Schweine im Stall
Christa Diekmann-Lenartz | am

Frühwarnsystem für Schweinehalter

Ab nächster Woche stellt das QS-Prüfsystem teilnehmenden Schweinehaltern neue Indikatoren zur Tierhaltung und zur Biosicherheit aus den Auditberichten zur Verfügung. Die Kennziffern sind Frühwarnsignale.

Für alle Schweine haltenden Betriebe ist ein hoher Biosicherheitsstatus von großer Bedeutung, um die Einschleppung von Krankheiten oder Tierseuchen in den Betrieb wie zum Beispiel die Afrikanische Schweinepest zu vermeiden.

Ab dem 25. November 2019 bietet das QS-Prüfsystem seinen Schweinehaltern und Bündlern diesbezüglich einen neuen Service: den Audit-Index Biosicherheit (BSI) und den Audit-Index Tierhaltung (THI). Diese beiden Indices zeigen schnell und übersichtlich, wie der jeweilige Betrieb bezüglich der beiden Bereiche aufgestellt ist. Die Indices sollen eine Hilfestellung bei der Eigenkontrolle bieten und eine Art Frühwarnsystem sein, auch für Berater und Tierärzte. Berechnet werden die Indices für alle Audits, die seit Anfang 2018 durchgeführt wurden. Nach jedem Audit auf dem Betrieb erfolgt eine Neuberechnung.

Unterschiedliche Gewichtung

Zu den Kriterien, die für die Indexberechnung herangezogen werden, gehören beim Biosicherheitsindex unter anderem die Kadaverlagerung, das Schädlingsmonitoring und die Schädlingsbekämpfung, Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen, die Lagerung von Futtermitteln oder der Umgang mit Einstreu und Gülle.

Für den Tierhaltungsindex werden unter anderem das Platzangebot, das Stallklima, die Lüftung, die Futter- und Wasserversorgung, die Stallböden oder der Umgang mit kranken oder verletzten Tieren beurteilt. Die einzelnen Kriterien werden dabei unterschiedlich gewichtet – je nach Bedeutung für Biosicherheit bzw. Tierhaltung. Der Einfluss eines einzelnen Kriteriums auf das Ergebnis kann maximal um den Faktor 3 erhöht werden.

Die Index-Zahl gibt dann an, ob und wie die Anforderungen an die Biosicherheit und die Tierhaltung umgesetzt wurden. Die Indices können eine Zahl zwischen 100 (= alle Kriterien vollständig erfüllt/mit A bewertet) und 0 (= alle Kriterien nicht erfüllt /mit D bewertet) erreichen. Wenn ein Index also unterhalb von 100 liegt, besteht die Möglichkeit oder sogar die Notwendigkeit, Verbesserungen einzuleiten.

Die Indices weisen die Schweinehalter explizit darauf hin, wenn im Audit Verbesserungspotential gesehen wurde (B-Bewertung). Eine C- oder D-Bewertung besagt, dass Korrekturmaßnahmen vereinbart wurden, die umgesetzt werden müssen. Deshalb sind die Indices eine Hilfe im Betriebsmanagement.

Indices in der QS-Datenbank hinterlegt

Schweinehalter finden die Audit-Indices in ihrem letzten Auditbericht in der QS-Datenbank direkt neben den Angaben zu den Auditergebnissen. Bündler können die Audit-Indices für ihre gebündelten Betriebe als Excel-Tabelle herunterladen und für eigene Bewertungen nutzen.  

Schweinehalter können die betriebseigenen Audit-Indices auch zur Risikobewertung gegenüber den Veterinärämtern einsetzen. Dies nimmt die neue Anforderung der EU-Kontrollverordnung 2017/625 vorweg, die am 14. Dezember 2019 in Kraft tritt. Veterinärämter sind laut dieser Verordnung gehalten, möglichst viele Informationen zur Risikobewertung der landwirtschaftlichen Betriebe heranzuziehen.

Auf Wunsch des Tierhalters kann den Veterinärämtern der Zugriff auf die Audit-Indices freigeschaltet werden, so dass ein Audit-Index oder beide Indices für die Risikoeinstufung durch die Behörde genutzt werden kann. Wenn ein Tierhalter diese Nutzung wünscht, muss die Freigabe aber ausdrücklich mit dem Bündler vereinbart werden! Die datenschutzrechtlich notwendigen Voraussetzungen zwischen Tierhalter, Bündler und Veterinäramt werden laut Information von QS derzeit final abgestimmt. 

Mit Material von QS
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