Schweine im Stroh
Dr. Gerhard Stalljohann, LWK Nordrhein-Westfalen | am

Für satte und zufriedene Schweine

Bei der Diskussionen um das Thema Tierwohl in der Schweinehaltung spielt auch die Zufütterung von Raufutter eine wichtige Rolle. Aber wieviel und welche Art von Raufutter sind sinnvoll?

Rohfaser: Entscheidend ist die Verdaulichkeit

Laut Gesetz müssen tragende Sauen mit Rohfaser in ausreichender Menge und Qualität versorgt werden. Die Wirkung der (Roh-)Faser ist sehr vielseitig.
Sie beeinflusst über den Verdauungsvorgang die Darmgesundheit und in Folge das Wohlbefinden der Schweine sowie deren Gesundheit. Die Verdaulichkeit von Faserstoffen ist bei Schweinen sehr stark altersabhängig.

Entscheidend für die Verdaulichkeit von Rohfaser sind aber nicht nur die absoluten Gehalte an schwerer verdaulichen Kohlenhydraten, sondern die Anteile an bestimmten Bestandteilen dieser Fraktion.

    Raufuttergabe im Schweinestallmit Hilfe des Düsser Wühlturms
    • NDF (=neutral detergent fibre=neutrale lösliche Detergentienfasern): die pflanzlichen Zellwandbestandteile wie Cellulose, Hemicellulose, Pektin, Lignin
    • ADF (=acid detergent fibre=sauer lösliche Detergentienfasern): der weitestgehend unverdauliche Teil der Zellwandbestandteile wie etwa Cellulose  
    • ADL (=acid detergent lignin=sauer lösliches Lignin): nahezu identisch mit dem Ligningehalt
    • NSP (=Nicht-Stärke-Polysaccharide): Bestandteil der pflanzlichen Zellwände, wie Cellulose, ß-Glucane, Pentosane oder Pektine, können vom Schwein nicht eigenfermentativ abgebaut werden
    • BFS: die bakteriell fermentierbare Substanz, die den Bakterien im Darmtrakt für die Ernährung zur Verfügung steht.

    Wird bei einem Futtermittel der ADF-Wert vom NDF-Wert abgezogen, erhält man eine gute Mengenangabe zum fermentierbaren Faseranteil. Der hintere Darmabschnitt (Dickdarm) soll hiermit ausreichend versorgt werden.
    Der fermentierbare Faseranteil (schwer verdauliche Kohlenhydrate wie Cellulose, Hemicellulose, Beta-Glucane, Pentosane, Pektine und Inuline) fördert positive Bakterien (Milchsäure-/Bifidobakterien) und damit die Darmgesundheit.

      Raufutter weckt das Interesse der Schweine

      Raufutter sind Grob- oder Wirtschaftsfutter wie Stroh, Heu, Maissilage, Grünmehl/Cobs oder Luzernengrünmehl und umfassen sowohl wasserreiche Futtermittel (Grünfutter) und anderes Saftfutter wie Rüben oder Silage, als auch trockenes Raufutter wie Heu oder Stroh.

      Raufutter weckt das Interesse des Schweins, es wird gerochen, betastet und mit dem Rüssel analysiert. Es wird aufgenommen, eingespeichelt und abgeschluckt. Enzyme und Hormone werden aktiviert und die Sekretion im Magen- und Darmbereich gefördert. Durch das strukturierte Raufutter erfolgt im Magen eine gute Schichtung und volumenmäßige Füllung des Magen-Darm-Traktes, was zur Sättigung und Ruhe der Tiere beiträgt.

      Unterschiedliche Faserbestandteile

      Die verschiedenen Faserlieferanten enthalten sehr unterschiedliche Faserbestandteile und -mengen (Tab. 1). So hat etwa trockene Weizenkleie mit 453 g ca. 70 g mehr NDF als feuchte Maissilage. Die Weizenkleie enthält zudem mit 321 g fermentierbaren Fasern NDF-ADF) einen hohen Anteil an Bakterienfutter. Maissilage liefert 194 g fermentierbare Faser.

      • Raufutter muss sich bei Verfütterung in einem einwandfreien Zustand befinden, was Hygiene und Qualität angeht. Hierzu sollten regelmäßig Untersuchungen etwa bei der LUFA durchgeführt werden.
      • Ein positiver Effekt von Maissilage besteht beispielsweise in der Wirkung der organischen Säuren, die durch den Silierungsprozess entstehen.
      • Auch fressen Schweine Maissilage ausgesprochen gern. Ansonsten können unter dem Aspekt einer ausreichenden Faserversorgung und einer zufriedenstellenden Beschäftigung mit der Futteraufnahme zur Steigerung des Tierwohls die in Tab. 1 aufgeführten Komponenten eingesetzt werden.
         

      Empfehlungen

      In Tab. 3 ist die Raufuttergabe auf Basis der vorläufigen NDF-Empfehlungen kalkuliert. Die angegebenen Spannen ergeben sich aus den Kalkulationen zur Optimierung der vorläufigen NDF-Bedarfsempfehlungen. Wobei die geringen Mengen zur Beschäftigung der Tiere dienen und die hohen Mengen gleichzeitig die NDF-Versorgung bei unzureichend faserversorgten Mischungen sicherstellen.  

      Keine Wahl lassen

      Bei Maissilage, Biertreber oder Pressschnitzeln

      • Hier sollte eine gemeinsame Verfütterung des Raufutters über ein Schrot- oder Flüssigfutter erfolgen, um zu starkes Futteraufnahmewahlverhalten zu vermeiden.
      • Bei Sauen werden bis zu 1.200 g Maissilage kalkuliert und bei Mastschweinen 110 bis 330 g, angepasst an die jeweiligen Bedarfswerte. Eine Einsatzmenge von 330 g Maissilage in der Endmast würde in etwa einer Menge von 6 % am Gesamtfutter mit gleicher Trockenmasse entsprechen.
      • Auf jeden Fall sichergestellt werden sollte die Nährstoff- bzw. Energiezufuhr insgesamt pro Tag in den verschiedenen Leistungsabschnitten.
      • Bei tragenden und säugenden Sauen sollte eine Energiezuführung von 35 bzw. 43 MJ ME je Sau und Tag möglich sein. Bei Mastschweinen sollte eine Energiemenge von 24,5 bei 45 kg LM bzw. 36 MJ ME bei 90 kg LM mit der Gesamtration eingehalten werden.

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