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Kristina Wienand | am

Fleischwirtschaft in schwierigem Fahrwasser

Von Energiekosten bis hin zu geringerem Schweinefleischverzehr: Die deutschen Fleisch- und Wursthersteller haben derzeit mehrere große Herausforderungen zu meistern. Eine Bestandsaufnahme.

„Die deutsche Fleischwirtschaft hat in den Jahren der Corona-Pandemie die Bevölkerung verlässlich mit hochwertigem Fleisch und Fleischerzeugnissen beliefert. Die Versorgungssicherheit wird jetzt jedoch durch die Energiekrise und die mangelnde Unterstützung der Regierung beim Umbau der Tierhaltung gefährdet“, erklärte die Geschäftsführerin des Verbandes der Fleischwirtschaft (VDF), Dr. Heike Harstick, anlässlich der gemeinsamen Jahrestagung mit dem Bundesverband Deutscher Wurst- & Schinkenproduzenten (BVWS) in Berlin.

Harstick gab zu bedenken, dass das Schlachten von Tieren und Verarbeitung von Fleisch einerseits energieintensiv und andererseits aber notwendig sei, um die Menschen zu versorgen. Nach wie vor werde die Branche jedoch darüber im Unklaren gelassen, ob und wie eine Zuteilung von Gas bei einer möglichen Mangellage erfolge, kritisierte die Geschäftsführerin.

Importverbote wegen ASP

Was die Fleischbranche im Moment auch belastet: Durch das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen und punktuell in Hausschweinbeständen hätten Drittländer Importverbote verhängt, deren Märkte für die wirtschaftliche Vermarktung und nachhaltige Verwendung des gesamten Tierkörpers eine bedeutende Rolle spielten.

„Dies hat bei den Schlachtbetrieben für spürbare Ertragseinbußen gesorgt“, berichtete Harstick. Auch für die deutschen Hersteller von Wurst und Schinken ist die Situation schwierig: Die Produktion von Wurstwaren nahm 2021 im Vergleich zum Vorjahr laut Statistischem Bundesamt um 8,9 Prozent ab. Produziert wurden 2021 demnach 1,37 Mio Tonnen Roh-, Koch- und Brühwurst.

„Pandemiebedingte Einschränkungen in der Gastronomie, Engpässe durch die Unterbrechung der Lieferketten beispielsweise bei Ersatzteilen für Produktionsanlagen und ein allgemein sinkender Verzehr sind die Hauptgründe für den Produktionsrückgang bei Wurstwaren“, berichtete BVWS-Geschäftsführer Thomas Vogelsang.

Fleisch im Supermarkt

Erzeuger brauchen Perspektiven

Die wirtschaftlichen Probleme des Sektors weiter verschärfen wird nach Einschätzung der Fleischverbände, dass die Schweinemast in Deutschland deutlich zurückgeht.

Zahlreiche Landwirte beklagen sich demnach über die mangelnde Bereitschaft der Politik, für den Umbau der landwirtschaftlichen Erzeugung verlässliche Perspektiven zu bieten. Steigende Energiepreise, eine zunehmend schwierige Vermarktung und Wettbewerbsnachteile durch nationale Auflagen brächten viele Bauern dazu, ihre Betriebe aufzugeben. „Es ist vor diesem Hintergrund fraglich, ob die Versorgung mit heimischem Schweinefleisch weiter sichergestellt werden kann“, warnte Harstick. Schon jetzt machen Einfuhren laut Harstrick mehr als ein Viertel der heimischen Verbrauchsmenge aus.

Gegenwind gebe es auch wegen des generell abnehmenden Fleischverzehrs, der im vergangenen Jahr gegenüber 2020 um weitere 2,1 Kilogramm auf 55 Kilo pro Kopf abgenommen habe. In den ersten sieben Monaten 2022 ist nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) das Verkaufsvolumen von Fleisch im Einzelhandel gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11,5 Prozent eingebrochen, was vor allem an der Kaufzurückhaltung in Inflationszeiten liegt.

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Fleischexport sinkt

Auch im Export lief es für die deutsche Fleischwirtschaft zuletzt nicht gut. Die Ausfuhrmenge an Fleisch und Fleischwaren ging 2021 gegenüber dem Vorjahr um 4,7 Prozent auf 3,6 Millionen Tonnen zurück; die Exporterlöse fielen mit 10,6 Prozent noch stärker.

Der Export von Schweinefleisch in Drittländer war aufgrund des ASP-Geschehens nur sehr begrenzt möglich, hieß es aus der Branche. Erfreulich ist dem VDF zufolge, dass mit der kürzlich abgeschlossenen Regionalisierungsvereinbarung zwischen der EU und Südkorea erstmalig ein großes asiatisches Importland solch ein Abkommen grundsätzlich akzeptiert habe. Zur Wiederaufnahme tatsächlicher Lieferungen sei jetzt aber noch erforderlich, dass das bilaterale Gesundheitszeugnis verabschiedet und Lieferbetriebe durch Korea gelistet würden.

Dies wäre ein wichtiger Schritt für die Wirtschaftlichkeit der Schweinefleischproduktionskette in Deutschland, betonte der Verband. Er rief die Bundesregierung dringend dazu auf, die politische Initiative zu ergreifen, um mit weiteren Drittländern Regionalisierungsabkommen zu erreichen. Das sei wichtig für alle Erzeuger in Deutschland.

Dabei geht es Harstick zufolge auch um die Verwertung des ganzen Tieres: „Auch die Pfoten und Schwänze von Bioschweinen können nur in Drittländern wie China als Lebensmittel mit hoher Wertschöpfung für die deutschen Erzeuger vermarktet werden.“ 

Mit Material von AgE, Verband der Fleischwirtschaft (VDF)
Südkoreaner beim Barbecue

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