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Andreas Pelzer, Haus Düsse | am

EuroTier: Trends in der Rinderhaltung

Datenkompetenz in der Betriebsführung, die optimale Haltung von Kühen in der Transitphase und die Kälberhaltung in Gesellschaft: Das sind Trends in der Rinderhaltung.

Digitalisierung im Stall

Mit Kraftfutterstationen und ersten einfachen Herdenmanagementprogrammen begann die digitale Revolution in zukunftsorientierten Milchviehbetrieben bereits vor 30 Jahren. In der Kombination mit den Ergebnissen der Milchleistungsprüfung hatten Milchviehhalter schon damals die Gelegenheit, jede Kuh bedarfsgerecht und automatisiert mit Milchleistungsfutter zu versorgen. Mit der Entwicklung von Melkrobotern wurde ein kompletter Arbeitsprozess, das Melken, automatisiert.

Elektronische Techniken zur Steuerung von Melkständen und -technik sowie der Kühl- und Reinigungstechnik führten zu einer weiteren Optimierung der Milcherzeugung und Sicherung der Milchqualität.

Den Zeitaufwand im Blick behalten

Neben den klassischen Sensoren für die Messung von Temperatur und Zeit wurden immer neue entwickelt, die beispielsweise am Tier Aktivität, Körpertemperatur, Wiederkauschläge oder den ph-Wert im Pansen messen können. Die Messwerte und Informationen setzen Prozesse in Gang.

Zu bedenken ist allerdings, dass durch die Kombination von manuell eingegeben Daten aus dem Herdenmanagement, den Daten aus der Milchleistungsprüfung und den automatisch erfassten Daten der eingesetzten Sensoren, große Datensammlungen entstehen.

Der Zeitaufwand für die Zusammenstellung von Daten und die Erstellung von neuen Listen ist dabei allerdings häufig größer, als der verbleibende Zeitansatz für die Auswertung der Daten.

Nicht jeder Landwirt nutzt das große Potenzial relevanter Daten. Die Analyse und Auswertung bedarf aber Zeit und Struktur in den Arbeitsprozessen. 

Die Daten effizient nutzen

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass Landwirte sich Gedanken machen, inwieweit sie in Sensoren und sensorgestützte Prozesse investieren. Sie müssen sich klar darüber sein, welche Vorteile Daten und Informationen für ihr Management haben, aber auch darüber, dass der nicht fachgerechte Umgang Zeit und Geld kostet.

Für den Landwirt ist es wichtig, die Daten in seinem Betrieb effizient zu nutzen. Er muss lernen, die für seine Entscheidungen relevanten Daten von den weniger- oder nicht relevanten zu unterscheiden und die „richtigen“ Infos in seine Produktionsabläufe zu integrieren.

Immer mehr Anbieter entwickeln ihre Systeme als Webanwendungen oder als Systeme, die nur sicher mit einer entsprechenden Anbindung an das Internet laufen bzw. gewartet werden können. Die erfassten Daten werden dabei immer häufiger in entsprechenden Datenclouds gespeichert. Ein großer Vorteil dieser neuen Anwendungen ist die zeitoptimierte Darstellung sowie die individuelle Online-Nutzung und Steuerung über Smartphones und Tablets.

Im Rahmen der Digitalisierung geht es nicht alleine darum, erfasste oder gemessene Daten spezifisch zu bewerten, sondern auch um die ganzheitliche Abbildung und Steuerung von Prozessen und Entscheidungen aufgrund festgelegter Algorithmen. In der automatisierten Datenerfassung über Sensoren sind meist durch die Firmen Algorithmen hinterlegt, die die vom Sensor ermittelten Werte entsprechend ihrer Bestimmung auswerten und interpretieren. Für den Nutzer und für Außenstehende sind die Interpretationen und Schlussfolgerungen allerdings häufig nicht transparent.

Fazit

  • Die Digitalisierung im Kuhstall ist auf einem guten Weg.
  • Einheitliche und lösungsorientierte Vernetzungen werden immer wichtiger.
  • Die sichere Speicherung der Daten ist zu optimieren, Nutzungsrechte sind zu klären.

Haltung von Kühen in der Transitphase optimieren

Kühe in Liegebuchten im Stall

Zur Verbesserung der Abläufe im Stall müssen Struktur, Untergliederung und Größe der Sonderbereiche stärker in den Fokus rücken und ausreichend Flächen und Stallabteile für die Special-Needs-Kühe (Tiere mit besonderen Bedürfnissen) vorgehalten werden. 

