nicht fortbestehen." Andauernde Schlachtengpässe setzten auch Landwirte unter Druck. Es gebe Kapazitätsgrenzen in den Ställen, weil Tiere nur eine bestimmte Zeit über die normale Mastdauer hinaus gehalten werden können. 

Julia Klöckner setzte sich jetzt auch für eine Tierwohlabgabe ein, die auf Fleisch und andere tierische Produkte aufgeschlagen werden soll. Dies wurde ebenfalls von einer Expertenkommission empfohlen, um Bauern bei Stallumbauten zu unterstützen, die das Tierwohl verbessern sollen.

Auch Niedersachsens Agrarministerin Otte-Kinast nahm im Vorfeld des Treffens die Branche in die Pflicht, die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

BUND will Fleischabgabe

Auch der BUND sieht die Corona-Fälle in den Schlachthöfen als eine Chance, eine Fleischabgabe durchzusetzen. Der Vorsitzende Bandt sagte, der Druck wachse nun weiter. Soziale und ökologische Perspektiven gehörten beim Umweltschutz zusammen.

Die Abgabe sei zweckgebunden und solle den Umbau zu einer artgerechteren Tierhaltung beschleunigen. Es müsse aber auch akzeptablere Löhne für die Beschäftigten und um eine Anpassung der Grundsicherung für Verbraucher mit wenig Einkommen geben, mahnte Bandt.

Verbraucherschützer wiesen darauf hin, schon beim Fleischkauf mitzudenken. Lebensmittelexperte Bernhard Burdick empfahl, weniger Fleisch zu essen und dafür mehr auszugeben.

Wegen des neuartigen Coronavirus müssten sich Verbraucher beim Fleischkauf keine Sorgen machen, so der Experte. Bisher seien keine Fälle bekannt, bei denen das Virus von Lebensmitteln übertragen worden sei.

Mit Material von dpa

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