Schweinemastanlage Alt Tellin
Christel Grommel | am

Aus für Megamastanlagen gefordert

In Alt Tellin gab es einen verheerenden Brand in einer Schweinemastanlage, 55.000 Tiere verendeten. Kommt nun das Aus für solche Anlagen?

Auch jetzt noch schlägt der Brand hohe Wellen. Der agrarpolitische Sprecher der Grünen, Friedrich Ostendorff, forderte das Aus für Stallanlagen dieser Größenordnung. "In der Schweinezuchtanlage Alt Tellin sind mehr als 55 000 Tiere getötet worden. Es hat keinen wirksamen Brandschutz gegeben", konstatierte Ostendorff.

Nach seiner Auffassung sei es an der Zeit, solche "Megamastanlagen aufs Abstellgleis zu stellen". Betriebe mit so vielen Tieren könnten eine Havarie in Notsituationen nicht bewältigen, was dann in solchen "Tierschutzkatastrophen" wie in Alt Tellin münde. Ostendorff sieht nun insbesondere den Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Backhaus gefordert. Dieser müsse sich gegen agrarindustrielle Megaanlagen in seinem Bundesland stellen.

Ostendorff bekräftigte seine Forderung nach Tier-Obergrenzen pro Stall. 

Landwirtschaftsminister gegen Großanlagen

Auch Minister Backhaus sprach sich gegen Großanlagen aus. Er persönlich würde einen Wiederaufbau der abgebrannten Schweinezuchtanlage nicht unterstützen, gab er in der "taz" an. 

Zuvor hatte das Schweriner Agrarressort eine unmittelbare Verantwortung von Backhaus für den Bau der Großanlage in Alt Tellin zurückgewiesen. Die immissionsschutzrechtliche Genehmigung sei im Jahr 2010 durch das Wirtschaftsministerium des Landes erteilt worden. Erst im Jahr 2016 sei der Bereich des Immissionsschutzes in die Verantwortung des Agrarressorts übergegangen.

Backhaus selbst stellte klar, dass er sich seit vielen Jahren für eine flächengebundene Tierhaltung und Veredlung im Land einsetze, um im ländlichen Raum Wertschöpfung und Arbeitsplätze zu erhalten und neu zu schaffen. Zudem habe er immer wieder deutlich gemacht, dass er Tierhaltungsanlagen wie in Alt Tellin generell ablehne.

Rukwied: Vorfall wird missbraucht

Der Deutsche Bauernverband (DBV) warnte indes davor, die Tierhaltung in Deutschland insgesamt zu diskreditieren. "Der tragische Vorfall wird von Teilen der Politik als Argument missbraucht, unsere Tierhaltung zu schwächen und zu reduzieren", kritisierte DBV-Präsident Joachim Rukwied.

Bewährte Systeme in Frage zu stellen, sei "der falsche Weg und nicht akzeptabel". Für Rukwied sei vielmehr entscheidend, wie das Tierwohl in den Ställen ausgestaltet sei. 

Der Borchert-Plan zum Umbau der Nutztierhaltung biete dabei eine gute Grundlage, das Tierwohl hierzulande voranzubringen. Noch vor der Bundestagswahl erwarte Rukwied vom Deutschen Bundestag deshalb eine Entscheidung zur Umsetzung der Borchert-Vorschläge.

Mit Material von AgE
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