Jörn Ehlers im Schweinestall
Christel Grommel | am

Ferkelkastration: Landvolk will Verlässlichkeit

Für Schweinehalter und Ferkelerzeuger sind die Zeiten wahrlich nicht leicht. Erst Corona, dann der ASP-Ausbruch. Nun kündigt noch der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) an, nur noch chirurgisch kastrierte Schweine abnehmen zu wollen.

"Das ist ein fatales Zeichen für unsere niedersächsischen Schweinehalter. Statt Verlässlichkeit unter Marktpartnern herrscht nun große Unsicherheit bei den Bauern. Welches Schweinerl hätten Sie denn nun gern, lieber LEH?", fragt Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers. Er ist entsetzt über die Vorgehensweise und Wankelmütigkeit des LEH.

In einem Info-Schreiben an ihre Mäster und Ferkelerzeuger des Gutfleisch-Programms informierte die Edeka-Nord GmbH, dass sie 2021 weder die Alternative "Ebermast" noch die Immunokastration (Impfung gegen Ebergeruch), sondern nur noch chirurgisch kastrierte männliche Schweine akzeptieren wird. 

"Das trifft alle engagierten Mäster, die sich mit den anderen beiden Varianten für mehr Tierwohl einsetzen und dahingehend ihre Mast und Ferkelerzeugung umgestellt haben", erklärt Ehlers. Andere Marktteilnehmer, wie beispielsweise Kaufland und Rewe, nehmen kastrierte Schweine aller drei gängigen Verfahren ab. Auch Kunden der Edeka Süd-West erhalten Schweinefleisch aus dem Edeka-Programm "Gutfleisch", das sowohl die Jungebermast als auch die Immunokastration zulässt.

Verwirrung auf dem Markt

"Das ist für alle schweinehaltenden Betriebe absolut unverständlich und macht die Verwirrung auf dem Markt perfekt", beklagt Ehlers. Die Schweinebauern seien schon genug gefordert, die strengen Auflagen und erhöhten Anforderungen für mehr Tierwohl zu erfüllen. 

Er befürchtet, dass Schweinehalter aufgeben werden. "Viele sind nicht mehr bereit, mitzumachen und zu investieren, wenn der LEH macht, was er will und nicht zu seinem Wort steht." Die Konsequenz wäre ein Import aus Nachbarländern, der nicht im Sinne des Tierschutzes wäre. 

Ehlers ruft daher alle Marktteilnehmer – und insbesondere Edeka-Nord – zu mehr Verlässlichkeit und Solidarität auf.

Mit Material von Landvolk Niedersachsen

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