Rinder auf Weide
Jan-Gerd Ahlers | am

Was Sie für einen sicheren Umgang mit Rindern beachten sollten

Niedersachsens Rinderhalter sollten das Angebot der Berufsgenossenschaft nutzen: Schulungen zum sicheren Umgang mit den Tieren.

Kaum zu glauben: In der Rinderhaltung gab es voriges Jahr deutschlandweit über 7.000 meldepflichtige Unfälle, davon mehrere tödlich. In Seminaren zeigt die Berufsgenossenschaft, wie das Unfallrisiko gesenkt werden kann.

Was können Sie als Rinderhalter im Alltag tun, um mehr Sicherheit zu haben?

Fluchtmöglichkeit für Tierhalter

Alles, was Tierhalter wollen, ist sozusagen ein Störfaktor für die Vierbeiner: Ohrmarken einziehen, einfangen, aussortieren, Klauenpflege, impfen und verladen.

Deshalb ist es wichtig, dass Rinderhalter sich bei Gefahren durch aufgeregte Tiere zurückziehen können:

  • Im Stall sind Fluchtmöglichkeit für Tierhalter durch Lücken im Fressgitter oder Aussparungen zu schaffen.
  • Auf der Weide sind „Fluchtinseln“ wie Trecker, Futterraufen oder Baumgruppen wichtig.

 

Rinder haben wenig Geduld

Rinder wollen sehen, wer sie treibt und auch dorthin gehen, wohin sie schauen. Für den Rinderhalter wichtig ist folgendes:

  • Auf jede Bewegung des Menschen folgt eine Bewegung des Tieres.
  • Rinder haben meistens wenig Geduld.
  • Sie können sich auch nur auf eine Sache konzentrieren.

Welches Sichtfeld Rinder als klassische Fluchttiere haben

  • Durch die seitliche Anordnung ihrer Augen haben Rinder einen sehr engen Sichtwinkel. Sie können nur zehn Meter weit klar sehen.
  • Allerdings können Rinder noch über eine Entfernung von sechs Metern eine Handbewegung von nur einem Millimeter wahrnehmen.

In Rindernähe laute Geräusche vermeiden

  • Beim Herantreten an die Rinder sollte man sich mit ruhiger Stimme bemerkbar machen. Rinder richten ihre Ohren immer in Richtung der Geräuschquelle.
  • Sie können Geräusche von Futter- und Viehwagen durchaus unterscheiden und bekannte Töne und Stimmen identifizieren.
  • Rinder sind empfindlich gegenüber lauten, schrillen und quietschenden Geräuschen.

Rinder mit ausgeprägtem Geruchssinn

  • Rinder erkennen beispielsweise ihren Tierhalter oder andere Betreuungspersonen am Geruch.
  • Auf unbekannte Gerüche hingegen reagieren sie sensibel.

Was Sie als Rinderhalter noch beachten sollten

  • Treibgänge sollten möglichst nicht in einen 90°-Winkel abbiegen.
  • Absperrungen sollten lieber blickdicht sein.
  • Manche für den Menschen kaum bedeutende Dinge können bei den Rindern zu Irritationen führen und den Ablauf stören. Dazu zählen klirrende Ketten, ungünstiger Schattenschlag oder grelles Gegenlicht.
  • Nur griffige Laufbereiche sind sicher, das gilt für Mensch und Tier. Wenn zum Beispiel eine 650 Kilo schwere Kuh beim Treiben aufgrund zu glatter Laufflächen ausrutscht und beim Fallen mit ihrem Körpergewicht auf die Beine des Treibers trifft, sind schwere Verletzungen vorprogrammiert.

Kostenlose Schulungen nutzen

Viele kritische Situationen im Stall oder auf der Weide kann man vermeiden, wenn man weiß, wie sich Rinder verhalten. Die Sozialversicherung bietet in eintägigen Schulungen mit einem Praxisteil im Rinderstall auf einem Hof Informationen an, wie Rinder ihre Umwelt mit dem Seh- oder Hörsinn wahrnehmen.

Für Mitgliedsbetriebe der Berufsgenossenschaft ist die Schulung kostenfrei.
Anmeldeformulare unter www.svlfg.de/ihr-kontakt-zu-uns.

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst 43/19.

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