Milchviehhaltung war immer der Schwerpunkt von Dirk Drögemüller.
Annette Reiners, LWK Bremen | am

Gesunde Euter mit weniger Antibiotika

Milchviehhalter Ulrich Westrup ist es gelungen, den Antibiotikaeinsatz auf seinem Betrieb bei gleichbleibender Eutergesundheit zu reduzieren. Bei einem Betriebsbesuch schilderte er seine Erfahrungen.

Wie lässt sich der Antibiotikaeinsatz im Milchviehbetrieb senken? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Exkursion von Fokus Netzwerk Tierwohl. Milchviehhalter Ulrich Westrup schilderte bei einem Betriebsbesuch seine Erfahrungen.

Gute Eutergesundheit

Die Westrup-Koch GbR in Bissendorf-Linne, Kreis Osnabrück, hält 600 Milchkühe plus Nachzucht. Die Milchleistung beträgt 12.860 kg, die Lebensleistung 38.160 kg und die Lebenstagsleistung 21 kg. Die Eutergesundheit ist mit 115.000 s.Z. vorbildlich. 

Gründe für sparsamen Antibiotikaeinsatz

  • Bei seltenem Gebrauch wirken die Mittel besser und Resistenzen lassen sich vermeiden.
  • Die Arbeitsabläufe sollen für Melker und Herdenmanager einfach und attraktiv bleiben. Eine mit Antibiotika behandelte Kuh verursacht mehr Arbeit als eine gesunde, denn sie wird bei Westrup-Koch in einem separaten Stallabschnitt gehalten und gemolken.
  • Der Antibiotikaverbrauch in der Tierhaltung ist zurecht ein Thema in Politik und Gesellschaft. Es gilt, vorbildlich zu handeln.

Von 23 auf 8 Behandlungen pro Monat

Die Tierärztliche Hochschule (TiHo) Hannover hat 2016 das Vorhaben zur Verbesserung der Eutergesundheit bei Westrup-Koch begleitet. Durch konsequente Auswertung der MLP-Daten, ein Schnelltest-System und Mitarbeiterschulungen ist es gelungen, die Anzahl von 23 Antibiotikabehandlungen pro Monat auf acht zu reduzieren. Mittlerweile sind Herdengröße und Leistung weiter gestiegen – bei gleichbleibend guter Eutergesundheit. Westrup erklärte, dass Euterkrankheiten durch klare Vorgaben für die Mitarbeiter schneller erkannt, beurteilt und behandelt werden.

Wichtige Punkte bei der Eutergesundheit

Wichtige Punkte sind Beobachtungen am Tier rund um das Melken und die Interpretation der Sensordaten für Wiederkauen und Aktivität. Bei einer klinischen Mastitis bestimmt der Entscheidungsbaum (Grafik) das weitere Vorgehen. Dabei wird zunächst mittels Schnelltest der Schweregrad ermittelt:

  • Grad 1: Flocken, Milch etwas verändert;
  • Grad 2: Euter äußerlich verändert (Rötung oder Ödem);
  • Grad 3: Fieber, Kuh liegt unter Umständen fest.

Gezielt behandeln mit Schnelltests

Schnelltests bieten die Chance, gezielt zu behandeln und Eutertuben einzusparen. Wenn eine Kuh Flocken im Gemelk hat, die Milchprobe aber laut Schnelltest keine Erreger enthält, bekämpft die Kuh ihre Mastitis selbst, ohne medizinische Hilfe. Die Milchproben grampositiv getesteter Kühe werden zum Erregernachweis eingeschickt. "Das ist nötig, um die Ursachen für bestimmte Mastitiden zu ermitteln und das Management anzupassen", erklärte Westrup. Über einen bestimmten Zeitraum liefern die MLP-Auswertungen das Ergebnis über den Behandlungserfolg beim Einzeltier und über Erfolg oder Misserfolg eines veränderten Managementbausteins im Hinblick auf das Erregerspektrum in der Herde.

Schnelltests richtig nutzen

Beim Schnelltest sind folgende Punkte zu beachten:

  • Hygiene bei der Probenname,
  • Herstellerangaben zu Bebrütungstemperatur und -dauer einhalten,
  • Ergebnis auch bei leichtem Verfärben als positiv werten,
  • Test wiederholen, wenn die Kuh trotz negativem Ergebnis nach drei Tagen noch Symptome zeigt,
  • Ergebnisse präzise dokumentieren, auswerten und Handlungsweisen abstimmen.

Hygiene ist wichtige Grundlage

Hygiene beim Melken, in den Liegeboxen und in den Laufgängen ist die Grundlage einer guten Eutergesundheit. Beim Stallrundgang bildeten saubere Kühe in sauberen, bequemen Liegeboxen, Luftaustausch und Wind Chill-Effekt mittels Lüfter sowie dauerhaft abgeschobene rutschsichere Laufgänge ein stimmiges Bild in Bezug auf Kuhkomfort und Stallhygiene.

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