Schlachthof_Schwein

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Christel Grommel | am

Fleischbranche in der Krise: Wann schließt der erste Schlachthof?

In der Fleischwirtschaft wird die Lage immer schlechter, die Schlachtunternehmen müssen draufzahlen.

Es ist Grillsaison. Pünktlich dazu senkt Discounter Aldi die Preise für Schweinefleisch. Verpackt wird das schön: Man gebe sinkende Einkaufspreise an die Verbraucher weiter und leiste einen Beitrag zur Senkung der Inflation. Ein Manager aus der Fleischindustrie legte das in einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ als Heuchelei offen.

Die Lage für Schlachtbetriebe ist existenzbedrohend

Das billigere Fleisch ist das Ergebnis von Verhandlungen zwischen Fleischwirtschaft und Handel, es wurde Druck aufgebaut. Für die Schlachthöfe ist das fatal, denn auch sie kämpfen mit den steigenden Kosten. Energie, Arbeitskraft und die Schweine selbst kosten mehr. Denn Schweine werden auch knapper, weil sich die Aufzucht für die Betriebe immer weniger lohnt. Dazu kommt jetzt auch noch der Ausbruch der ASP. Das alles gleichzeitig ist für die Schlachtbetriebe existenzbedrohend. „Wenn der Handel keine höheren Kostenstrukturen akzeptiert, brechen denen die Lieferanten weg“, so der Manager. Weil die Betriebe dann pleite sind.

Günstig grillen auf Kosten der Bauern

Hubertus Beringmeier, Bauernpräsident im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV), nimmt gegenbüber der NOZ kein Blatt vor den Mund. „Der Handel senkt die Preise in den Supermärkten auf unsere Kosten. Aldi und Co. werden auch weiterhin gutes Geld verdienen, während den Bauern und zunehmend auch den Schlachtunternehmen die Luft ausgeht.” Zu Spitzenzeiten hätten die Schlachtbetriebe etwa 1,1 Millionen Schweine pro Woche schlachten können, derzeit sind es etwa 800.000. Beringmeier erwartet, dass die Schlachtzahlen noch weiter sinken, die Betriebe haben eine Überkapazität von 25 bis 30 %. Diese Kapazitäten kosten Geld, das aktuell jeden Tag „verbrannt“ wird.

Die Perspektiven bleiben schlecht

Laut Klaus-Martin Fischer, Partner bei der Beratungsfirma „Ebner und Stolz”, führe kein Weg daran vorbei, dass große Schlachtunternehmen einzelne Standorte schließen müssen. Beringmeier sieht die drohende Konzentration im Markt mit Sorge. „Es ist nicht in unserem Sinne, wenn Schweine quer durchs Land transportiert werden müssen und wenige Unternehmen den Schweinepreis diktieren können.” Die Perspektiven für die Schweinehaltung bleiben dem Bauernpräsidenten zufolge schlecht.

Mit Material von NOZ
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