Fressende Kühe am Futtertisch
Laura Schneider | am

Gebärmutterentzündung bei Rindern: Fünf Fragen und Antworten

Der Begriff Gebärmutterentzündung umfasst verschiedene Krankheiten. Lesen Sie, wie sich diese unterscheiden und was das für Ihr Management bedeutet.

Bei vielen Kühen tritt nach der Kalbung Scheidenausfluss auf. Er kann sich in Aussehen, Konsistenz und Geruch unterscheiden. Die meisten Kühe sind völlig unauffällig, andere liegen mit hohem Fieber fest.

Erkrankungen mit Ausfluss werden oft unter dem Begriff Gebärmutterentzündung zusammengefasst, doch dahinter stecken verschiedene Erkrankungen.

1) Was ist eine Gebärmutterentzündung?

Der Reproduktionstrakt der Kuh besteht im Wesentlichen aus drei Komponenten: Scheide (Vagina), Gebärmutterhals (Cervix) und Gebärmutter (Uterus). Jede dieser drei Komponenten kann erkranken oder sich entzünden, wodurch es zu Ausfluss kommt.

Scheidenausfluss bedeutet also nicht unbedingt, dass die Gebärmutter entzündet ist. Seit einigen Jahren sind Definitionen für Gebärmutterentzündungen in Gebrauch, die die Bilder anhand verschiedener Merkmale differenzieren. Grundsätzlich lassen sich folgende Formen unterscheiden:

  • Metritis: Sie betrifft das gesamte Organ und kann mit starken Krankheitssymptomen einhergehen. Die Gebärmutter ist stark vergrößert, die Rückbildung kann sich verzögern. Der Ausfluss ist jauchig bis eitrig und oft durch einen üblen Geruch gekennzeichnet.
  • Endometritis: Lokale Entzündung der inneren Oberfläche (Endometrium). Der Ausfluss ist unterschiedlich stark von Eiter durchsetzt.
  • Subklinische Endometritis: Kein sichtbarer Ausfluss. Die bakterielle Infektion des Endometriums lässt sich nur durch eine Oberflächenprobe aus der Gebärmutter nachweisen.
  • Pyometra: In der Gebärmutter sammelt sich eitriges Material an. Anders als bei der Endometritis ist der Gebärmutterhals geschlossen und lässt keine oder nur geringe Mengen an eitrigem Ausfluss passieren.
  • Von diesen „echten“ Gebärmutterentzündungen sind die Entzündungen der Scheide (Vaginitis) und des Gebärmutterhalses (Cervicitis) zu unterscheiden. 

2) Wie entstehen Gebärmutterentzündungen?

Alle Typen haben ihre Ursache in einer unterschiedlich schweren Entzündung des Gewebes. Dabei gelangen Krankheitserreger (in der Regel Bakterien) in das Organ und lösen dort eine Entzündungsreaktion aus.

Während der Trächtigkeit ist die Gebärmutter frei von Bakterien, doch nach dem Kalben hat grundsätzlich jede Kuh eine infizierte, also von Bakterien besiedelte, Gebärmutter. Entzündungen sind also bis zu einem bestimmten Grad normal und Teil der physiologischen Prozesse nach der Kalbung. Entscheidend ist, wie die Kuh darauf reagiert.

Klinische Gebärmutterentzündungen sind Abweichungen vom normalen immunologischen Vorgehen. In der besonderen Situation nach der Abkalbung mit der Negativen Energiebilanz (NEB) können normale Entzündungsvorgänge entgleisen. Die Folge sind überschießende oder verlangsamte Immunantworten.

3) Wie vermeidet man Gebärmutterentzündungen?

Hygiene rund um die Abkalbung ist wichtig. Die Umgebung beeinflusst das weitere Entzündungsgeschehen enorm. Gute Hygiene allein schützt aber nicht vor Problemen.

Bei überbelegten und damit sehr dreckigen Abkalbebereichen ist weniger die mangelnde Hygiene selbst problematisch als der latente Stress und die damit einhergehende reduzierte Futteraufnahme. Alles, was die Futteraufnahme rund um die Abkalbung reduzieren kann, erhöht das Risiko für Gebärmutterentzündungen.

Auch die Körperkondition bei der Abkalbung ist von Bedeutung: Ein hoher Body Condition Score (BCS) verringert die Futteraufnahme um die Kalbung und erhöht das Risiko einer Gebärmutterentzündung.

4) Was sind die Folgen von Gebärmutterentzündungen?

Die Gleichung „Ausfluss gleich Unfruchtbarkeit“ entspricht so nicht der Wahrheit. In der Literatur gibt es keine eindeutige Aussage dazu, inwieweit Fälle von Endometritis, also eitrigem Ausfluss bei ungestörtem Allgemeinbefinden, Güsttage und Zwischenkalbezeit tatsächlich verlängern.

Fest steht, dass die puerperale Metritis die Tiere stark beeinträchtigt und unmittelbare Folgen hat. Fressunlust und das teilweise auftretende Festliegen an sich beeinflussen die Tiergesundheit negativ und erhöhen das Energiedefizit.

Daher geht die puerperale Metritis regelmäßig mit einer klinischen Ketose einher und beide Erkrankungen verstärken sich gegenseitig. So kann es bei dramatisch verlaufenden Metritiden auch zu Tierverlusten kommen.

5) Wie sieht die richtige Behandlung aus?

Es gibt derzeit keine allgemein anerkannte Standardtherapie. Grund dafür ist die Vielgestaltigkeit von Entzündungen und ihren Diagnosen beziehungsweise Definitionen.

Eine Behandlung kommt nur für die Metritis (puerperal oder klinisch) und die klinische Endometritis infrage, denn bei anderen Formen ist die Diagnose schwierig.

Der Einsatz von Antibiotika empfiehlt sich nur im Einzelfall und kontrolliert. Die Behandlung subklinischer Fälle mit Antibiotika und Hormonen ist kritisch zu sehen.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der LAND & FORST, Ausgabe 48/2020 und in der digitalen Ausgabe

Mit Material von Dr. Joachim Lübbo Kleen

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