on_Zukunft-Tierhaltung-B1_CDL

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Christa Diekmann-Lenartz | am

Wie kann es für Niedersachsens Tierhalter weitergehen?

Klimawandel und Umweltschutz, gesellschaftlicher Druck, unsichere Rahmenbedingungen, das sind aktuelle Herausforderungen für Tierhalter, vor allem in den Intensivregionen. Wie kann es dort weitergehen?

Die hiesigen Schweinehalter stehen enorm unter Druck, es zerrt von allen Seiten: Die Preise für Ferkel und Schlachtschweine waren monatelang auf tiefem Niveau, bei den Sauenhaltern gibt es großen Anpassungsbedarf durch die neue Gesetzgebung, aber nach wie vor sehr große Verunsicherung, was und wie gebaut werden kann. Das neue Gesetz ist da, die Länder-verordnungen fehlen aber.

Die vom Bund werbewirksam verkündete flankierende Förderung ist wegen ihrer Fristen und Bedingungen nur für ganz wenige Betriebe nutzbar. Die angekündigten genehmigungsrechtlichen Erleichterungen für Stallumbauten in Sachen Tierwohl lassen auf sich warten bzw. die TA-Luft ist eher konträr.

Unsicherheit bleibt

Das ebenfalls lange angekündigte staatliche Tierwohllabel ist noch nicht da. Die Pläne der Borchert-Kommission für den Umbau der Tierhaltung können Leitschnur sein, der Bundesrat hat jetzt die Umsetzung gefordert. Ob und wie das Ganze zu finanzieren ist, ist aber längst noch nicht geklärt. Trotzdem stehen die Ziele des Borchert-Papiers im Raum. Sie besagen, dass Schweinen ab 2030 20 % mehr Platz und ab 2040 47 % mehr Platz zur Verfügung stehen soll – als dann gesetzlicher Mindeststandard. Bis 2040 sind es keine 20 Jahre mehr, welcher Sauenhalter soll heute einen Stall für 1,5 Mio. € bauen, wenn 2030 schon wieder neue Regelungen kommen sollen?

Wo kann es für Niedersachsens Tierhalter hingehen?

Den Versuch, niedersächsischen Tierhaltern eine Antwort zu geben, welchen Weg sie in die Zukunft gehen können, unternahm vergangene Woche der Verbund Transformationsforschung agrar, die Koordinierungsstelle ist an der Uni Vechta.

Thema der Online-Veranstaltung mit 180 Teilnehmern war der unausweichliche Wandel der Tierhaltung. Eine gute Diskussionsgrundlage dazu lieferte Werner Schwarz, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes.

Er stellte zehn Thesen auf: "Wir können feststellen, die Arbeit wird mehr, teurer und anspruchsvoller, das unternehmerische Risiko steigt durch die höheren Anforderungen, aber der Markterlös spiegelt das nicht wider", beschrieb er treffend.

Zehn Thesen zu Tierhaltung

Seine zehn Thesen, die der Tierhaltung Orientierung für ihren künftigen Weg geben sollen:

  • Die Weltbevölkerung wächst, bei uns werden die Lebensmittel hierfür nicht erzeugt werden.
  • Der Klimawandel ist da, der Aufwand in der Produktion steigt bei uns für gleiche Erträge.
  • Die Tierhaltung steht weiter unter Druck, sie wird noch kapitalintensiver, die Betriebe werden größer, weniger, auch Kapitalgesellschaften sind Eigner.
  • Die Vielfalt der Betriebe wird größer, es gibt individuelle Lösungen, was hier und jetzt passt.
  • Die Digitalisierung nimmt zu, unterstützt präzise Produktion, die Züchtung spart Chemie im Pflanzenschutz und spart Pharmazie in der Tierproduktion.
  • Artenvielfalt ist – gesellschaftlich gewollt – eine Aufgabe für die Landwirtschaft.
  • Es gibt einen Systembruch in der Landwirtschaft, Klima- und Umweltschutz stehen vorne, das hat Auswirkungen auf die Produktion.
  • Naturschutz wird ein Produktionszweig, dafür gibt es freiwillige Programme.
  • Ohne jeglichen EU-Außenschutz ist in Deutschland keine Produktion unter höheren Standards möglich.
  • Die – steigenden – Erzeugungskosten werden weiter relevanter Maßstab sein dafür, ob bzw. was hier produziert wird.

Schnelle Reaktion auf neue Entwicklungen

In den Statements der Teilnehmer wurde deutlich, dass gerade die Veredlungsregion Oldenburger Münsterland/Weser-Ems "eigentlich" sehr gut aufgestellt ist für die Weiterentwicklung der Tierhaltung. Die Betriebe wollen mehr Tierwohl, der vor- und nachgelagerte Bereich hat das Know-how, gerade die Mittelständler können schnell reagieren auf neue Entwicklungen.

"Transformation geht durch Innovationen", sagte etwa Uwe Bartels vom Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland, AEF. Von den Innovationen gebe es schon sehr viele – auch von Unternehmen vor Ort. Bartels geht zudem von einer stärkeren Diversifizierung bei Lebensmitteln aus, auch hier sieht er Chancen für die Region und ihre Landwirte.

Know-how ist da

Sarah Dhem, Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Fleischwarenindustrie und Unternehmerin des Fleischerhandwerks aus dem Landkreis Cloppenburg, betonte: "Wir können Agrarwirtschaft, die gesamte Wertschöpfungskette ist da, aber wir müssen wissen, was gefragt ist." 

Diese Frage, was der Verbraucher wirklich will, treibt auch Stefan Teepker, Landwirt aus dem Emsland und Vorsitzender des Bundesverbands Bäuerlicher Hähnchenerzeuger, um. Teepker merkte an, dass mehr Tierwohl in den heutigen Ställen an Grenzen komme. Dann brauche es neue Ställe und dann müsse der "Gesellschaftsvertrag" ins Spiel kommen. Der Umbau der Tierhaltung laut dem Borchert-Papier koste sehr viel Geld, es fehle nach wie vor der Plan für die Finanzierung.

Schweine im Stall

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Artikel suchen und merken

✓ exklusiv: Video und Audio

✓ Familienzugang

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ Artikel merken und teilen
✓ exklusiv: Video und Audio
✓ Familienzugang
✓ 1 Tag früher informiert
Produkte entdecken
 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Messerückblick EuroTier
  • Amtsantritt von Miriam Staudte
  • Biogasanlagen droht Insolvenz
  • Schlepper-Lichterfahrt: Infos zu Führerschein & Co.
  • Adventsrezepte mit Walnüssen

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen