Hitzestress-Geflügel-Vorsorge-B3_CDL

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Silke Schierhold, LWK Niedersachsen | am

Was Sie gegen Hitzestress im Geflügelstall tun können

Schon der Mai hat uns gezeigt, wie schnell es bei uns sehr warm werden kann. Hitze setzt Legehennen, Masthähnchen oder Puten besonders zu, sie können sich nur per Schnabelatmung abkühlen. Da heißt es, aufmerksam zu sein.

Während Menschen ihre Körperwärme über das Schwitzen regulieren, kann sich Geflügel nur über die Schnabelatmung abkühlen. Zusätzlich sorgt das Federkleid beim Geflügel dafür, dass sich Hitze hier auch noch staut. Hierzulande sind inzwischen in jedem Frühjahr/Sommer auch Hitzeperioden üblich. Sehr hohe Temperaturen, eventuell noch gepaart mit einer hohen Luftfeuchtigkeit und fehlender Abkühlung über Nacht bedeuten Hitzestress.

Geflügelhalter und Geflügelhalterinnen müssen ihre Tiere deshalb bei zu erwartender Hitze genau beobachten und ggf. handeln. Eine gute Vorbereitung kann den Tieren viel Hitzestress ersparen.

So erkennen Sie Hitzestau bei Geflügel

Bei Geflügel macht sich ein Hitzestau im Körper durch Hecheln, Flügel anheben, vermehrtes Absitzen usw. bemerkbar. Der Futterverbrauch sinkt, der Wasserbedarf steigt, die Legeleistung lässt nach. Das erzeugt Stress beim Tier und die Versorgung mit Nährstoffen ist nicht mehr gewährleistet.

Vorsicht bei hoher Luftfeuchtigkeit

Kommt zu der warmen Luft noch eine hohe Luftfeuchtigkeit, spricht man von einem hohen Enthalpiewert. Dieser Begriff gibt den Gesamtwärmeinhalt der Luft an und dient als Kennzahl für die Wärmebelastung von Geflügel. Er wird in kj/kg Luft angegeben. Ein Wert von 67 kj/kg ist für Geflügel eine kritische Grenze. Bei 72 kj/kg kommt es in der Regel unweigerlich zum Tod des Geflügels. Je älter die Tiere sind, desto stärker wirkt sich eine Hitzebelastung für sie aus.

Der Deutsche Wetterdienst schaltet von Mai bis September ein Tool, in dem die derzeitigen und die zu erwartenden Enthalpiewerte für den eigenen Standort ersichtlich sind. Andere Wetterdienste bieten ähnliche Vorhersagen an. Eine Warnmeldung über Apps etc. auf dem Handy sollten heute Standard für Geflügelhalter sein.

Was bringt der Windchill-Effekt bei Geflügel?

Der sogenannte Windchill-Effekt (Abkühlung durch höhere Luftgeschwindigkeit) kann anderen Tierarten Erleichterung bei großer Hitze bringen. Bei Geflügel kommt dieser Effekt aber wenig zum Tragen.

Eine Erhöhung der Luftgeschwindigkeit im Tierbereich über die Lüftung ist dennoch ratsam, um die Tiere zu entlasten. Die erforderliche Lüftungsleistung liegt bei 4,5 m³/kg Lebendgewicht und Stunde. Für extreme Hitzeperioden wird empfohlen, die Mindestluftrate um 10 % zu erhöhen. Bei Junghennen und Puten dürfen es sogar bis zu 35 % mehr sein. Eine Luftgeschwindigkeit von 1,25 m/Sekunde hat bei Geflügel eine Kühlwirkung von 3,3 °C.

Mobilstallhaltungen für Legehennen verfügen in der Regel über keine Lüftungseinrichtungen. Hier bietet es sich an, zusätzliche Stützventilatoren vor die geöffnete Stalltür zu stellen. Befindet sich der Außenklimabereich unter dem Mobilstall, kann den Tieren auch hier eine zusätzliche Lüftung Linderung verschaffen. Bei vielen Modellen lässt sich durch geöffnete Rückwände eine Schwerkraft-Querlüftung erzeugen.

Kälber-Jalousien

Kühlsystem vor dem Sommer checken

In geschlossenen Ställen, insbesondere in der Geflügelmast, befindet sich in der Regel eine Sprühkühlung. Diese kann die eintretende Zuluft um bis 7 °C herunterkühlen. Die Luftfeuchtigkeit sollte dabei nach Möglichkeit unter 80 % bleiben. Gerade in Offenställen kann dies aber nicht immer gewährleistet werden, wenn der Enthalpiewert der Außenluft stark ansteigt und somit feuchte warme Luft von außen in den Stall gelangt. Hier ist Vorsicht geboten und bei kritischen Werten ist die Entwicklung laufend zu beobachten. Ein Kühlsystem im Stall sollte regelmäßig geprüft werden. So ist sichergestellt, dass es im Notfall richtig funktioniert. Wenn die Sprühkühlung nur Tropfwasser abgibt, besteht die Gefahr, dass Tiere und Einstreu nass werden. Vor dem Hintergrund der Gefahr hoher Enthalpiewerte ist das unbedingt zu vermeiden.

