Auch in der Fütterung von Legehennen kann Rapsextraktionsschrot eingesetzt werden.
Laura Schneider | am

Geflügel mit Rapsextraktionsschrot füttern

Bei Legehennen und Mastgeflügel kommt Rapsschrot selten zum Einsatz. Doch in der richtigen Futtermischung hat es auch hier Potenzial.

Der Verbrauch an Sojaextraktionsschrot (SES) ist in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gesunken. Der Verbrauch an Rapsextraktionsschrot (RES) nimmt dagegen zu. 2015 lag er erstmals über dem von SES. Die steigende Nachfrage nach gentechnikfreien Eiweißquellen rückt RES noch stärker in den Fokus.

Anders als in der Rinderfütterung, kommt RES bei Geflügel noch relativ selten zum Einsatz. Doch auch hier lässt es sich erfolgreich einsetzen. Das verdeutlichte Prof. Gerhard Bellof von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf vergangene Woche bei einem Webinar von Proteinmarkt.

 

Eigenschaften von Rapsextraktionsschrot

Im Vergleich zu SES enthält RES nach Angaben der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP) rund ein Viertel weniger Rohprotein und einen höheren Gehalt an Faserfraktionen. Der Stärkegehalt ist niedriger als bei Getreide oder Körnerleguminosen.

Bellof hob einige weitere Eigenschaften hervor:

  • RES enthält weniger Lysin, aber mehr Methionin und Cystin. Die Verdaulichkeit der Aminosäuren ist bei RES für Methionin und Cystin ähnlich wie bei SES, für Lysin, Threonin und Tryptophan allerdings fünf bis zehn Prozent niedriger.
  • Der Gehalt an umsetzbarer Energie ist bei RES niedriger als in anderen Futtermitteln.
  • Der Phosphorgehalt von RES ist deutlich höher als der von SES und etwa zwei Drittel davon liegen als Phytat vor. Geflügel scheidet einen erheblichen Anteil des Phosphors ungenutzt aus, weil es das Enzym Phytase, das zur Verdauung von Phytat nötig ist, nicht ausreichend bilden kann.
  • Der niedrige Kaliumgehalt von RES sei gerade in der Mastgeflügelfütterung ein Vorteil: Zu viel Kalium führt Bellof zufolge zu einem erhöhten Wasserverbrauch und dadurch zu feuchteren Exkrementen, schlechterer Einstreuqualität und reduzierter Fußballengesundheit.

Besondere Anforderungen bei der Geflügelfütterung mit Rapsschrot

„Wenn wir nennenswerte Anteile an RES in der Geflügelfütterung einsetzen wollen, müssen wir an gezielte energetische Ergänzungen denken und das auch bei den Kosten berücksichtigen“, betonte Bellof.

Außerdem gelte es, die Lücken bei der Verdaulichkeit der Aminosäuren durch eine geschickte Ergänzung der Futtermischungen auszugleichen, zum Beispiel mit freien Aminosäuren.

Der gezielte Einsatz von Phytase als Futterzusatzstoff ermöglicht es dem Wissenschaftler zufolge, das Problem des als Phytat gebundenen Phosphors in den Griff zu bekommen.

Unerwünschte Verbindungen in Raps

Raps enthält auch unerwünschte Verbindungen wie Glucosinolate. Diese verursachten früher bei der Verfütterung an Geflügel oft Probleme und sind ein häufiger Grund für Vorbehalte gegen RES.

Glucosinolate vermindern ab einer gewissen Konzentration Futteraufnahme und Leistung von Geflügel und führen zu verstärktem Schilddrüsenwachstum. Bellof erklärte aber, dass die Gehalte an Glucosinolaten mittlerweile durch Erfolge in der Pflanzenzucht auf ein niedriges Niveau zurückgegangen sind.

Empfehlungen für die Geflügelfütterung

Für Legehennen empfiehlt die UFOP den Einsatz von bis zu zehn Prozent RES unter Berücksichtigung der Energie- und Aminosäuregehalte (Tabelle). 

Bei Masthähnchen und Puten sieht die UFOP eine altersabhängige Steigerung auf Anteile von bis zu 15 Prozent vor (Tabelle). Voraussetzung sind konstante RES-Qualitäten mit gleich bleibenden Nährstoff- und niedrigen Glucosinolatgehalten.

UFOP-Empfehlungen zum Einsatz von Rapsschrot in der Geflügelfütterung
Tierart Phase Anteil am Alleinfutter
Legehennen   10 %
Masthähnchen   1 7,5 %
  2 15 %
  3 15 %
Mastputen 1 0 %
  2 5 %
  3+4 10 %
  5+6 (+7)  15 %

Fazit

  • Rapsextraktionsschrot (RES) kann auch in der Geflügelfütterung erfolgreich eingesetzt werden.
  • Der geringere Energiewert muss durch energiereiche Komponenten in der Mischung ausgeglichen werden.
  • Die geringere Verdaulichkeit essenzieller Aminosäuren lässt sich durch Zusatz freier Aminosäuren ausgleichen.
  • Bei Legehennen ist ein Anteil von zehn Prozent im Alleinfuttermittel sicher möglich.
  • Bei Mastgeflügelsind bei altersabhängiger Steigerung Anteile von 15 Prozent möglich. Voraussetzung sind konstante Nährstoff- und niedrige Glucosinolatgehalte.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der LAND & FORST, Ausgabe 22/2021 und in der digitalen Ausgabe

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