Dabei gibt es zwei Möglichkeiten, die Haltung in der Transitphase zu organisieren. 

Einphasige Transitphase

In der einphasigen Transitphase wird eine Kuhgruppe zu einem festen Zeitpunkt bzw. an einem festen Wochentag immer gleichzeitig trockengestellt. Diese Kühe bleiben bis zur Kalbung zusammen. Mit der Kalbung verlassen die entsprechenden Kühe die Gruppe, sodass die Gruppe immer kleiner wird und sich mit dem Abkalben der letzten Kuh auflöst.

 Als Haltungssystem bieten sich Tiefstreubuchten mit einer Fläche von rund 10 m² je Tier an. Der Laufgang am Futtertisch sollte betoniert sein und die Strohliegefläche mindestens 8 m² je Tier betragen. Die Dauer der Unterbringung in diesem System beträgt vom Tag des Trockenstellens bis zur Abkalbung sechs bis acht Wochen. Die Anzahl der Kühe in diesem System sollte auf sechs Tiere beschränkt werden.

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Zweiphasige Trockenstehphase

In der zweiphasigen Trockenstehphase werden alle trockengestellten Kühe eines Betriebes in den ersten vier bis sechs Wochen der Trockenstehzeit in einer Gruppe gehalten, die je nach Trockenstellrhythmus wöchentlich oder alle 14 Tage durch eine neu trockengestellte Kuhgruppe ergänzt wird. Am selben Tag verlässt eine Gruppe diesen Stallbereich und wird in die Abkalbebucht umgestallt.

In Phase eins der Transitzeit sollten die Kühe vorzugsweise in einem Liegeboxenlaufstall gehalten werden. Alternativ könnte die Gruppe auch auf Tiefstreu laufen. Für die Anordnung der Liegeboxenreihen empfiehlt sich für die trockenstehenden Kühe eine zweireihige Aufstallung in Einzelreihen. Die Kühe sollten in der Kopf-zu-Schwanz-Position liegen. Für trockengestellte Kühe sind Tiefboxen zu empfehlen. Laufgänge dürfen nie in einer Sackgasse enden.

In Phase zwei werden die Kühe zwei bis drei Wochen vor dem Abkalbetermin in Kleingruppen in die Abkalbebuchten umgestallt. Die Gruppengröße sollte vier Kühe nicht überschreiten. Die Abkalbebuchten sind als reine Strohbuchten oder Strohbuchten mit betoniertem Fressgang vorzusehen. Da die Kühe in diesem Abteil abkalben, sollten die Buchten lang und tief sein. Für mehr Schutz und Ruhe sollten die Gitter im hinteren Bereich blickdicht verschlossen sein.

Kälberhaltung in Gesellschaft

Kälber im Stall

Die Einzelhaltung von Kälbern in Hütten oder Einzeliglus und die anschließende Gruppenhaltung hat sich vielfach bewährt, gesellschaftlich gab es jedoch schon Kritik. In verschiedenen Versuchen wurde die Einzelhaltung der Kälber am zweiten oder dritten Tag aufgehoben und man hat zwei Kälber zusammenlaufen lassen (Pairing). Auch in Haus Düsse gibt es ein Haltungssystem speziell für das Pairing von Kälbern.

Erste Erfahrungen sind positiv, die Kälber bauen schnell eine soziale Beziehung auf, die auch nicht wieder getrennt werden sollte. Insofern sollten nur solche Tiere zusammenkommen, die auch über einen längeren Zeitraum zusammenbleiben. Es macht keinen Sinn, ein Kuh- und ein Bullenkalb am zweiten Tag zusammenzubringen und das Bullenkalb dann am 14. Tag zu verkaufen, und die Beziehung wieder zu trennen.

Basis für den Erfolg ist ein optimales Management während der Abkalbung sowie ein striktes Hygienemanagement von der Abkalbebucht über den Transport zur Kälberbox bis hin zu einem konsequentem Kolostrummanagement. Die Kälber müssen in den Buchten im Stroh und nicht auf Stroh liegen. Die Tränkeversorgung muss immer sichergestellt sein; die Tränkeeimer sollten einen Abstand von einem Meter haben. Die Kälber sollten gleich alt oder nicht mehr als fünf Tage auseinander sein.

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