Von der Stalleinrichtungsbranche werden heute verschiedene Systeme zur Kühlung von außen, auch für Offfenställe, angeboten. Sie können größtenteils auch nachgerüstet werden. Es können Pads oder Vorhänge installiert werden, die laufend mit Wasser befeuchtet werden. Somit gelangt dann bereits vorgekühlte Luft in den Stall.

Immer für frisches Wasser sorgen

Kühles frisches Wasser muss den Tieren grundsätzlich ständig, also 24 Stunden am Tag, zur Verfügung stehen. In Hitzeperioden ist dies besonders wichtig. Der Wasserverbrauch ist bei Hitze stark erhöht. In größeren Ställen ist durch den hohen Durchsatz gewährleistet, dass das Wasser immer frisch ist. In kleineren Ställen sorgen zusätzliche Spülungen der Leitungen dafür, dass sich immer kühleres Wasser in den Tränkelinien befindet.

In mobilen Haltungssystemen sollten die Vorratsbehälter laufend mit kleinen Mengen nachgefüllt werden. So ist auch hier der Zugang zu frischem kühlen Wasser gewährleistet. Zusätzlich kann unter dem Mobilstall ebenfalls Wasser angeboten werden. 

In Absprache mit dem Tierarzt können in Hitzeperioden bzw. bei drohender Hitze zur Unterstützung der Tiere Zusätze wie Vitamin C und/oder Elektrolyte über das Wasser verabreicht werden.

Dickere Einstreu kühlt

Bei Wassergeflügel und Puten, in deren Ställen häufig mit einer dickeren Einstreu aus Stroh gearbeitet wird, sollte dick nachgestreut werden. Hierdurch wird eine Hitzebarriere geschaffen. Von unten gelangt keine zusätzliche Wärme an die Tiere, die sie zusätzlich belasten würde. Das Nachstreuen wird vorzugsweise in den kühleren Morgenstunden erledigt. Bei Masthühnern und Legehennen, bei denen es in der Regel eine geringere Einstreumenge gibt, ist auf eine lockere und vor allem trockene Einstreu zu achten.

Kühlung-Schweineställe_B2_CDL

Mehrmals Kontrollgänge machen

In Hitzeperioden bzw. bei aufkommender Hitze sollten mehrfach am Tag Kontrollgänge im Stall gemacht werden. Diese sollten ruhig und entspannt durchgeführt werden. Das Aufstehen der Tiere ist wichtig, um die Stauhitze vom Körper abzuführen.

Den Zeitpunkt der Fütterung anpassen

Zur Kreislaufstabilisierung bei hohen Temperaturen kann die Fütterung einige Stunden vor der zu erwartenden Tageshöchsttemperatur durch Leerfressenlassen der Tröge eingeschränkt werden. Verdauungsvorgänge erzeugen im Körper der Tiere zusätzliche Wärme. Die Fütterung kann dann nach Absinken der Temperatur in den Abend- und Nachtstunden wiederaufgenommen werden. Dazu kann hier auf eine Dunkelphase verzichtet werden. Die hochgezogenen Futterlinien werden dabei gefüllt wieder abgesenkt.

Fazit

 

  • Auf die warme und insbesondere heiße Zeit im Jahr muss sich jeder Geflügelhalter gut vorbereiten.
  • Vieles sollte und kann bereits im Vorfeld erledigt werden.
  • So muss die Funktionsfähigkeit der Technik im Stall und des Notstromaggregats vor dem Sommer überprüft werden.
  • Ersatzteile für sicherheitsrelevante technische Einrichtungen sollten griffbereit liegen.
  • Notrufnummern sollten vorsorglich im Vorraum angebracht werden.

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Artikel suchen und merken

✓ exklusiv: Video und Audio

✓ Familienzugang

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ Artikel merken und teilen
✓ exklusiv: Video und Audio
✓ Familienzugang
✓ 1 Tag früher informiert
Produkte entdecken
 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Maissorten zur Energieerzeugung
  • Blackout - das müssen Sie bei Notstromaggregaten beachten
  • So erstellen Sie einen Notfallordner
  • Ordnung im Agrarbüro schaffen
  • EU prüft Schutzstatus des Wolfes

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen